Start-up Cosinuss Gründerin Greta Kreuzer revolutioniert Pulsmesser und Fieberthermometer

Das Start-up Cosinuss hat einen hochgenauen Puls- und Temperaturmesser fürs Ohr entwickelt. Bei Leistungssportlern ist das Gerät ein Erfolg.
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An ihrem Produkt finden besonders Leistungssportler gefallen. Quelle: privat
Greta Kreuzer

An ihrem Produkt finden besonders Leistungssportler gefallen.

(Foto: privat)

MünchenDer federleichte Apparat sieht aus wie ein Hörgerät. Doch Cosinuss One ist kein Hilfsmittel, um die Umgebung wahrzunehmen – im Gegenteil: Der Knopf im Ohr ist dazu da, in den Körper hineinzuhorchen.

Greta Kreuzer, 32, hat gemeinsam mit ihrem fünf Jahre älteren Mann Johannes 2011 das Start-up Cosinuss gegründet. Ihr erstes Produkt ist seit gut zwei Jahren auf dem Markt: ein Pulsmesser fürs Ohr, der auch die Temperatur erfasst. „Das ist die bequeme Alternative zum Brustgurt“, meint Kreuzer.

Cosinuss One messe Puls und Körperwärme sehr zuverlässig, weil die Sensoren im Gehörgang säßen. Die Konkurrenz hat inzwischen zwar auch Messgeräte fürs Ohr. Sie begnüge sich aber damit, die Werte an der Ohrmuschel zu überwachen. Das aber sei weniger genau, so Kreuzer.

Der Apparat, der nur sechs Gramm wiegt und knapp vier mal vier Zentimeter misst, wird vor allem von Hochleistungssportlern genutzt. Anja Beranek, eine der besten Triathletinnen der Welt, gehört dazu. „Endlich kann ich mich vollkommen frei bewegen. Ich bin nicht eingeschnürt von einem Brustgurt, sondern habe freie Atmung, um Vollgas zu geben“, sagt die 33-jährige Triathletin.

Auch die olympischen Schwimmteams aus Deutschland und Ungarn vertrauen auf Cosinuss, zudem ein Rennstall der Formel 1. Welcher? Das dürfe sie nicht verraten, so Kreuzer.

Für das Motorsport-Team sei Cosinuss One eine wesentliche Hilfe, meint die Münchner Unternehmerin. „Die wussten bislang alles über das Auto – da sind unzählige Sensoren angebracht. Aber sie wussten nichts über ihre Fahrer.“ Nun habe die Crew stets im Blick, wie es gesundheitlich um die Athleten im Cockpit stehe. „Wir haben viele Anfragen von Mannschaften, Verbänden und Trainern“, sagt Kreuzer. Ihnen sei es wichtig, präzise Informationen zu bekommen.

Nische im riesigen Sportuhren-Markt

Ursprünglich hatte Kreuzer vor, das Gerät an ambitionierte Hobbysportler zu vertreiben, vor allem Triathleten. Doch mit der Zeit erkannte sie, dass Freizeitsportlern herkömmliche Sportuhren reichen. Stattdessen klopfen Profis an. „Der B2B-Bereich wird wichtiger“, sagt Kreuzer. Sie will künftig auch Soldaten und Feuerwehrleute ausstatten.

Cosinuss besetzt eine Nische in einem riesigen Markt. Den Marktforschern von Gartner zufolge geben die Konsumenten dieses Jahr weltweit knapp 4,3 Milliarden Dollar für Sportuhren aus. Noch einmal so viel fließt in Fitnessarmbänder. Davon profitieren Konzerne wie Garmin oder Samsung.

Weil es mit einer zehnköpfigen Truppe schwer wird, gegen Elektronikriesen zu bestehen, baut Kreuzer ein zweites Standbein auf: Sie will Fieberthermometer fürs Ohr vertreiben. Die Kernkompetenz ist dieselbe. Die Zielgruppe ist jedoch ungleich größer: Kinder. Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat sie dafür 296 Unterstützer gefunden und insgesamt 54.212 Euro eingesammelt.

Die Mutter von drei Kindern ist überzeugt, dass das Gerät namens Degree gerade bei Eltern gut ankommt: „Damit lässt sich durchgehend erkennen, wie hoch die Temperatur ist.“ Der Apparat umschließt das Ohr wie ein Ring, die Sensoren befinden sich wie bei Cosinuss One im Gehörgang. Steigt das Fieber des kranken Kindes, schlägt Degree auf dem Smartphone Alarm.

Ursprünglich wollte die Gründerin die ersten Geräte Ende vergangenen Jahres ausliefern, doch ein Produzent sprang ab – nun zieht sich das Projekt. Wann genau die ersten Apparate verfügbar sein werden, lasse sich noch nicht sagen.

Anfangs wollte Kreuzer gar nicht ins Geschäft mit Medizintechnik einsteigen, die aufwendigen Genehmigungen schreckten sie ab. Dann bekam ihre Tochter eines Tages bei einem fiebrigen Infekt einen Krampf. Ein Schock für die Unternehmerin, die sich an der Uni auf Innovationsmanagement spezialisiert hatte. So wurde ihr klar, dass ihre Technik nicht nur im Sport eingesetzt werden sollte. Inzwischen hat sie für Cosinuss One und für Degree eine medizinische Zulassung beantragt.

Auch Kreuzers drittes Vorhaben hat etwas mit Gesundheit zu tun: Sie will Lungenkranke überwachen. „Für die ist Sport wichtig – aber nur, wenn sie ihren Gesundheitszustand im Blick haben.“

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