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Start-up Demecan Diese Gründer dürfen Cannabis „made in Germany“ anbauen

Start-up Demecan hat für Anbau grünes Licht erhalten. Im vierten Quartal sollen die ersten Cannabisblüten aus der Nähe von Dresden geliefert werden.
18.07.2020 - 10:11 Uhr Kommentieren
Die drei Gründer sind die Geschäftsführer des 2017 gegründeten Medizinalcannabis-Start-ups Demecan. Quelle: Demecan
Adrian Fischer (l.), Cornelius Maurer (M.) und Constantin von der Groeben

Die drei Gründer sind die Geschäftsführer des 2017 gegründeten Medizinalcannabis-Start-ups Demecan.

(Foto: Demecan)

Frankfurt Ein Ökonom, ein Arzt und ein Jurist: Das sind die drei Köpfe hinter dem einzigen deutschen Start-up, das hierzulande Medizinalcannabis anbauen darf. Demecan heißt das Unternehmen, das Adrian Fischer, Cornelius Maurer und Constantin von der Groeben 2017 in Berlin gründeten.

Im vierten Quartal soll Demecan Cannabisblüten aus dem eigenen Anbau in Sachsen für therapeutische Zwecke liefern. So sieht es die Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) vor. Das Institut hatte Demecan im vergangenen Frühjahr den Zuschlag für drei von insgesamt 13 Losen gegeben. Neben den Berlinern kamen die deutschen Tochtergesellschaften der kanadischen Unternehmen Aurora und Aphria zum Zuge, die jeweils für fünf Lose den Zuschlag erhielten.

„Wir wollten etwas gemeinsam aufbauen, das einen gesellschaftlichen Mehrwert bringt“, sagt Cornelius Maurer, 37, der Ökonom im Team der Gründer. Und es sollte ein Unternehmen sein, das alle drei gleichermaßen fordert: ökonomisch, medizinisch und juristisch. „All das ist beim Thema Medizinalcannabis gegeben“, so Maurer.

Die Demecan-Gründer haben sich während des Studiums in Köln kennen gelernt. Anschließend gingen Maurer, der Jurist Constantin von der Groeben, 35, und der Mediziner Adrian Fischer, 36, erst einmal eigene Wege. Alle drei promovierten und sammelten Berufserfahrung – auch im Ausland. Mit der zunehmenden Diskussion um Cannabis als Medizin wurden sie auf das Thema aufmerksam und planten das gemeinsame Unternehmen.

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    Nachdem im März 2017 Cannabis für den therapeutischen Einsatz in Deutschland freigegeben wurde und das Bfarm kurz darauf die Ausschreibung für den Anbau in Deutschland startete, bewarb sich die frisch gegründete Demecan darauf. Allerdings wurde die erste Ausschreibung wegen einer Klage gerichtlich gestoppt. Die zweite startete erst Mitte 2018. Inzwischen hatte sich Demecan um die entsprechenden Lizenzen als Cannabis-Importeur gekümmert.

    „Wir haben unser Unternehmen zwar vor allem deswegen gegründet, weil wir Cannabis in Deutschland produzieren wollen. Aber als das erste Vergabeverfahren gestoppt wurde, bot es sich an, auch als Händler aktiv zu werden, um die Kontakte und das Know-how, das wir uns erarbeitet haben, zu nutzen und die Versorgungslücke bei medizinischem Cannabis kurzfristig zu schließen“, sagt von der Groeben.

    Trubel um angebliches Joint Venture

    In Vorbereitung auf die Ausschreibung hatten sich die Gründer mit verschiedenen Cannabisunternehmen ausgetauscht, darunter auch mit der kanadischen Wayland. „Wayland war eines der Unternehmen, deren Anlage damals bereits die für Medizinalcannabis notwendige europäische Zertifizierung hatte. Die gesammelten Eindrücke haben wir in unser Konzept für die Bewerbung einfließen lassen“, sagt von der Groeben. „Es gab auch die Idee, ein gemeinsames Joint Venture für die Cannabisproduktion zu gründen. Dazu ist es aber nicht gekommen, weil die dafür notwendigen Bedingungen nicht erfüllt waren.“

    Wayland wiederum hatte dagegen im vergangenen Jahr wiederholt von einem 50-prozentigen Anteil an einem Cannabis-Joint-Venture mit Demecan berichtet. Als die Kanadier im Mai 2019 knapp die Hälfte ihrer internationalen Aktivitäten verkauften, war der Bfarm-Zuschlag an Demecan dem Käufer International Cannabis Corporation angeblich eine Vorauszahlung von 15 Millionen Dollar wert.

    Im Nachhinein deutet alles darauf hin, dass diese Aktivitäten von Wayland vor allem drauf abzielten, sich dringend benötigte Liquidität zu beschaffen. Im vergangenen Dezember beantragte das Unternehmen in Kanada ein Insolvenzverfahren. Gegen den ehemaligen Vorstandschef Ben Ward läuft ein Verfahren der Börsenaufsicht wegen betrügerischen Verhaltens bei einem früheren von ihm mitgegründeten Cannabisunternehmen.

    Die Demecan-Gründer möchten das Thema Wayland hinter sich lassen und blicken nach vorn: „Jetzt geht es erst mal darum, trotz möglicher Einschränkung durch Corona den Cannabisanbau bis zur Ernte im vierten Quartal zu stemmen. Corona hat alles herausfordernder gemacht“, sagt von der Groeben. „Ein Anlagenbau lässt sich schwer aus dem Homeoffice steuern. Und wir sind in der pharmazeutischen Herstellung tätig. Auch wir können bei einer möglichen zweiten Welle von Lieferengpässen betroffen sein: vom Klimagerät bis zur Schutzkleidung. All das gilt es bei unseren Planungen miteinzubeziehen“, sagt er.

    Zahl der Verordnungen hat sich verdoppelt

    Die Finanzierung der Anbauaktivitäten in den Hallen eines ehemaligen Schlachthofs in Ebersbach bei Dresden ist gesichert. Im vergangenen Oktober stieg der Chef und Miteigentümer der Krombacher-Brauerei, Bernhard Schadeberg, über seine Beteiligungsgesellschaft mit 3,5 Millionen Euro bei dem Cannabis-Start-up ein.

    Die gleiche Summe investierte die Venture-Capital-Gesellschaft Btov Partners. „Demecan agiert in einem sehr attraktiven Markt zur richtigen Zeit“, hatte Btov-Associate Jennifer Phan damals erklärt. Deutschland stelle aktuell den drittgrößten Markt für medizinisches Cannabis weltweit dar und sei dabei auf Wachstumskurs. „Wir glauben, das Unternehmen hat einen First-Mover-Vorteil in einem stark regulierten Marktumfeld, vor allem da es das einzige deutsche Produktions- und Handelsunternehmen auf dem europäischen Markt ist“, so Phan weiter.

    Tatsächlich hat sich die Zahl der Verordnungen von Cannabisblüten, Extrakten und Medikamenten innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt und stieg von knapp 36.000 im ersten Quartal 2018 auf 78.200 im gleichen Zeitraum 2020, wie Zahlen der gesetzlichen Krankenversicherung zeigen. Der Bruttoumsatz lag im ersten Quartal 2020 bei fast 39 Millionen Euro.

    In einer weiteren millionenschweren Finanzierungsrunde stieg im Frühjahr der ehemalige Inhaber des Spielzeugherstellers Schleich, Paul Kraut, bei Demecan mit 7,4 Prozent ein. Auch die Altinvestoren haben noch einmal aufgestockt. Laut Handelsregister halten die drei Gründer nun jeweils noch rund 21 Prozent.

    In den kommenden vier Jahren soll Demecan im Auftrag des Bfarm mindestens 2400 Kilogramm getrocknete Cannabisblüten produzieren. Der Einsatz von Cannabis für den Freizeitbedarf ist für die drei Gründer derzeit kein Thema. „Unser Fokus liegt auf der Produktion und dem Import von medizinischem Cannabis, um eine flächendeckende Patientenversorgung zu erreichen. Die Nachfrage steigt konstant, und wir glauben, dass neben der heimischen Produktion auch weiterhin importiert werden muss, um den Bedarf zu decken“, sagt Adrian Fischer, der Arzt im Gründerteam.

    Allerdings bietet auch der medizinische Bereich noch reichlich Raum für neue Produkte und Aktivitäten. „Wir stehen im Moment bei der Cannabisblüte. Wir finden aber auch den Bereich Extrakte und Öle sehr spannend und wollen hier aktiv werden“, sagt Fischer. Auch die Forschungsarbeit will das Unternehmen weiter vorantreiben. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der Züchtung von Pflanzenmaterial.

    Mehr: Pharmaunternehmer Clemens Fischer will ein Cannabis-Medikament erforschen

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