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Start-up Elvie Eine neuartige Milchpumpe soll den deutschen Markt erobern

Das britische Start-up Elvie will Müttern mit digitalen Anwendungen das Stillen erleichtern. Gründern Tania Boler hat darüber hinaus große Pläne.
15.07.2020 - 04:13 Uhr Kommentieren
Sie entwickelte eine digitale Milchpumpe. Quelle: HotDot
Tania Boler

Sie entwickelte eine digitale Milchpumpe.

(Foto: HotDot)

Düsseldorf Frauen können ihren Menstruationszyklus bereits in diversen Apps dokumentieren und so ihre fruchtbaren Tage messen. Auch das Stillen der Mütter müsse durch eine digitale Anwendung erleichtert werden, fand Tania Boler, Gründerin des britischen Start-ups Elvie.

2018 brachte sie eine tragbare und leise Milchpumpe in Großbritannien und den USA auf den Markt. Sie lässt sich über eine App steuern, sie misst das Stillverhalten der Frau und wertet es aus. Jetzt möchte Boler mit der digitalen Milchpumpe in Deutschland durchstarten.

Es handelt sich um ein handgroßes, eiförmiges Gefäß, das stillende Frauen in ihren BH klemmen oder unter ihrem T-Shirt tragen können. Das Gerät mit der Milchpumpe lässt sich mit dem Smartphone verbinden. So können Frauen ihr Milchvolumen und den Pumpverlauf in einer App ablesen.

Für Boler ist ihre Elvie-Milchpumpe ein längst überfälliges Produkt in der Gesundheitswirtschaft. „Wir haben eine Lösung für Probleme vieler Frauen, welche der Technologiesektor immer ignoriert hat“, sagt die Gründerin. Traditionell wäre das Abpumpen von Milch für Mütter nur mit einem schweren, lauten und verkabelten Gerät möglich und mache die Erfahrung für viele Frauen schmerzhaft und unangenehm. Die Pumpe von Elvie steigere zumindest ihre Flexibilität im Alltag. „Manche Frauen gehen mit ihr joggen oder heiraten sogar mit der Milchpumpe“, behauptet Boler.

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    Entstanden ist die Idee für ihr Geschäftsmodell vor allem durch Bolers vorherige Berufserfahrungen. Vor der Elvie-Gründung 2013 absolvierte sie ihre Studien in Oxford sowie Stanford und wurde Doktorin für Reproduktive Gesundheit an der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

    Bei verschiedenen NGOs spezialisierte sie sich auf die HIV-Prävention und den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen in verschiedenen Ländern in Afrika. Boler wurde Teamleiterin für HIV Präventionspolitik bei der Unesco und erarbeitete dort den ersten globalen Lehrplan für Sexualkunde.

    Geprägt wurde ihre Leidenschaft, sich mit Tabuthemen in der Gesundheit zu beschäftigen, durch aufreibende Erfahrungen in ihrer Jugend: Sie beobachtete Drogenmissbrauch und psychische Erkrankungen bei Familienmitgliedern. Daraus entwickelte sich ihre Vision, Gesundheitsversorgung neu zu denken: Es brauche personalisiertere Lösungen, auch in der Frauengesundheit. „Dazu gehören auch Menstruation, Fertilitätsprobleme und Probleme vor, während und nach einer Schwangerschaft“, sagt Boler.

    Kampf für personalisierte Medizin

    Ihre erste Produktentwicklung ist ein digitaler Beckenbodentrainer, der 2015 am Markt startete. Er soll Frauen helfen, nach der Schwangerschaft ihre Beckenmuskeln zu stärken. Auch dieser ist mit einer App verbunden, in der die Nutzerinnen ihren Trainingsfortschritt verfolgen können. Für den Trainer hat das Start-up bereits Selektivverträge mit Krankenkassen in Großbritannien. Die digitale Milchpumpe ist bislang ein Selbstzahlerprodukt: Sie kostet für eine Brust 299 Euro und für beide 599 Euro.

    Langfristig plant Boler, die Milchpumpe in Deutschland von den Krankenkassen erstattet zu lassen: „Wir brauchen ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen wäre eine Option.“

    Für das kommende Jahr hat sie schon größere Pläne: „Wir wollen in den kommenden Jahren an die Börse gehen.“ Davon, dass sie mit ihrer digitalen Anwendung eine Versorgungslücke für Frauen schließt, konnte sie zuletzt auch Geldgeber überzeugen. Erst im April 2019 erhielt Boler in einer Serie-B-Finanzierung 42 Millionen US-Dollar frisches Kapital für die Weiterentwicklung ihrer elektronischen Geräte für Frauen – die bisher größte investierte Summe in der Femtech-Branche.

    So großzügig waren Investoren vorher nicht. „Der Aspekt, dass es sich um Frauengesundheit und um sehr intime Körperbereiche handelt und dann auch noch eine Hardware, anstatt nur eine einfache App, im Spiel war, machte es schwieriger“, sagt Boler. Viele, vor allem männliche, Investoren lehnten ein Treffen deswegen direkt ab, berichtet sie.

    Doch Bolers Ehrgeiz zahlte sich aus: 25 Millionen Euro Umsatz erzielte sie im Jahr 2019 mit den Elvie-Produkten. Mit dem frischen Kapital plant das Start-up neben Deutschland sechs weitere europäische Märkte zu erschließen: Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Spanien und die Schweiz.

    Zu den Investoren zählen neben Octopus und Impact Ventures U.K. auch die deutsche Investorin Nicole Junkermann. Die ist von Bolers Geschäftsidee überzeugt: „Unternehmen wie Elvie haben dazu beigetragen, dass Frauen sich stärker als Konsumentinnen von Healthcare-Produkten verstehen und nicht die Patientenrolle einnehmen.“

    Mehr: Frauen haben es in der Start-up-Welt immer noch schwer

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