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Start-up Konferenz Konferenz „Hinterland of Things“ bringt Mittelständler und Start-ups zusammen

Bei der Konferenz „Hinterland of Things” in Bielefeld rücken Mittelständler und Start-ups näher. Damit wollen sie das Überleben der Region sichern.
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Vox-Moderator Habtu, bekannt aus der Sendung „Die Höhle des Löwen“, sorgte in Bielefeld für die Bühnenshow. Quelle: Benjamin Janzen
Celine Flores, Sebastian Borek und Amiaz Habtu:

Vox-Moderator Habtu, bekannt aus der Sendung „Die Höhle des Löwen“, sorgte in Bielefeld für die Bühnenshow.

Quelle: Benjamin Janzen

BielefeldKapuzenpulli und Turnschuhe trifft auf schlichte Garderobe mit Jackett und Hemd – auf der Konferenz „Hinterland of Things“ begegneten sich am Donnerstag Vertreter der Start-up-Szene und Familienunternehmer. Die Idee dahinter: Traditionsreiche Mittelständler der Region Ostwestfalen-Lippe wie Claas, Gildemeister, Miele, Dr. Oetker, Dr. Wolff und Schüco sollen enger mit jungen Unternehmen zusammenarbeiten.

Ihr gemeinsames Ziel: die digitale Transformation voranbringen. Ein Erfolgsrezept gibt es nicht, einig sind sich aber alle Konferenzteilnehmer darin, dass es schnell gehen muss. Sonst drohen die Unternehmen der Region von Digitalkonzernen mit neuen Geschäftsmodellen abgehängt zu werden.

Damit die Wirtschaft in Ostwestfalen digital den Anschluss behält, hat Sebastian Borek im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die Hinterland-Konferenz und die Founders Foundation ins Leben gerufen. In OWL – wie es die Einheimischen abkürzen – bildet der 44-Jährige seit 2016 angehende Gründer aus aller Welt aus.

Damals fragten sich einige: Was wollen digitale Start-ups ausgerechnet in Bielefeld? Zu alt und behäbig seien die dortigen Unternehmen, zu starr die Prozesse, zu langweilig die Stadt – lauten die gängigen Vorurteile. Die Region ist zwar bekannt ist für traditionsreiche Familienunternehmen. Aber hip und innovativ?

Doch die Zweifler hat Borek inzwischen belehrt. Rund 300 Unternehmertalente wurden in der Founders Foundation bis heute zu Gründern ausgebildet. Knapp 20 Start-ups hat er erfolgreich gefördert. Die besten neun davon machen insgesamt zehn Millionen Euro Umsatz und haben etwa 180 Arbeitsplätze geschaffen. Im Januar haben sich elf Mittelständler der Region zur „Hinterland-Allianz“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: gemeinsam von Start-ups zu lernen.

Damit zeigte sich im Lokschuppen in Bielefeld das wohl größte Spannungsfeld der deutschen Wirtschaft. Denn auch wenn Unternehmer neidisch auf das Silicon Valley schauen, füllen noch immer die althergebrachten Geschäftsmodelle die Auftragsbücher. Disruptive Innovationen lassen auf sich warten oder werden oft nur halbherzig angegangen.

Das müsse ein Ende haben, appelliert Frank Thelen. Der Investor, bekannt aus der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“, eröffnete die Konferenz. Er lobte zwar die deutsche Genauigkeit und Ingenieurskunst. Doch in diese Detailverliebtheit hätte auch dazu geführt, dass Deutschland seit SAP keine technischen Fortschritte angetrieben hat. Mehr Mut und mehr Risiko seien die Stichwörter der Zeit.

Lucas von Cranach, Gründer der Fußballfanpage Onefootball, ist überzeugt, dass die Region eine Chance hat. Er selbst hat hier vor zehn Jahren die Koffer gepackt und ist zum Gründen nach Berlin gezogen. „Es gab nur dort eine passende Community und geeignete Mitarbeiter,“ sagte er. Mittlerweile sei aber auch „in OWL ein Start möglich“. Jedoch müssten Familienunternehmer verstehen, dass sie ihre eigenen Messlatten nicht an Start-ups anlegen könnten.

„Umsatz und Mitarbeiterzahl sagen wenig über unseren Erfolg aus. Bei uns ist es zum Beispiel der Lifetime-Value“, ist er überzeugt. Also der Nutzen der Besucher, die sich über ihre Fußballmannschaft informieren. Doch um die beiden Welten Mittelstand und Start-ups zu verbinden, sei eines wichtig: Zuhören.

Um die Bereitschaft dafür zu entwickeln, müsse es aber zunächst eine Motivation geben. Dafür ginge es vielen Unternehmen einfach noch „zu gut”, meint Brigitte Mohn im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Vorständin der Bertelsmann Stiftung befürchtet, dass die Lage sich bereits in fünf Jahren ändert. Mit fatalen Folgen für die Unternehmer. Wer heute Investitionen in digitale Prozesse und neue Geschäftsmodelle versäumt, muss morgen mühsam den talentierten Nachwuchs aus den Großstädten oder dem Ausland zu sich locken. Oder wird gar komplett vom Markt gedrängt. „Wir müssen Gas geben,” lautete ihr Appell.

Unternehmer müssen das Scheitern üben

Albert Christmann, persönlich haftender Gesellschafter der Dr. August Oetker KG, sieht in der technischen Entwicklung sogar weit mehr als nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Für ihn sei es eine demokratische Aufgabe, diese Entwicklung auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen. „Wir müssen es als Chance sehen, um unsere liberalen europäischen Werte, bei denen der Einzelne einen hohen Stellenwert hat, gegenüber den Großmächten USA und China zu wahren. Das setzt allerdings Wettbewerbsfähigkeit voraus, um überhaupt bei den technischen Veränderungen mithalten zu können“, sagte der Oetker-Chef dem Handelsblatt. So viele Menschen wie möglich müssten verstehen, wie wichtig diese Entwicklung sei. Deswegen habe er die Konferenz von Anfang an mit Begeisterung unterstützt.

Christmann ist überzeugt, dass mit der Markteinführung der Quantencomputer die Technik den Takt übernehmen wird. „Der Mensch wird der Maschine folgen,” sagte er. Während ein Unternehmen wie Dr. Oetker früher 30 Jahre lang Zeit hatte, mit Produkten wie etwa die der Tiefkühlpizza einen Markt zu entwickeln, wären heute spätestens alle zehn Jahre neue Lösungen gefragt.

Die Hinterland-Konferenz sei ideal, um Ideen auszutauschen – zwischen Jung und Alt sowie zwischen Gründern und Familienunternehmern. „Dafür brauchen wir solche Plattformen überall in Deutschland”, sagte er.

Die Nachfrage daran ist zumindest in Ostwestfalen-Lippe binnen eines Jahres stark gewachsen. Während die erste Konferenz 2018 noch knapp 300 Besucher zählte, waren es dieses Jahr bereits viermal so viele. Gründer und Netzwerker Borek schaute entspannt in diese Menge. „Ich bin fasziniert, wie schnell das alles gewachsen ist“, sagte er. Er selbst ist beruflich als Gründer jahrelang zwischen Berlin und Bielefeld gependelt. Doch als die Bertelsmann Stiftung ihn engagiert hat, sich „etwas mit Start-ups” für die Region zu überlegen, ergriff der Familienvater die Chance, in seiner Heimat zu arbeiten.

„Im Grunde waren die Gründer der Familienunternehmen auch mutige Visionäre mit verrückten Ideen”, sagte Borek. Und diese nun zusammenzubringen, um die Zukunft zu gestalten, sei eine fast schon logische Schlussfolgerung. Dabei sieht er nur ein grundlegendes Problem: „Uns Deutschen fehlt es an Mut.” Für Effizienz und Prozessoptimierung ist „Made in Germany“ schon weltweit bekannt. Borek: „Nun müssen wir Deutsche das Probieren, Scheitern und Stolpern üben.“

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