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Start-up Luis Kang mischt mit seinem Video-Trainer den europäischen Fußball auf

Das koreanische Start-up Bepro11 steigt mit Video- und Analysetools in den Fußballmarkt Europa ein. Doch der Rasenballsport ist für Gründer Luis Kang nur der Anfang.
17.12.2019 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Südkoreaner bietet mit seiner App Videoanalyse-Tools für Fußballvereine an. Quelle: BePro11
Luis Kang

Der Südkoreaner bietet mit seiner App Videoanalyse-Tools für Fußballvereine an.

(Foto: BePro11 )

Hamburg Mit zwei Kaffeebechern in der Hand kommt der Gründer in seinen Konferenzsaal. Auf der einen Tasse: der Geißbock des 1.FC Köln. Auf der anderen: der Totenkopf des FC St. Pauli. Hyunwook Kang versucht, von all den potenziellen Kunden Becher zu sammeln. Wächst sein Start-up weiter so schnell wie derzeit, braucht Kang bald einen neuen Küchenschrank in seinem Hamburger Büro.

Denn der Koreaner, der sich in Europa Luis Kang nennt, schickt sich an, Europas Fußballmarkt aufzurollen. Vor gerade einmal vier Jahren hat er die Video- und Datenanalysefirma Bepro11 in seiner Heimat Seoul gegründet. Seitdem hat er mehr als zehn Millionen Euro von Investoren eingesammelt, der japanische Telekommunikationsriese Softbank ist eingestiegen und das Team auf weltweit 55 Mitarbeiter angewachsen.

30 davon, die meisten Koreaner, sitzen heute in Hamburg, im zweiten Stock eines modernen Backsteinbaus, mittendrin in der schicken Hafencity. Kang warb viele von ihnen in Seoul ab, von Samsung und von LG. Er war damals nur 25 Jahre alt – und hatte nicht einmal eine Finanzierung in der Tasche. Trotzdem gingen elf Landsleute mit ihm den Schritt nach Deutschland.

Erst gut ein halbes Jahr später kam rund eine Million Euro in der Series-A-Finanzierung zusammen. Die zweite Runde brachte schon neun Millionen ein. Damals beteiligte sich auch Softbank. Der kalifornische Kapitalgeber Altos Ventures und Korean Telekom sind ebenfalls investiert.

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    Fast das gesamte Geld haben sie bei Bepro11 investiert, ins Team, die Software, das Wachstum. Für die hochauflösenden Videos werden Stadien oder Trainingsplätze mit jeweils drei Kameras ausgerüstet. Die Hardware kommt vom schwedischen Hersteller Axis, die Software entwickelten Kang und seine Kollegen selbst. Durch die Kameras werden alle Spieler und ihre Aktionen auf dem Spielfeld erfasst: Pässe, gelaufene Kilometer, Schussversuche, Fouls, gewonnene Zweikämpfe.

    1. FC Köln führt Gespräche mit Bepro

    Mittlerweile nutzen mehr als 440 Fußballteams die Übertragungstechnik und Analysetools der Firma – in 13 Ländern. Die erste Kooperation schloss Kang noch mit dem koreanischen Fußballverband. „Der Fußball-Kernmarkt ist aber Europa“, sagt er. „Deswegen sind wir den Schritt nach Deutschland gegangen.“

    Auch einige Bundesligisten haben den Service getestet, der 1. FC Köln befindet sich derzeit in Gesprächen mit Bepro11, erklärt eine Sprecherin. In Spanien zählt Erstligist Deportivo Alavés zu den Kunden, in Italiens Serie A ist der FC Bologna mit dabei.

    Ein weiterer Partner ist die „Real Madrid Clinic“. Allein für die Fußballakademie des spanischen Rekordmeisters haben sie schon mehr als 25.000 Minuten an Videomaterial aufgezeichnet, rund 2000 Spiele bis runter zu den Jugendteams.

    Kang will seine Idee global ausrollen. Sein Studium – in Seoul wollte der 27-Jährige eigentlich einen Abschluss in Sozialpädagogik und Entrepreneurship machen – hat er mittlerweile schweren Herzens abgebrochen. Ein Jahr hätte ihm noch gefehlt, doch die Firma war ihm wichtiger.

    Mit Begeisterung zeigt Kang die neuesten Features seiner Software auf einem großen Flat-TV im Hamburger Konferenzsaal: wie sich mit wenigen Klicks individuelle Videos erstellen lassen – beispielsweise alle Pässe eines bestimmten Spielers in der ersten Halbzeit. Oder alle Torschüsse der gesamten Mannschaft. Oder nur die Zweikämpfe zwischen Verteidiger X und Angreifer Y.

    „Wir haben Tonnen von Daten“, sagt Kang. Die Trainer können die herausgefilterten Sequenzen auch betexten, Linien einzeichnen, Szenen an bestimmte Spielergruppen schicken. „Die Spieler können die Ideen des Trainers anhand ihrer eigenen Videos viel plastischer verstehen.“ All die Features sind mittlerweile auch in der mobilen App möglich. Jeder Spieler bekommt einen eigenen Account – und kann damit direkt auf seine Daten und Videos zugreifen.

    Andere Sportarten in Planung

    Videoaufzeichnungen von Fußballspielen gab es in Deutschland auch schon vorher. Die Essener Firma Soccerwatch.tv und die Kölner Sporttotal.tv bieten etwa Livestreamings an – und dazu auch einzelne Analysefunktionen. Doch beide Plattformen sind eher auf den Zuschauer zugeschnitten.

    Bepro11 ist vor allem ein Tool für Trainer. Kein Wunder, Kang ist selbst begeisterter Coach. Seit seiner Kindheit spielt er Fußball, seit einigen Jahren trainiert er Jugendmannschaften. Auch in der neuen Wahlheimat: Beim FC Hamburger Berg ist er Spielertrainer, zweimal die Woche coacht er das Kreisklasseteam, am Wochenende ist er bei den Spielen dabei.

    Kang liebt auch das Paddeln auf der Alster, geht gern joggen. Erstaunlich ist, dass er für all das noch Zeit findet. Sein Unternehmen wächst und wächst – und damit auch die Verantwortung des jungen CEO, der vor Kurzem in die Top-30-„Forbes“-Liste der Unter-30-Jährigen gewählt wurde.

    Das erste Jahr ist die Software für Vereine noch kostenlos. Danach kostet das Startpaket unter 10  000 Euro pro Jahr. Für Amateurligen und Jugendmannschaften sind die Beiträge günstiger gestaffelt als für Profiteams. Das Kalkül ist klar: Wer erst einmal mit der Software arbeitet, wird schnell danach süchtig. Regelmäßig kommen neue Tools dazu.

    Wie etwa Live-Coding und Live-Tagging: Der Analyst, der auf der Tribüne sitzt, bekommt die Live-Daten des Spiels direkt auf seinen Laptop. Während das Match noch läuft, kann er per Schneideprogramm schon Spielszenen herausfiltern und dem Trainer zusenden, damit dieser seinen Spielern in der Halbzeit die fertige Analyse präsentieren kann.

    „Der Markt für Fußballanalyse ist noch immer in den Kinderschuhen, aber er wächst schnell“, erklärt Caitlyn Choi von Softbank Ventures Asia den Einstieg in das Start-up. Bepro11 sei gut positioniert, um in diesem Markt mit Software und Künstlicher Intelligenz zu gewinnen. „Luis ist sehr leidenschaftlich beim Thema Fußball, hat Energie, ist einfallsreich“, beschreibt Choi den Gründer. Er habe bedeutende Fortschritte bei der globalen Geschäftsentwicklung gezeigt, vor allem in Europa.

    So soll es weitergehen. Für das gesamte nächste Jahr wollen sie sich bei Bepro11 weiter auf Fußball konzentrieren. Aber eines ist klar: Der Rasenballsport ist nur der Anfang. „Unsere Technik lässt sich auf alle beliebigen Sportarten übertragen“, sagt Kang. Es klingt nicht nur nach einer Drohung – sondern auch nach einem festen Plan.

    Mehr: Schalkes Marketingvorstand sieht das Fußballgeschäft im Umbruch. Alexander Jobst über Digitalisierung, E-Sport und das Vorbild Silicon Valley.

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