Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Start-up Smartlane Diese Gründerin will die Logistik smart machen

Monja Mühling hilft mit ihrer Software Unternehmen, ihre Flotten effizienter einzusetzen. Namhafte Kunden hat ihr Start-up bereits gewonnen.
Kommentieren
Mit ihrem Start-up Smartlane hat sie eine cloudbasierte Software entwickelt, die Logistikfirmen hilft, ihre Flotten effizienter einzusetzen. Quelle: Smartlane
Monja Mühling

Mit ihrem Start-up Smartlane hat sie eine cloudbasierte Software entwickelt, die Logistikfirmen hilft, ihre Flotten effizienter einzusetzen.

(Foto: Smartlane)

München Wenn Monja Mühling am Dienstag einen Vortrag auf der World Mail & Express Conference in Miami hält, wird sie wohl die einzige Frau auf der Bühne sein. Auch werden die meisten Teilnehmer bei dem Branchentreff älter sein als die 29-jährige Unternehmerin. Doch der ist vor dem Auftritt nicht bange. „Ich bin gut vorbereitet.“

Planung und Effizienz ist das große Thema der Gründerin. „Ich bin sehr genau bei dem, was ich tue.“ Mit ihrem Start-up Smartlane hat sie eine cloudbasierte Software entwickelt, die Logistikfirmen hilft, ihre Flotten effizienter einzusetzen.

Die Technologie berücksichtigt zum Beispiel Lieferzeitfenster, die Kapazitäten der Fahrer, Wünsche der Kunden und die Art und Größe der Flotte. Auf dieser Basis werden innerhalb weniger Minuten unter anderem die idealen Touren für die Fahrer berechnet, das System lernt ständig dazu. Es nutzt unter anderem die Kartendaten von Here und Informationen über die Echtzeit-Verkehrslage als auch die Positionen der Fahrzeuge.

Transport Mining nennen die Gründer von Smartlane das Prinzip. Zu den Kunden gehören unter anderem die Deutsche Bahn und Metro. So kann ein Handelskonzern mit der Technologie zum Beispiel die Belieferung von Filialen oder von Endkunden organisieren.

Mühling ist überzeigt, dass das System allen anderen Softwareangeboten am Markt überlegen sei , weil es Transportplanung und -steuerung erstmals komplett automatisiere. „Mit Smartlane können die Kunden bis zu 90 Prozent der Planungszeit, viele gefahrene Kilometer und rund 30 Prozent der Kosten einsparen“, sagt sie. Die Nachfrage sei groß, weil viele Logistiker nun das Thema Digitalisierung für sich entdeckt hätten. Das Bedürfnis sei da, „aber viele wissen nicht, an welcher Stellschraube sie drehen müssen“.

Wenn man Insuffizienzen in den Konzernen sieht, kann man wenig bewirken, weil vieles politisch entschieden wird. Monja Mühling, Mitgründerin Smartlane

Planung und Effizienz spielen auch im Leben der gebürtigen Odenwälderin eine zentrale Rolle – schließlich hat sie eine anderthalbjährige Tochter, das Familienleben muss mit dem Start-up-Dasein abgestimmt werden. Gegründet hatte sie das Unternehmen 2015 gemeinsam mit den Informatikern Florian Schimandl und Mathias Baur. Mühling studierte Betriebswirtschaftslehre mit einem technologischen Schwerpunkt und Informatik im Grundstudium. Ein Interview im Rahmen ihrer Masterarbeit brachte sie mit den beiden zusammen, die sie daraufhin, während des bereits laufenden EXIST-Gründerstipendiums ins Team holten.

Smartlane bewegt sich in einem großen Wachstumsmarkt. Apps im professionellen Einsatz, Cloud-Computing, Big Data und vorausschauende Analytik seien in der Logistik „dynamische Zukunftsfelder, um mit dem Kosten- und Margendruck sowie mit steigenden Kundenanforderungen Schritt zu halten“, heißt es in einer Fraunhofer-Studie. Viele Unternehmen sehen darin die Notwendigkeit, ihre Transportprozesse zu digitalisieren – aber erst ein Drittel sieht sich bereits als „digital gut entwickelt“.

Gute Perspektiven

Gerade bei den Themen wie der Flexibilisierung von Zustellzeit und -ort, automatisierten Echtzeit-Benachrichtigungen und Lieferungen am selben Tag wollen die Unternehmen verstärkt auf Digitalisierung setzen. Aktuell nutzen 54 Prozent der Firmen Big-Data-Analytik, zeigt die Studie, in fünf Jahren wollen dies 83 Prozent tun. Künstliche Intelligenz haben derzeit vier Prozent im Einsatz, in fünf Jahren wollen dies immerhin 25 Prozent.

„Insbesondere Echtzeit-Entscheidungsunterstützungssysteme stellen sinnvolle Analyse- und Entscheidungsinstrumente dar, beispielsweise um die optimale Auswahl der Transportmodi zu treffen oder für kurzfristige Entscheidungen und Umplanungen aufgrund aktueller Gegebenheiten wie Stau und Produktionsausfällen, heißt es in der Studie.

Für Smartlane sind das gute Perspektiven. Dabei könnten die drei Gründer wohl problemlos auch bei einem großen Konzern unterkommen. Die Expertise ist im Zeitalter des autonomen Fahrens allerorten hoch gefragt. Doch für jemanden, der auf Effizienz geeicht ist, sind bürokratische Strukturen von Konzernen nichts.

Mühling war als Werksstudentin bei einem großen Autohersteller sowie bei einem Dax-Konzern tätig. „Wenn man Insuffizienzen sieht, kann man wenig bewirken, weil vieles politisch entschieden wird“, hat sie dabei gelernt. Der Unterschied, bei einem Start-up zu arbeiten oder bei einem großen Konzern, könne größer kaum sein.

Finanziert wurde Smartlane in der Frühphase von dem Family Office Ideenschaft Invest, dem Hamburger MobilityFund und dem Next Logistics Accelerator, bei dem das Start-up auch ein Accelerator-Programm durchlief. Zudem nahm die junge Firma am Start-up-Programm Kickstart der TU München teil.

Der MobilityFund ist auf Start-up-Investments in der frühen Phase in der Mobilität spezialisiert. „Im Logistikbereich haben wir uns viele Start-ups angeschaut und im Frühjahr 2018 in Smartlane investiert“, berichtet Mitgründer und Managing Director Jan-Christoph Rickers.

An dem Team gefallen den Investoren sowohl der starke akademische Background in den Bereichen Verkehrstechnik und IT an der TU München wie auch „die Kombination ihrer unterschiedlichen Charaktere“. Gerade bei Frühphasen-Investments sei das Team besonders wichtig, weil sich Produkt und Markt oft noch änderten.

Die Logistik für die letzte Meile sei, „wie wir tagtäglich auf den Straßen sehen“, ein Wachstumsmarkt und jede Optimierung wertvoll. Auch die Entwicklung des Kundenstamms beeindruckte die Investoren.

Aktuell ist das Unternehmen mit fünfstelligen monatlichen Umsätzen an der Gewinnschwelle, Millionenumsätze sind in Sicht. Die Technologie stehe und sei nicht so einfach zu kopieren, sagt Mühling. Nun gehe es darum, die Software bei den Kunden im großen Stil auszurollen. Möglichst lange will Smartlane dies aus eigener Kraft tun und die nächste Finanzierungsrunde noch hinauszögern. Schließlich werden die Bedingungen besser, je weiter entwickelt das junge Unternehmen ist. „Es ist in unserem Interesse, schnell groß zu werden“, sagt Mühling.

Als Frau in der oft männerdominierten Logistikbranche unterwegs zu sein bereitet ihr keine Schwierigkeiten. „Ich habe mich davon nie beeindrucken lassen.“ Das Know-how bringe sie mit, zudem könne sie technologische Zusammenhänge einfach gut erklären. „Über die Leistung kann man die meisten Widerstände beseitigen.“

Startseite

Mehr zu: Start-up Smartlane - Diese Gründerin will die Logistik smart machen

0 Kommentare zu "Start-up Smartlane: Diese Gründerin will die Logistik smart machen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote