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Start-ups „Wir brauchen mehr Gründer“ – Verena Pausder will ein Vorbild sein

Verena Pausder, Mitinitiatorin von „Startup Teens“, will junge Menschen für unternehmerisches Denken begeistern – und Gründergeist fördern.
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Vor allem für junge Mädchen will Pausder ein Vorbild sein. Quelle: Kim Keibel
Verena Pausder

Vor allem für junge Mädchen will Pausder ein Vorbild sein.

(Foto: Kim Keibel)

BerlinUm Deutschlands Sneaker- und Hoodie-verliebten Gründern Smoking und Abendkleid schmackhaft zu machen, braucht es einiges an Überzeugungskraft. Die besitzt Gründerin Verena Pausder: Gemeinsam mit den Unternehmern Paul Schwarzenholz, Tom Fischer und ihrem Ehemann Philipp Pausder war die 39-Jährige Gastgeberin des diesjährigen „Gründergeist-Balls“, der am Samstagabend in Berlin stattfand.

Auch ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass in diesem Jahr Branchengrößen wie Hakan Koç von Auto 1, Lea Lange von Juniqe oder Flixbus-Mitgründer Daniel Krauss ins Kaiserliche Haupttelegrafenamt kamen. Ziel des Balls war es allerdings nicht nur, ein weiteres Event zu schaffen, auf dem sich die Berliner Start-up-Szene mal wieder selbst feiern konnte.

Als Initiator Schwarzenholz Pausder im vergangenen Jahr fragte, ob sie Gastgeberin werden wolle, war ihr sofort klar: Es sollte nicht nur um Champagner und gutes Essen gehen. „Ich bin schließlich keine Event-Planerin.“
In der Tat nicht: Das von ihr gegründete Unternehmen Fox & Sheep entwickelt Spiele-Apps für Kinder – fernab von dem „Getöse anderer Apps“, wie Pausder sagt.

Die Spiele tragen Namen wie „Kleiner Fuchs Tierarzt“ oder „Schlaf gut“. Sie verzichten auf Werbung und In-App-Käufe und haben beispielsweise eine zeitliche Spielbegrenzung. An ihrem Start-up übernahm Spielzeughersteller Haba 2015 die Mehrheit. Fox & Sheep verzeichnete zuletzt 20 Millionen Downloads weltweit, seit 2014 arbeitet es profitabel.

Neben ihrer Tätigkeit als Chefin des App-Entwicklers ist Pausder Geschäftsführerin der Haba Digitalwerkstätten. Diese wollen Kindern und Jugendlichen den Umgang mit digitalen Medien näherbringen. Zum Gründergeist-Ball kam Pausder allerdings aus einem anderen Grund: Die gebürtige Ostwestfälin ist Mitinitiatorin von „Startup Teens“, einem Netzwerk für junge Gründerinnen und Gründer.

Wir haben in Deutschland ein großes Problem mit Nachwuchsunternehmertum – gerade bei Themen wie Risiko oder Mut. Verena Pausder – Gründerin Fox & Sheep

Die Initiative vermittelt 14- bis 19-jährigen Schülerinnen und Schülern unternehmerisches Denken und Handeln. Um zu erklären, warum es diese Initiative braucht, verweist Hauke Schwiezer, Gründer und Chef von Startup Teens, gern auf Zahlen: Im Global Entrepreneurship Monitor belege Deutschland bei der Vermittlung von Unternehmertum in Schulen einen schwachen 42. Platz von 54 untersuchten Nationen.

„Es ist klar erkennbar, dass die Nationen weit vorn mehr Gründungen nach der Schule und einen höheren Anteil an erfolgreichen Gründungen haben“, so Schwiezer. Auf dem Gründergeist-Ball machte Pausder vor den rund 600 Gästen am Samstagabend klar, wie wichtig ihr das Thema ist: „Bei allem Feiern geht es auch darum, Vorbildfunktion zu übernehmen. Wir brauchen mehr Gründer“, appelliert die Unternehmerin in ihrer Begrüßungsrede.

Man müsse sich darüber bewusst werden, dass es außerhalb der gut entwickelten Berliner Start-up-Szene noch viel zu tun gäbe. 20 Prozent der Ticketpreise des Balls gehen deshalb an Startup Teens. Für manch einen ist Wohltätigkeit wie die Fliege zum Smoking, die auf dem Ball am Samstagabend häufig zu sehen war: schmückendes Beiwerk, angelegt, wenn es sich gerade ziert.

Für Pausder ist sie eine Herzensangelegenheit – das wird schnell klar, wenn sie anfängt, darüber zu sprechen: „Wir haben in Deutschland ein großes Problem mit Nachwuchsunternehmertum – gerade bei Themen wie Risiko oder Mut. Wir haben es uns in der sicheren Mittelmäßigkeit bequem gemacht.“

Mit der Initiative Startup Teens wollen Pausder und Schwiezer das ändern, schon den Jüngsten sollen unternehmerisches Denken und die Lust auf das Gründen nähergebracht werden: „Sie richtet sich an jeden – ganz besonders auch an die Jugendlichen, die vielleicht keine engagierten Eltern oder Lehrer im Hintergrund haben, aber eine gute Idee.“ Startup-Teens-Gründer Schwiezer schätzt Pausder für ihre Visionen und ihren Mut.

Sie sei eine charismatische Ausnahmeerscheinung, eine brillante Netzwerkerin und Vorbildunternehmerin, die für das Vorankommen des Bildungs- und Wirtschaftsstandorts Deutschland kämpfe, so Schwiezer: „Persönlich schätze ich an ihr am meisten, dass ich sehr kontrovers mit ihr diskutieren kann. Sie bleibt immer sachlich und fair, bis wir am Ende des Tages eine gemeinsame Lösung haben.“

Und es ist nicht nur das Thema Unternehmertum im Allgemeinen, das Pausder antreibt – gerade der Mangel an weiblichen Vorbildern in der Szene stört sie. Klar, es gebe Start-up-Unternehmerinnen wie Juniqe-Gründerin Lea Lange, Delia Fischer von Westwing oder eben sie selbst – aber das sei einfach zu wenig, meint die Unternehmerin.

Mehr Gründergeist

„Es fängt doch schon damit an, dass Mädchen früh gesagt bekommen, sie sollten lieber reiten, als sich mit Technik zu beschäftigen. Wo sind denn die coolen Nerdmädchen, die lieber programmieren und auch darüber sprechen wollen?“

Die Gesellschaft müsse das viel mehr schätzen lernen, findet Pausder. „Wir versuchen, mit Startup Teens auch besonders Mädchen zu zeigen, dass es gut ist, sich etwas zu trauen.“ Mit der Influencerin Diana zur Löwen habe Startup Teens eine starke Stimme für die Zielgruppe gefunden, meint sie: „Die sagt ganz klar: Mädels, natürlich dürft ihr gut aussehen, aber das darf eben nicht alles sein.“

Wer nicht schon früh mit Technik in Berührung komme, werde dann wahrscheinlich auch nichts in diesem Bereich gründen, erklärt Pausder: „Untechnisches finden Wagniskapitalgeber aber weniger spannend, sie geben deshalb weniger oder gar nichts. Und am Ende stehen wir da, wo wir heute sind – mit zu wenigen weiblichen Vorbildern in der Gründerszene.“

Genau solche unternehmerischen Vorbilder – männlich wie weiblich – soll der Ball miteinander ins Gespräch springen. „Wir wollen einen Rahmen, der anders ist als bloße Tech-Konferenzen. Einen Rahmen, in dem wir uns Zeit für Gespräche nehmen können. Wie können Gründer Vorbilder sein, ohne zu Cowboys der Neuzeit zu werden, die einfach nur ihr Geld vermehren wollen und weiterziehen?“

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