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Stefan Dürr Ein Deutscher ist Russlands größter Milchbauer – und will weiter expandieren

Der gebürtige Badener Stefan Dürr ist einer der großen Profiteure von Putins Sanktionspolitik. Trotz Corona will er eine halbe Milliarde Euro investieren.
19.08.2020 - 15:10 Uhr Kommentieren
Der deutschstämmige Molkereiunternehmer ist einer der größten Investoren in der russischen Lebensmittelbranche. Quelle: ALEXANDER.KOVALCHUK
Stefan Dürr

Der deutschstämmige Molkereiunternehmer ist einer der größten Investoren in der russischen Lebensmittelbranche.

(Foto: ALEXANDER.KOVALCHUK)

Moskau Kurz vor neun Uhr morgens ist Stefan Dürr schon auf dem Sprung vom Büro in den Stall. „Vor Redaktionsschluss bin ich dann wohl nicht mehr zu erreichen“, meint er. Wer Milchkühe hat, hat viel zu tun. Wer so viele Kühe hat wie Dürr, ist immer auf Achse.

Der gebürtige Badener, der 1989 auswanderte, ist mit seiner Agrarholding Ekoniva der größte Milchbauer in Russland. Mehr als 600.000 Hektar Land bewirtschaftet er – die Weidefläche ist damit mehr als doppelt so groß wie das Saarland. 188.000 Rinder grasen auf seinen Weiden, davon über 105.000 Milchkühe, von der Ostsee- und Schwarzmeerküste bis über den Ural hin nach Sibirien.

Dass Russland inzwischen nach der Einführung des Lebensmittelembargos gegenüber dem Westen bei Milchprodukten zu 75 Prozent Selbstversorger ist, ist auch ein Verdienst des Deutschen.

Mehr als 14.000 Mitarbeiter beschäftigt Dürr über verschiedene Zeitzonen hinweg. Das ist schon zu normalen Zeiten eine logistische Herausforderung, während einer Pandemie umso mehr: Nach dem Ausbruch von Covid-19 „mussten wir auch Vorsichtsmaßnahmen ergreifen“, sagt der 56-Jährige dem Handelsblatt. Dass Kremlchef Wladimir Putin zu Beginn der Krise einen ganzen Monat für arbeitsfrei erklärte, nennt Dürr diplomatisch „überraschend“.

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    Doch er selbst konnte sich gar nicht daran halten; die Landwirtschaft kennt keine freien Tage. Und so wurde in den Büros teilweise Homeoffice eingeführt, in den Ställen hingegen weiter gemolken. „Wir haben aber die Schichten voneinander getrennt, um die Ansteckungsgefahr zu mindern“, sagt Dürr. Vereinzelt gab es zwar auch in seinem Betrieb Coronafälle, doch dann wurde lediglich die betroffene Schicht für ein paar Tage nach Hause geschickt. Zu größeren Produktionsausfällen sei es nicht gekommen.

    Komplizierter hingegen wurde die Investitionstätigkeit – ein Problem, das viele russische Unternehmer kennen. Die von Putin als Hilfsmaßnahme für Klein- und Mittelständler versprochenen subventionierten Kredite bekam nicht einmal Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow, als er bei zwei staatlichen Großbanken anrief.

    Investitionsprogramm eingeschmolzen

    Gerade bei den von der Coronakrise besonders schwer getroffenen Branchen haben die Banken den Geldhahn zugedreht. Aber auch in der Nahrungsmittelindustrie sind die Geldhäuser vorsichtiger geworden. Das bekam auch Dürr zu spüren, der sein Investitionsprogramm neben Anleihen nun auch über Kredite der auf Landwirtschaft spezialisierten Rosselchosbank finanziert.

    Doch Dürr sieht auch organisatorische Probleme bei zu starkem Wachstum. „Es ist wie beim Bergsteigen: Da gibt es Steilstücke, wo du in Atemnot gerätst, und dann brauchst du auch wieder leichtere Anstiege und Plateaus, auf denen du noch einmal Kraft für den weiteren Aufstieg sammelst“, sagt er.

    188.000 Rinder grasen auf seinen Weiden von der Ostsee- und Schwarzmeerküste bis über den Ural hin nach Sibirien.
    Stallung

    188.000 Rinder grasen auf seinen Weiden von der Ostsee- und Schwarzmeerküste bis über den Ural hin nach Sibirien.

    Und so hat der Milchbauer sein Investitionsprogramm auf die Hälfte eingeschmolzen. Mit 40 Milliarden Rubel – umgerechnet selbst nach dem Rubel-Sturz immer noch rund eine halbe Milliarde Euro – bis 2023 ist er aber immer noch einer der größten Investoren in der russischen Lebensmittelbranche. Laut Artjom Below, Generaldirektor des russischen Milchproduzentenverbands, gibt es bei Investitionen in Milchproduktion und Gewächshäuser noch einen Nachholbedarf, weil sich Anlagen dort erst nach längerer Zeit rentieren und Investoren verhältnismäßig spät eingestiegen sind.

    Bei Dürr fließt das Geld vor allem in den weiteren Umbau seiner Holding. Der Unternehmer will weg vom reinen Rohmilchproduzenten hin zum Verarbeiter seiner eigenen Milch. „Wir wollen endlich diese Achterbahnfahrten an den Rohstoffmärkten hinter uns lassen“, sagt Dürr. In einer Saison sei der Milchpreis sehr hoch, in der nächsten falle er dramatisch. Zudem sei er als reiner Rohmilchproduzent sehr abhängig von den Verarbeitern.

    Mit verschiedenen Käsereien baut er sich nun ein zweites Standbein auf. Die größte neue Anlage entsteht in Nowosibirsk. 250 Millionen Euro lässt sich der Unternehmer den Bau kosten. Die erste Ausbaustufe soll Anfang 2021 fertig werden, das Gesamtobjekt zum Jahresende. Die ursprünglichen Produktionspläne hat Dürr in Sibirien sogar noch einmal aufgestockt. So sollen dort am Ende 100 Tonnen Käse pro Tag hergestellt werden.

    Gebaut wird auch in seiner Wahlheimat Woronesch. Neben dem Umbau einer Molkerei baut er für einen zweistelligen Millionenbetrag auch hier eine neue Käserei auf. „Das lohnt sich in jedem Fall“, ist Dürr überzeugt. Denn auch die russischen Verbraucher schauten inzwischen vermehrt auf die Inhaltsstoffe, um keine mit Palmöl gepanschten Produkte zu kaufen.

    Mehr: Dürre trifft Bauern – Deutliche Einbußen bei Getreideernte

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