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Stefan Dürr Putins Milchmann: Ein Deutscher zählt zu Russlands größten Milchbauern

Der gebürtige Schwabe hat es im Milchgeschäft in Russland weit gebracht. Nun will er investieren und sich unabhängiger vom Milchpreis machen.
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Auf seinen Weiden grasen 140.000 Rinder. Quelle: ALEXANDER.KOVALCHUK
Stefan Dürr

Auf seinen Weiden grasen 140.000 Rinder.

(Foto: ALEXANDER.KOVALCHUK)

Moskau „Entschuldigung, ich bin gerade im Flieger, kann ich Sie morgen Nachmittag zurückrufen?“, tönt es blechern aus dem Hörer. Stefan Dürr ist dieser Tage viel unterwegs. Von seiner Wahlheimat, der Region Woronesch im Südwesten Russlands, über Moskau bis nach St. Petersburg, in den Ural oder gar nach Sibirien. Dürr verfolgt ambitionierte Pläne.

Wieder einmal. Denn schon jetzt hat der 55-Jährige Beispielloses erreicht: Er, der Deutsche, geboren im württembergischen Eberbach am Neckar, ist zum größten Milchbauern Russlands aufgestiegen. In der deutschen Heimat hatte der Familienbetrieb 14 Hektar. In Russland bewirtschaftet er mehr als eine halbe Million Hektar.

Seine gut 140.000 Rinder, davon über die Hälfte Milchkühe, weiden auf den fruchtbaren Weiten der Schwarzmeerregion Woronesch ebenso wie in Tatarstan, an der Wolga oder im sibirischen Altai-Gebirge. Pro Tag produziert seine Firma Ekoniva rund 2200 Tonnen Rohmilch. Sein jüngster Coup: Die Übernahme eines Agrarkomplexes nahe St. Petersburg mit 1500 Kühen und weiteren 3200 Hektar Land. Der Betrieb gehörte davor zur Holding des größten Konkurrenten Dürrs, dem Ex-Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow.

Zwischenstation Reiseveranstalter

Abzusehen war das nicht, als der damals 25-Jährige im Jahr 1989 im Rahmen eines Studentenaustauschs als einer der ersten westlichen Praktikanten nach Ende des Kalten Kriegs auf eine sowjetische Kolchose ging. Schon damals faszinierte ihn die russische Weite; zugegeben, auch die wilden Studentenfeten und später eine junge Russin, die er 1994 heiratete und mit der er heute drei Kinder hat.

Er blieb. Zunächst organisierte er im Auftrag der deutschen Botschaft Reisen für russische Agrarbeamte zu ostdeutschen Landwirtschaftsbetrieben, später stieg er in den Verkauf von Landmaschinen ein. Ausgemusterte Feldhäcksler aus DDR-Produktion, die er reparierte und dann in Russland weiterverscherbelte, waren ein gutes Geschäft. Bis heute zählt der Verkauf von Landmaschinen und Saatgut zum Geschäft von Ekoniva. Inzwischen sind es aber Geräte von John Deere oder Claas.

In die Viehzucht stieg Dürr eher zufällig ein. Als er 2002 eine Kolchose in Woronesch kaufte, wollte er Saatgut anbauen. Die Kühe übernahm er als Erbe eher widerwillig. Doch 2009, als der Verkauf von Landmaschinen in der Finanzkrise einbrach, haben die Kühe ihn gerettet. Die Rohmilchproduktion ist seitdem der wichtigste Geschäftszweig. Und derjenige mit den höchsten Wachstumsraten.

Dürr gibt sich mit dem Erreichten aber nicht zufrieden. Seinen Agrarbetrieb will er nun radikal aus- und umbauen, um die großen Milchmengen selbst verarbeiten zu können. Drei Gründe zählt er für den strategischen Schwenk auf. „Wir sind sehr verwundbar. Wenn die großen Verarbeiter uns nichts abnehmen, dann stehen wir da mit unserer Milch“, sagt Dürr dem Handelsblatt.

Zudem seien die Preisschwankungen bei Rohmilch sehr hoch, während die Preise im Regal relativ stabil seien. Die Verarbeitung gebe folglich mehr Planungssicherheit. „Drittens glaube ich, dass wir mit der eigenen Milch vom Feld bis zur Flasche einen Mehrwert schaffen können.“ Dürr erklärt, dass viele Verarbeiter die Milch panschen.

„Gute Milch und schlechte Milch zusammen ergeben am Ende aber auch schlechte Milch“, so der Bauer. Darüber hinaus sei es durch die Expansion auch möglich, spezielle Kundenwünsche abzudecken, sei es durch den Verzicht auf genmanipuliertes Futter und Antibiotika, oder die Produktion reiner Biomilch durch die Umstellung auf Fütterung der Kühe mit Leinsamen.

Käse, Quark, Joghurt und Kefir
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