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Strafprozess gegen Verlagserben Pleiten, Pech und Pannen im Falk-Prozess: Richter versäumt es, einen Beamer zu organisieren

Ein Schreiben sollte Falk vom Vorwurf entlasten, den Schuss auf einen Anwalt beauftragt zu haben. Doch der Prozesstag verlief ganz anders als erwartet.
14.05.2020 - 20:48 Uhr Kommentieren
Das Strafverfahren gegen den Verlagserben ist reich an Wendungen. Quelle: dpa
Prozess gegen Alexander Falk geht weiter

Das Strafverfahren gegen den Verlagserben ist reich an Wendungen.

(Foto: dpa)

Köln, Düsseldorf Aus der Sicht von Alexander Falk kann man diesen Verhandlungstermin am heutigen Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht guten Gewissens als typisch bezeichnen. Am Ende lautete das Motto wie so oft seit Prozessbeginn: Pleiten, Pech und Pannen.

So auch heute. Der Termin, der massiv dazu hätte beitragen können, dass Falk vom Vorwurf entlastet wird, hinter dem Schuss auf einen Anwalt zu stecken, verpuffte mehr oder weniger. Diesmal war der Grund so simpel wie peinlich: Der Vorsitzende Richter Jörn Immerschmitt hatte es versäumt, einen funktionstüchtigen Beamer zu organisieren. Es war nicht die erste Aktion des Richters, die Falks Anwälte unschwer erkennbar fassungslos zurücklässt und beim neutralen Beobachter freundlich ausgedrückt für einiges Stirnrunzeln sorgt.

Neun Monate dauert der Strafprozess nun schon an, der die Frage klären soll, ob der Hamburger Millionärssohn und Erbe des berühmten Stadtplanverlags einst den Auftrag zu dem Anschlag auf den Frankfurter Anwalt Wolfgang J. erteilte. Falk bestreitet das vehement. J. arbeitete seinerzeit an einer millionenschweren Schadensersatzklage gegen Falk und wurde 2010 durch einen Schuss ins Bein schwer verletzt.

2017 meldete sich dann der Kronzeuge Etem E. bei der Polizei. Der bullige Mann aus dem Hamburger Kriminellenmilieu gab an, dass Falk 2009 in einem Hamburger Steakhaus den Auftrag zu dem Anschlag gegeben habe. Und legte ein Tonband vor, in dem zu hören ist, wie sich Falk nach dem Schuss auf den Anwalt über die Tat freut. 2018 wurde Falk verhaftet, seit August 2019 wird ihm der Prozess gemacht.

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    Doch seither sind fast alle der Beweismittel, die einst gegen Falk vorgebracht wurden, in sich zusammengefallen oder aber es bestehen an ihrer Aussagekraft mehr Zweifel denn je.

    Ob ein einstiger Belastungszeuge seine Aussagen zugunsten von Falk korrigierte, das verhängnisvolle Tonband sich als manipuliert herausstellte oder der verbliebene Kronzeuge sich von Aussagetermin zu Aussagetermin unglaubwürdiger machte – an Falks Situation geändert hat das nichts.

    Er sitzt weiter in Untersuchungshaft. Seit 20 Monaten inzwischen. Und es scheint, als ob es für Falk quasi kein Entkommen aus der Falle gibt. Weil der Vorsitzende Richter alle Entlastungsmomente für Falk offenbar bis dato ausblendet. Oder aber, so wie heute, eine weitere Entlastung durch Schusseligkeit verzögert.

    Zweifel am Persilschein

    Als „Persilschein“ hatte Immerschmitt vor einigen Wochen das brisante Schreiben bezeichnet, das an diesem Donnerstag ins Zentrum des Verfahrens rücken sollte. Das war keine schlechte Beschreibung für das Dokument. Denn immerhin wäscht es Falk schwarz auf weiß von dem ungeheuerlichen Verdacht rein, der auf ihm lastet.

    Im März 2019 hatte Falks Verteidiger Björn Gercke dem Gericht den sogenannten Persilschein vorgelegt, ein Schreiben der Gebrüder B.

    Mit den Männern, die wie E. zum Kriminellenmilieu gehören und diesen gut kennen, hatte sich Falk einst eingelassen und Geschäfte gemacht. Einer von ihnen soll laut E. ebenfalls bei der Auftragserteilung durch Falk dabei gewesen sein. Und die B.s waren es, die hinter der belastenden Tonbandaufnahme steckten, mit der Falk später erpresst wurde.

    In ihrem Schreiben an Falk bescheinigten sie Falk dann, dass die erhobenen Anschuldigungen gegen ihn und die Tonbandaufnahme fingiert waren und lediglich dem Zweck dienen sollten, „unsere geschäftlichen Forderungen gegen dich einzutreiben. Einen Auftrag von dir, wie in den Schreiben behauptet, hat es nie gegeben.“

    Das Dumme für Falk: Richter Immerschmitt glaubt ihm nicht, dass das Schreiben echt ist. Er bezweifelt, dass es aus dem Jahr 2013 stammt, so wie Falk es angibt. Und äußerte den Verdacht, dass es erst Jahre später bzw. nach Falks Festnahme erstellt wurde.

    Die Begründung: Hätte es das stark entlastende Schreiben schon vor der Festnahme gegeben, hätte Falk es wohl unmittelbar nach seiner Festnahme vorgelegt. Zumindest hätte er es aber erwähnt und seine Anwälte hätten es später vorgelegt. Dies wäre ein lebensnaher Sachverhalt.

    Ein von Falk in Auftrag gegebenes IT-forensisches Gutachten hatte indes zuletzt belegt, dass ein Scan des Dokuments auf einer im Jahr 2016 als Back-up erstellten Festplatte nicht nachdatiert ist.

    Heute wollte Falk die Theorie des Richters durch eine Aktion endgültig entkräften, die soweit bekannt bis dato einmalig in einem deutschen Gerichtssaal gewesen wäre. Denn Falk wollte quasi live im Prozess die Festplatte seines Laptops decodieren, der am 4. September 2018 bei seiner Festnahme beschlagnahmt worden war und seither unzweifelhaft seinem Zugriff entzogen ist. Der Inhalt des Schreibens sollte dann für die Richter, Staatsanwälte und Zuschauer sichtbar über einen Beamer auf eine Leinwand projiziert werden. Doch es kam bekanntermaßen anders.

    So blieb von dem ursprünglich für den Verhandlungstermin vorgesehenen Programm nur der weitaus unspektakulärere Teil – das Abspielen von Tonbandprotokollen aus den polizeilichen Vernehmungen des Kronzeugen Etem E.

    Unglaubwürdiger Kronzeuge

    Falks Anwälte wollten dadurch Widersprüche in unterschiedlichen Aussagen E.s. deutlich machen. Dabei sind die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mehrfach vorbestraften Hamburger Kriminellen, der insgesamt siebenmal als Zeuge vor Gericht geladen war, ohnehin evident. Ein in dem Verfahren eigens gehörter aussagepsychologischer Gutachter hatte zusammengefasst festgestellt, er habe eine Aussage, wie die des Zeugen E. „in 30 Jahren Gutachterei so noch nicht erlebt“. Eine solche Häufung von ausweichenden Antworten, Mutmaßungen und Spekulationen sei außergewöhnlich.

    Und auch Dinge, die zuletzt geschahen, sind nicht unbedingt angetan, die Glaubwürdigkeit des Mannes zu erhöhen, auf dessen Aussagen das Gericht eine mögliche Verurteilung Falks zwangsläufig im Wesentlichen stützen müsste.

    E. hatte zuletzt versucht, das Gericht davon zu überzeugen, dass Falk sich die korrigierte Aussage des anderen Kronzeugen mit einer Millionensumme erkauft habe. Um diese Theorie zu untermauern, benannte er zwei Leumundszeugen.

    Der eine Zeuge wollte E.s. Angaben kürzlich vor Gericht nicht bestätigen. Vielmehr wurde über den Ermittlungsführer der Polizei bekannt, dass E. den Zeugen im Vorfeld offenbar unter Druck setzen wollte, in seinem Sinne auszusagen.

    Zuvor hatte schon ein anderer Zeuge erfahren müssen, was es bedeuten kann, nicht nach E.s Vorstellung auszusagen. Er hatte Mitte März betont, E.s Angaben nicht bestätigen zu können. Er sei nie bei Gesprächen über einen vermeintlichen Aussagekauf dabei gewesen, noch wisse er etwas darüber. Wenig später verprügelte E. ihn offenbar kurzerhand. Der Zeuge hat inzwischen ein Näherungsverbot gegen E. erwirkt.

    Der Prozess dürfte derweil auf die Zielgerade einbiegen. Bis Mitte Juni sind noch Termine angesetzt. Viel länger dürfte der Prozess nach Lage der Dinge auch nicht mehr andauern. Ein letzter wichtiger Zeuge, einer der beiden Gebrüder B., wird womöglich gar nicht mehr gehört. Eigentlich war vorgesehen, dass der Mann, für den in Deutschland ein Haftbefehl besteht und der inzwischen in der Türkei lebt, unter freiem Geleit nach Frankfurt kommen sollte.

    Doch nicht zuletzt durch die Reisebeschränkungen im Zuge der Coronakrise steht eine Aussage bei Gericht derzeit in den Sternen. Dabei hätte B. womöglich längst gehört und deutlich vor Ausbruch der Coronakrise geladen werden können. Doch auch hier agierte der Vorsitzende Richter mindestens unglücklich, indem er nicht etwa schon zu Prozessbeginn ein Rechtshilfeersuchen gestellt hat. Dass die Formalitäten in Rechtshilfeersuchen über Monate andauern, ist aus der Erfahrung jedenfalls sehr lebensnah.

    Mehr: Zeuge zerbeißt USB-Stick – neue Wendung im skurrilen Prozess gegen Alexander Falk

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