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Robert Friedmann

Der 53-Jährige führt die Würth-Gruppe seit 13 Jahren.

(Foto: Wolfgang Uhlig)

Streit um Betriebsrat Beim Würth-Konzern geht es für Robert Friedmann jetzt um Schadensbegrenzung

Vorstandschef Robert Friedmann muss einen Betriebsrat zulassen. Dass die Forderung danach von einem AfD-Mitglied kam, hat den Ruf von Würth belastet.
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Düsseldorf, KünzelsauSeit 14 Jahren führt Robert Friedmann den Würth-Konzern. Und eines muss man ihm lassen, seinen Humor verliert er so schnell nicht. Bei der Jahrespressekonferenz positionierte der 53-Jährige auf jedem Platz ein Feuerlöschspray „Universal gegen Entstehungsbrände“.

Einen ebensolchen versucht Friedmann beim weltgrößten Händler von Befestigungstechnik gerade zu löschen. Seit Wochen schwelte die Forderung nach Einführung eines Betriebsrats für die 7500 Beschäftigten am Stammsitz in Künzelsau.

Das Gefährliche daran: Die Initiative kam von AfD-Mitglied Daniel Hurlebaus und damit von Rechtsaußen. Die Außenwirkung hätte schlimmer nicht sein können: Da müssen erst AfDler kommen, damit der große Mittelständler endlich einen rechtmäßigen Betriebsrat bekommt, hieß es.

Über 30 Jahre war der Konzern gut mit einem sogenannten Vertrauensrat gefahren. Der hat zwar nicht die gleichen Rechte wie ein Betriebsrat, aber für Einigungen mit den Beschäftigten reichte es immer. „Wir zahlen Metalltarife, obwohl wir das nicht müssten“, betont Friedmann.

In Deutschland hat Würth über 3000 erfolgsabhängig bezahlte Außendienstler. Provisionsmodelle sind bekanntlich nicht ganz einfach mit ordentlichen Betriebsräten oder gar Gewerkschaftern auszuhandeln. Daran mag es gelegen haben, dass Firmenpatriarch Reinhold Würth in den vergangenen Jahrzehnten nie etwas von einem ordentlichen Betriebsrat hielt.

Reinhold Würth ist immer noch die letzte Instanz im Unternehmen als Vorsitzender des Stiftungsrates. Nichts geschieht letztlich ohne seinen Willen. Und für ihn war ein Betriebsrat lange ein Tabuthema.

Doch jetzt kam der Sinneswandel des Patriarchen schnell. „Die Familie Würth unterstützt dieses Vorhaben voll und ganz“, sagte Friedmann und präsentierte damit den ultimativen Löschungsversuch.

Würth habe schnell eingelenkt, berichtete der Firmenchef. „Das ist ja auch eine Sache, in der sie nicht gewinnen können. Wenn die Beschäftigten einen Betriebsrat wollen, dann haben sie das Recht dazu.“

Inzwischen zeichnet sich auch eine Lösung ab. Der Würth-Konzern wird einen Betriebsrat bekommen. Doch nicht die AfD-nahe Initiative, die zuletzt viel Wirbel gemacht hatte, sondern eine weitere Gruppierung langjähriger Mitarbeiter hat an die rund 7500 Mitarbeiter der Adolf Würth GmbH & Co. KG eine Einladung zu einer Betriebsversammlung verschickt.

Am 3. Juni wird ein Wahlvorstand gewählt, der die Wahl einer ordentlichen Arbeitnehmervertretung leiten wird. Die Auseinandersetzung der vergangenen Tage habe kein gutes Licht auf das Unternehmen und die Mitarbeiter geworfen, nennen die Initiatoren ihre Motivation.

Dem ursprünglichen Hauptinitiator Daniel Hurlebaus wurde inzwischen fristlos gekündigt, sein Dienstwagen zur Sicherung abgeschleppt. Das Unternehmen wirft ihm einen schweren datenschutzrechtlichen Verstoß vor. Er habe in Mails an Mitarbeiter für die Initiative geworben und darin Links zu Videos verschickt, die mit einem sogenannten Trackingsystem zum rechten Spektrum verbunden gewesen seien, teilte Würth mit.

Hurlebaus weist den Vorwurf zurück, Nutzerdaten abgegriffen zu haben. Die Sache kommt wohl vor das Arbeitsgericht. Hurlebaus’ Mitstreiter sind noch im Unternehmen. Wie es mit ihnen weitergeht, ist offen. Das Management rechnet damit, dass sich wohl auch Mitarbeiter aus dem rechten Spektrum bei der Betriebsratswahl aufstellen lassen werden.

Probleme mit Rechten in den Betrieben sind nicht ganz neu, gerade in Baden-Württemberg. Im Daimler-Werk in Untertürkheim, das auch die Konzernzentrale beherbergt, sitzen seit bald zehn Jahren Vertreter des „Zentrums Automobil“ im Betriebsrat, aktuell sechs von 45 Vertretern. Die selbst ernannte alternative Gewerkschaft wurde von Oliver Hilburger gegründet, dem ehemaligen Gitarristen einer Neonazi-Band, der regelmäßig auf Veranstaltungen rechter AfD-Politiker wie Björn Höcke auftritt.

Die Betriebsräte des „Zentrums“ polemisieren gegen die Globalisierung, gegen Elektromobilität und die angeblich zu zahme IG Metall. Neben einigen Daimler-Werken zählt das „Zentrum Automobil“ auch zwei Betriebsratssitze im Waiblinger Werk des Motorsägenbauers Stihl zu seinen Erfolgen.

Viel Macht üben die Rechten nirgendwo aus. Doch Betriebsräte der IG Metall und selbst IG-Metall-kritischer Kleingewerkschaften berichten von unangenehmen Betriebsversammlungen, in denen die Rechten stören und für angespannte Stimmung sorgen.

Dass die AfD-nahen Betriebsräte nur geringen Einfluss haben, liegt aber nicht nur daran, dass sie überall in der Minderheit sind. Sie beteiligten sich auch kaum an der Arbeit in den Gremien der Betriebsräte. Hilburger und seine rechten Mitstreiter suchen lieber bei „Dieselprotesten“ gegen Fahrverbote in Stuttgart eine größere Bühne, als sich mit klassischer Arbeit im Betrieb zu profilieren.

Aufruf zur Europawahl

Für Friedmann könnte die Lage mit dem Rechtsruck in der Gesellschaft also noch besonders verzwickt werden. Das Management überlegt deshalb, politisch noch vor der Europawahl gegenzusteuern. Es gibt Überlegungen, dass das Unternehmen zur Europawahl aufruft und dabei die eigene Vielfalt mit seinen zahlreichen europäischen Standorten darzustellen versucht, ohne unrechtmäßige Parteienwerbung zu machen.

Nach der Pressekonferenz versuchte Friedmann, Zuversicht zu verbreiten: „Ich fühle mich wohl. Mein Job macht mir Spaß.“ Dass das Thema Betriebsrat an diesem Tag die Informationen zum erneuten Rekordjahr überdecken würde, war ihm bereits vorher klar.

Der Werkzeughändler Würth bleibt trotz trüberer Konjunkturaussichten optimistisch. „Sollte es zu keinen Verwerfungen kommen, gehen wir nach wie vor von einem zufriedenstellenden Wachstumsjahr 2019 aus“, sagte Friedmann.

Beim Umsatz rechnet Würth erneut mit einem Plus im mittleren einstelligen Bereich, das operative Ergebnis soll sich ähnlich entwickeln. Im vergangenen Jahr hatte Würth seine Erlöse um 7,1 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro gesteigert. Der Jahresüberschuss stieg auf 687 Millionen Euro, nach 531 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Konzern ist mit dem Handel von Schrauben groß geworden. Würth steckt viel Geld in den Ausbau digitaler Vertriebswege, will den klassischen Außendienst und seine Niederlassungen aber erhalten. Ein knappes Fünftel der Erlöse kommt inzwischen aus dem E-Business, mit einer Wachstumsrate von zuletzt 24,6 Prozent.

Weltweit arbeiten gut 77.000 Menschen für den Konzern, ein knappes Drittel davon in Deutschland. Da kann man sich dann auch einen Betriebsrat im Stammhaus leisten.

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