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Studitemps Die Zeitarbeitsfirma dieses Mannes will als Headhunter Uni-Absolventen an Unternehmen vermitteln

Studitemps ist innerhalb von zehn Jahren zum größten Personaldienstleister für Studenten geworden. Nun baut Gründer Benjamin Roos das Headhunting von Absolventen aus.
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Studitemps-Gründer Roos hat eine klare Vision: „Wir wollen zum Wegbegleiter für Studenten werden – vom ersten Semesterjob bis zum ersten Vollzeitjob.“ Quelle: Studitemps
Benjamin Roos

Studitemps-Gründer Roos hat eine klare Vision: „Wir wollen zum Wegbegleiter für Studenten werden – vom ersten Semesterjob bis zum ersten Vollzeitjob.“

(Foto: Studitemps)

KölnAls BWL-Student an der WHU Vallendar musste sich Benjamin Roos im idyllischen Rheinstädtchen etwas hinzuverdienen. „Im Sommer stand ich am Fließband und habe Keramik in Brennöfen geschoben – das war sehr schweißtreibend“, erinnert er sich. Der Job als Filmvorführer im Kino war zwar interessanter, aber schlecht bezahlt. Einen passenden Nebenjob zu finden war schwierig.

Als Roos später mit seinem Kommilitonen Andreas Wels für eine studentische Unternehmensberatung arbeitete, gab es wiederum Probleme, kurzfristig Aushilfen zu finden. „Für Firmen ist es unfassbar zeitintensiv, geeignete Aushilfskräfte für Auftragsspitzen zu finden“, merkten sie. Denn Berührungspunkte zwischen Studenten und Unternehmen sind selten. Und klassische Jobportale sind nicht auf die Flexibilität ausgelegt, die beide Seiten brauchen.

Also gingen beide mit Anfang 20 nach Köln und starteten zunächst das Onlineportal Jobmensa, das Studentenjobs vermittelt. Das Hauptgeschäft ist heute jedoch die studentische Zeitarbeitsfirma Studitemps. Der Personaldienstleister hat mehr als 370 feste Mitarbeiter verteilt auf 23 Standorte und macht 74 Millionen Euro Umsatz. Im vergangenen Jahr gab es erstmals eine schwarze Null.

2017 kam Studitemps auf die Liste der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas Inc. 5000. „In diesem Jahr wollen wir die Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro durchbrechen“, ist der 32-Jährige zuversichtlich. Vor Studitemps hatten sich die Gründer an einer Suchmaschine für Bücher versucht, aber keine Investoren gefunden. Die Algorithmen konnten sie für ihr Jobportal nutzen. Auf Jobmensa.de geben Studenten ihr Profil mit der Wunscharbeit passend zu Vorlesungs- und Prüfungszeiten ein.

Firmen können Suchanzeigen schalten. Die sind anders als auf Stellenbörsen wie Stepstone oder Indeed kostenlos. 6000 Anzeigen sind online. Hinzu kommen 1000 Anzeigen, mit denen Studitemps Studenten für seine Zeitarbeitsfirma sucht im Auftrag von Firmen wie Media Markt oder Deutsche Bahn. Zur Zeitarbeit kamen die Gründer eher durch Zufall. Ein Logistikriese suchte kurzfristig fürs Weihnachtsgeschäft 100 Aushilfen für zehn Tage.

Mithilfe ihrer großen Datenbank konnten Roos und Wels übers Wochenende 100 Studenten mobilisieren. Persönlich chauffierten sie etliche Aushilfen mit ihrem VW-Bully zur Jugendherberge, die sie vor Ort komplett angemietet hatten. „Da haben wir gemerkt, wie schnell wir im Vermitteln sind“, sagt Hobby-Surfer Roos.

Von Callcenter bis Testlabor

Die Lizenz für die Arbeitnehmerüberlassung bekam Studitemps 2010. Wie andere Zeitarbeitsfirmen auch stellt Studitemps die Studenten fest ein und stellt diese je nach Auftrag für ein Wochenende oder ein Semester den Unternehmen zur Verfügung. Die Kölner verdienen an jeder Stunde mit, die der Student jobbt. Im Schnitt sind das elf Stunden pro Woche. Die Studierenden verdienen im Schnitt knapp elf Euro die Stunde. Die meisten Jobs sind im Einzelhandel, in Callcentern oder bei Logistikfirmen.

„Wir können etwa Elektronikfachhändlern kurzfristig erfahrene Kräfte für den Verkauf oder die Kasse zusammenstellen. Es sind immer Studenten auf Standby, falls jemand krank wird“, erklärt Roos. Das schätzt etwa Jens Passe, Geschäftsführer von Cetecom aus Essen. Die Tochter des RWTüv beschäftigt immer rund 20 Studenten in Zeitarbeit über Studitemps. „Seit auf den verschulten Bachelor umgestellt wurde, haben Studenten weniger Zeit zum Jobben“, beobachtet er.

Die mühsame Suche übernimmt Studitemps. Die Aushilfen teilen sich meist eine Stelle – sei es im Büro oder Testlabor. Passe schätzt deren Qualität und Zuverlässigkeit. Andere Aushilfen fehlten oft ohne Absage. Fünf ehemalige Studijobber vom Ingenieur bis zum Betriebswirt hat Cetecom inzwischen sogar fest eingestellt. „Wir konnten sie als Aushilfen kennenlernen und sie wussten, worauf sie sich einlassen.“

Im Schnitt beschäftigt Studitemps jeden Monat rund 7000 Studierende, im Jahr 2022 sollen es 20.000 sein. „Das sind nicht einmal ein Prozent aller 2,9 Millionen Hochschüler“, rechnet Roos vor. Laut Statistischem Bundesamt gab es vor zehn Jahren erst knapp zwei Millionen Studierende. Viele müssen wegen steigender Mieten jobben. Zugleich suchen Firmen bei annähernder Vollbeschäftigung Verstärkung.

Das Geschäftsmodell von Studitemps überzeugte auch Investoren wie Holtzbrinck Ventures, Iris Capital und Seventure. Insgesamt sammelten die Kölner 25 Millionen Euro Kapital ein. David Kuczek, Partner von Holtzbrinck Ventures, schätzt Roos als zielstrebigen und kreativen Macher. Der Investor ist überzeugt: „Zeitarbeit für Studenten ist ein großer Markt.“

Die rund 11.000 Zeitarbeitsfirmen hierzulande vermitteln zwar auch Studentenjobs – aber nur nebenbei und wenig auf studentische Terminkalender zugeschnitten. Direkte Wettbewerber sind Academic Work aus Schweden und Young Capital aus den Niederlanden. Studitemps sieht sich als Marktführer für Studenten in Deutschland und will künftig die Treffergenauigkeit auf seinem Portal durch Künstliche Intelligenz noch stärker automatisieren.

Der schnelle Aufstieg vom Start-up zum Mittelständler ging jedoch nicht ganz reibungslos vonstatten. Beim Arbeitgeberbewertungsportal Kununu klagen Ex-Mitarbeiter über „chaotische Zustände“ und hohe Fluktuation. Roos räumt ein: „Unser Unternehmen wächst sehr schnell, daher wächst auch unser Team rasant. Dazu kommt, dass wir an 23 Standorten vertreten sind. Unsere Unternehmenskultur dabei aufrechtzuerhalten, ist eine Herausforderung.“

Studitemps hat deshalb seit Kurzem eine Abteilung, die intensiv auf Belange der Mitarbeiter eingehen und ihnen die Chance geben soll, das Unternehmen mitzugestalten.

Berufseinstieg als Marktlücke

Trotz des Wachstums ist an eine Expansion ins Ausland vorerst nicht gedacht. „Die Gesetze zur Zeitarbeit unterscheiden sich von Land zu Land einfach zu stark“, so Roos. Große Hoffnungen setzt er indes in die Direktvermittlung von frischen Uni-Absolventen. Schließlich hat Studitemps eine große Datenbank – dort melden sich im Monat 15 000 Studierende neu an. Die Plattform Jobeinstieg.de gibt es bereits. Damit hat auch Cetecom schon eine Stelle besetzt.

„Das ist eine Marktlücke“, so Geschäftsführer Passe. Denn Einstiegsstellen seien für etablierte Headhunter meist nicht lukrativ genug. Studitemps-Gründer Roos hat eine klare Vision: „Wir wollen zum Wegbegleiter für Studenten werden – vom ersten Semesterjob bis zum ersten Vollzeitjob.“

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