Sumner und Shari Redstone Der Machtkampf um CBS und Viacom wird zur Seifenoper

Ein alternder Patriarch, seine kampfeslustige Tochter und ein CEO unter #MeToo-Beschuss liefern sich eine Schlammschlacht um zwei Unterhaltungskonzerne.
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Vater und Tochter kämpfen um ihre Macht bei Viacom und CBS. Quelle: WireImage/Getty Images
Sumner und Shari Redstone

Vater und Tochter kämpfen um ihre Macht bei Viacom und CBS.

(Foto: WireImage/Getty Images)

New YorkEr ist ein 95 Jahre alter Patriarch, mit dessen Gesundheitszustand sich mittlerweile sogar die Richter befassen. Sie ist seine 64-jährige Tochter. Gemeinsam kämpfen Sumner Redstone und Shari Redstone um die Kontrolle der Familie über die US-Unterhaltungskonzerne Viacom und CBS. Zuletzt wurden neue Details dazu bekannt, was mit dem Trust von Sumner Redstone passiert, wenn er stirbt. Die verheißen noch mehr Zündstoff in der Redstone-Saga.

Bei dem Streit geht es um die Zukunft von Viacom und CBS. Shari Redstone will die beiden Unternehmen zusammenlegen. Der CBS-Vorstandsvorsitzende Leslie Moonves weigert sich und klagt sogar gegen die Großaktionäre. Er will der Familie am liebsten die Stimmrechte nehmen. Das wiederum stachelt die Kampfeslust der Redstones nur noch mehr an. Da kommen ihnen auch die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Moonves gelegen.

„Hier handelt es sich um eine echte Seifenoper“, sagt auch Keir Gumps, Partner der Kanzlei Covington and Burling und ehemaliger SEC-Anwalt. „Es wird wohl noch Monate oder Jahre dauern, bis wir wissen, wie sie ausgeht“, schätzt er.

CBS und Viacom gehörten früher schon einmal zusammen. 2005 hatte sie Sumner Redstone auf Druck der Aufsichtsbehörden aufgespalten. CBS setzt heute mit knapp 13.000 Mitarbeitern fast 14 Milliarden Dollar um. Viacom kontrolliert Fernsehsender wie MTV und Nickelodeon und die Studios von Paramount Pictures und kommt mit 11.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 13 Milliarden Dollar. Während das Radio- und TV-Netzwerk CBS gedeiht, hat Viacom mit schwindenden Kundenzahlen im Kabelfernsehen zu kämpfen.

Shari Redstone hat in der Holding das Sagen

Bei beiden Unternehmen hält die Redstone-Holding „National Amusements“ 80 Prozent der Stimmrechte. National Amusements gehört zu 80 Prozent dem Trust von Sumner Redstone und zu 20 Prozent der Tochter Shari. Angesichts der aktuellen Konsolidierung in der Medienbranche will vor allem Shari beide Unternehmen wieder unter einem Dach vereinen. Da Sumner Redstone schwer krank ist und sich kaum mehr artikulieren kann, tritt sie als Sprachrohr auf.

Der CBS-Vorstandsvorsitzende Moonves wehrt sich vehement gegen die Pläne. Dabei ist er nicht grundsätzlich gegen eine Fusion – aber nicht mit Viacom. „Als Geschäftsführer muss man im Blick haben, was das Beste für alle Aktionäre ist, nicht nur für einen“, erklärt der Aktienrechtler Gumbs.

Nach Ansicht von Moonves, der seit mehr als 20 Jahren bei CBS arbeitet und lange als Vertrauter von Redstone galt, ist die Fusion nicht das Beste für alle Aktionäre. Er hofft, dass andere mehr bieten könnten. Mit dem Vorstand klagt Moonves deshalb gegen die Kontrollaktionäre und will deren Stimmrechte mit einer Sonderdividende von derzeit 80 Prozent auf 20 Prozent reduzieren.

Doch Moonves könnte ein Problem bekommen: Ihn könnte sein Verhalten gegenüber Frauen einholen. Er behauptet zwar, an den jüngsten Vorwürfen der sexuellen Belästigung sei nichts dran. Das hat er auch gegenüber Shari Redstone beteuert. Sollte das aber nicht stimmen, so könnte ihn das seinen Posten kosten, da er dann gegenüber einem Boardmitglied die Unwahrheit gesagt hätte.

Eins sollten seine Feinde wissen: Sumner Redstone lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Der Sohn eines Unterhaltungs-Impresarios hat nicht nur im Zweiten Weltkrieg mit seinem Team einen japanischen Code geknackt. Er hat auch Ende der 70er-Jahre ein Hotelfeuer mit schweren Verbrennungen überlebt und später allen Arztprognosen zum Trotz wieder ein normales Leben geführt.

Er hat das Unternehmen seines Vaters zu dem ausgebaut, was es heute ist. Er verstand früh, dass es wichtig war, nicht nur auf den Vertrieb, sondern auch auf Inhalte zu setzen. Er hat den Satz „Content is king“ ausgerufen.

Viacom hat er in einer feindlichen Übernahme 1987 übernommen. Unter seiner Regie produzierte Paramount Filme wie „Titanic“ und „Mission Impossible“. Fotos von ihm mit Tom Cruise, Leonardo di Caprio und George Clooney zeugen von seiner Glorie. Hollywood hat ihn mit einem Stern mit seinem Namen auf dem Walk of Fame geehrt. Erst 2016 ist er mit 92 Jahren nach einer richterlich angeordneten ärztlichen Untersuchung von seinen Posten als Chairman von CBS und Viacom zurückgetreten.

Der Patriarch hat vorgesorgt

Heute hat vor allem Shari Redstone als Präsidentin von National Amusements das Sagen. Die studierte Juristin, deren Verhältnis zum Vater lange angespannt war, sitzt sowohl bei CBS als auch bei Viacom als stellvertretende Chairwoman im Board.

Die Tochter hat den Kampfgeist des Vaters geerbt. Als eine damalige Gefährtin des schon zweimal geschiedenen Vaters sie verklagte, weil Shari den Vater angeblich manipulierte, schlug sie zurück: Sie klagte gegen die jüngere Partnerin des Vaters, weil die ihn um dreistellige Millionenbeträge erleichtert haben soll. Auch im jüngsten Skandal um Moonves’ sexuelle Avancen bereitet sie das Terrain vor für juristische Schritte.

Sie hat auch das Management schon verklagt, weil es für die interne Kommunikation sich selbst zerstörende Nachrichtern einer App namens „TigerText“ verwendet habe, um keine Beweismittel zu hinterlassen. Im Board stehen die unabhängigen Mitglieder in dem Konflikt bisher weitgehend auf der Seite des CEO. Schließlich gehört Moonves in der Branche zu den mächtigsten und erfolgreichsten Managern.

Auch wenn Moonves bleiben sollte, könnten ihm die Hände gebunden sein, was einen möglichen Verkauf angeht. Denn der alte Patriarch hat vorgesorgt: Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, sieht der Trust für den Tod oder die Unfähigkeit von Sumner Redstone vor, dass die beiden Unternehmen nicht verkauft werden dürfen, wenn dadurch die Stimmrechte der Familie auf unter 30 Prozent fallen. Das würde vor allem Übernahmen durch deutlich größere Medienkonzerne de facto unmöglich machen.

Da bleibt dem CBS-Management nur die Hoffnung, dass seine Klage vor Gericht durchgeht, mit der es die Stimmrechte der Redstones drastisch begrenzen wollen. Der Prozess in Delaware beginnt im Oktober. Dann geht die Redstone-Saga in die nächste Runde.

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