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Tatjana und Larissa Medved-Kastein Zwei Schwestern übernehmen beim Zirkus Flic Flac das Geschäft mit dem Nervenkitzel

Die Schwestern übernehmen vom Vater das Tourneegeschäft des Flic Flac. Die Geschäftsfrauen sind nicht nur als Artistinnen schon lange dabei.
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Zwei Powerfrauen übernehmen das Tourneegeschäft von Flic Flac. Quelle: Flic Flac
Larissa Medved-Kastein (l.) und Tatjana Kastein

Zwei Powerfrauen übernehmen das Tourneegeschäft von Flic Flac.

(Foto: Flic Flac)

Köln Die harte Zeit der Artistenausbildung hat Tatjana Kastein und Larissa Medved-Kastein nicht nur für die späteren Auftritte vor großem Publikum geprägt. Die Schwestern sitzen in ihrem Bürowagen gleich hinter dem Kassenbereich des Zirkus Flic Flac in Köln und wirken gesammelt, aufmerksam, konzentriert und immer auf den Punkt. Ganz so, wie sie es auch unter der Kuppel des Zirkus sein mussten, den ihr Vater Benno Kastein vor fast 30 Jahren gründete.

Vor einigen Jahren traten die erfolgreichen Artistinnen aus dem Rampenlicht heraus und intensivierten die Arbeit hinter den Kulissen, wo sie schon immer zu Hause waren. Im März werden die Schwestern nun vom Vater das komplette Tourneegeschäft von Flic Flac übernehmen. Bei der im August 2017 gegründeten Tochtergesellschaft FF Tour GmbH werden sie mit jeweils 50 Prozent der Anteile alleinige Gesellschafterinnen sein.

Die jungen Frauen führen dann ein Unternehmen, das wenig mit einem traditionellen Zirkus gemein hat. „Flic Flac ist ja viel mehr eine Actionshow“, sagt Larissa Kastein. Die 31-Jährige ist als künstlerische Leiterin gemeinsam mit dem Vater schon seit einigen Jahren für Einkauf und Choreografie der Shows zuständig.

Für die im April beginnende neue „Punxxx“-Tour ist sie dann allein verantwortlich: für die Auswahl der Artisten, deren Einbindung in eine spektakuläre Choreografie und alle vertraglichen Dinge.

Vater Benno managt dann nur noch die gerade gestarteten Weihnachts- und Wintershows. Die finden auch zum Jahreswechsel wieder mehrere Wochen lang fast gleichzeitig in fünf deutschen Städten statt. Diese Shows, für die Dutzende zusätzliche Artisten verpflichtet werden, sind in der Flic Flac Event GmbH gebündelt.

Man hat den Zirkus schon oft genug totgesagt. Aber wir leben immer noch. Ralf Huppertz, Verband Deutscher Circusunternehmen

Die Shows wechseln im Zweijahresrhythmus, bieten stets neue atemberaubende Acts und sind mitunter nichts für schwache Nerven. Eine Menge Arbeit und Akribie steckt dahinter. Der technische Aufwand für die einzelnen Acts ganz oben auf dem Hochseil, im „Todesrad“ oder im „Globe of Speed“, einer von außen einsehbaren Metallkugel mit 6,50 Meter Durchmesser, ist enorm.

So haben immer auch Tüv und Bauaufsicht Augen auf das Treiben in den schwarz-gelben Zelten. Eine Manege im eigentlichen Sinn, Sägemehl oder Tiere, Bestandteile des klassischen Zirkusgeschäfts, gibt es bei Flic Flac nicht.

Stunts statt Tiere

Wie sollte auch von einer Manege die Rede sein, wenn wie bei „No Limits!“ oder der „Exxtrem“-Tour ein spezielles Acht-Mast-Zelt mit einer langen rechteckigen Bühne zum Einsatz kommt, auf der dann größere Auto- und Motorradstunts gezeigt werden können?

Larissa und Tatjana Kastein kennen dieses Geschäft mit dem Nervenkitzel auswendig. Die beiden sind im Zirkus groß geworden, haben kaum eine andere Welt kennen gelernt. Sie sind sukzessive hineingewachsen in das, was das heutige Unternehmen in seiner Einzigartigkeit bestimmt. Tatjana, 27, und Larissa sind mittlerweile Mütter kleiner Töchter, deren motorradfahrende Väter ebenfalls im Flic-Flac-Kosmos zu Hause sind.

Larissa Kastein trat schon mit sechs Jahren an Vater Bennos Seite auf und wurde später zur gefragten Pole-Akrobatin. Seit dem zwölften Lebensjahr begeisterte Schwester Tatjana die Zuschauer jahrelang mit ihrer Handstand-Akrobatik.

„Andere gehen halt in den Sportverein“, kommentiert sie ihre Ausbildung. An manchen Tagen schwitzte sie unter den Augen einer gestrengen russischen Trainerin im 50 Grad warmen Zelt. „Handstandakrobatik ist das Beste, das man machen kann, um Artistin zu werden“, sagt Tatjana Kastein heute. „Darauf baut alles auf.“

Die Schwestern traten auch in anderen Zirkussen auf und gewannen Preise – am Ende zog es sie zurück ins elterliche Haus, das nie aus mehr als einem Wohnwagen bestand. Larissa fädelt heute Shows ein, engagiert Akrobaten und choreografiert, was den Zuschauern später unter Einsatz von Licht, Laser, Pyrotechnik und oft selbst komponierter Musik den Atem stocken lässt.

Bald zehn Millionen Zuschauer

Tatjana dagegen wirkt eher im Hintergrund: Sie kümmert sich um die Buchhaltung, den Kartenvorverkauf und die Kasse. Den Job hat sie übrigens von ihrer Mutter Scarlett Kaiser-Kastein übernommen. Vater Benno Kastein gründet 1989 mit seiner Frau, Bruder Lothar und dessen Ehefrau Gaby in Bocholt Flic Flac.

Weltpremiere feierten sie damals in Oberhausen unter dem bezeichnenden Motto „Nicht irgendein Zirkus“. Zuvor brillierten die Brüder Benno und Lothar auf dem Hochseil und ebenjenem „Todesrad“. Die furchterregende Stahlkonstruktion dreht sich um die eigene Achse. An deren Enden hantieren in zwei rhönradgleichen Außenzylindern bis zu vier Artisten gleichzeitig.

„Flic Flac zielt durch viel Action eher auf eine etwas jüngere Zielgruppe“, sagt Ralf Huppertz, Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Circusunternehmen. „Er hat es bis heute gut geschafft, dieses Konzept durchzuhalten.“ Neben Charles Knie, Probst oder Voyage ist Flic Flac eines der größeren Unternehmen im Verband. Der Branche, sagt Huppertz, gehe es mal so, mal so. Eine Zukunft sieht er allemal: „Man hat den Zirkus schon oft genug totgesagt. Aber wir leben immer noch.“

Mehr als 20 reguläre und zahlreiche Sondershows wurden bei Flic Flac bislang konzipiert, viele Millionen Zuschauer sahen seit 1989 Shows wie „Gnadenlos“, „Reine Nervensache“ oder „Exxtrem“. In einer der Weihnachtsshows wird der zehnmillionste Besucher erwartet. Wenn im April mit „Punxxx“ der Tourneebetrieb weitergeht, werden die Schwestern allein für rund 100 Mitarbeiter inklusive 35 Artisten verantwortlich sein.

Sie managen dann das reisende Büro hinter der Kasse und das Zentralbüro in Duisburg, ein Winterquartier von rund 35.000 Quadratmetern in Borken und drei riesige Zeltanlagen. Und sie werden versuchen, wieder die rund acht bis zehn Millionen Euro Umsatz hereinzuholen, die Flic Flac nach Schätzung von Geschäftsführer Struck 2018 erwirtschaften wird. Genug Power bringen die Zirkusschwestern jedenfalls mit.

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