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Tele München wird verkauft Herbert Kloiber verabschiedet sich mit dem Deal seines Lebens

Der 71-jährige Film- und Fernsehunternehmer verkauft seine Tele-München-Gruppe an KKR. Der Musik bleibt der Österreicher aber weiterhin treu.
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Dem Österreicher gelangen immer wieder spektakuläre Verkäufe. Quelle: imago stock&people
Herbert Kloiber

Dem Österreicher gelangen immer wieder spektakuläre Verkäufe.

(Foto: imago stock&people)

WienAls Herbert Kloiber in seiner von ihm geschätzten Traditionswirtschaft Franziskaner im Herzen Münchens saß und gerade über die Feinheiten der Pressemitteilung über den Verkauf seines Lebenswerks an den Finanzinvestor KKR brütete, kam zufällig Thomas Haffa, einst Vorstandschef und Gründer des gefallenen Börsenlieblings EM.TV, vorbei. Der ehemalige Schreibmaschinenverkäufer Haffa stieg um die Jahrtausendwende bei Kloibers Tele München Gruppe ein.

Die börsennotierte Firma zahlte damals die sagenhafte Summe von 800 Millionen Mark für 45 Prozent an Kloibers Tele München Gruppe. Ein glänzendes Geschäft, das er später rückgängig gemacht hat und über das sich der mittlerweile 71-jährige noch heute freuen kann. Spontan lud Kloiber seinen einstigen Geschäftspartner und zeitweisen Gegenspieler Haffa zu einem Glas Wein ein. Die Feierlaune hat einen guten Grund.

Der Österreicher hat es in den vergangenen fast fünf Jahrzehnten immer wieder geschafft, günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen. „Ich habe mehr als eine Milliarde Euro an Anteilsverkäufen generiert“, sagt Kloiber. Nun hat er den größten Deal seines Lebens besiegelt.

Der Medienunternehmer hat seine Tele München Gruppe an den amerikanischen Finanzinvestor KKR verkauft. Zu der Firma gehören Beteiligungen an den Privatsendern RTL 2 und Tele 5, der Filmverleih Concorde, die Mehrheitsbeteiligung an der börsennotierten Odeon Film.

„Das Alter ist der Grund“, sagt Kloiber zur Erklärung für den Verkauf. „Zum Jahresende haben wir uns mit KKR geeinigt und am Montag unterschrieben.“ Weder Kloiber noch KKR nennen einen Kaufpreis. Der aus Wien stammende Unternehmer sagt nur: „KKR zahlt einen sehr angemessenen Preis.“

Das ist ein großes Kompliment, denn in Sachen Werthaltigkeit seiner Firmen hatte Kloiber immer sehr selbstbewusste Vorstellungen. Schon seit Längerem hat der im österreichischen Fuschl am See lebende Unternehmer mit strategischen Investoren über einen Verkauf gesprochen.

Die Tele München Gruppe habe laut Kloiber im vergangenen Jahr einen konsolidierten Umsatz von 250 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 32 Millionen Euro erzielt. In den vergangenen Jahren habe sich das Ebita zwischen 30 und 55 Millionen Euro bewegt.

Neuer Schwung für die Medienbranche

„Persönlich bedaure ich, dass die Tele München Gruppe nicht inhabergeführt bleibt, aber vom Lebensweg her hat Herbert Kloiber eine Traumkarriere hingelegt. Angefangen mit einem Abgang als Manager bei der Kirch-Gruppe und aufgehört als Milliardär“, sagt Wolfram Winter, Medienmanagement-Professor an der Hochschule Macromedia in München. Viele im Markt waren davon ausgegangen, dass Kloiber die Tele München Gruppe an seinen Sohn Herbert Kloiber junior übergeben wird.

Der heute 42-Jährige ist seit etlichen Jahren im elterlichen Unternehmen als Manager aktiv. An seiner Aufgabe als Geschäftsführer wird sich auch nach dem Verkauf nichts ändern. Kloiber junior bleibt bei der Tele München Gruppe, aber künftig als leitender Angestellter von KKR.

Mit dem Verkauf an den Finanzinvestor bringt Kloiber neuen Schwung in die Medienbranche. „Er macht mit dem Verkauf an einen der agilsten Finanzinvestoren die Schleusen auf, um seinem Unternehmen die Möglichkeiten zu bieten zu wachsen“, sagt Medienexperte Winter. Denn der Investor will ein größeres Mediengeschäft aufbauen. „KKR plant noch einige Zukäufe. Sie wollen ein Konglomerat zusammenbauen“, berichtet Kloiber.

Fred Kogel, früher Chef der Constantin Film und des Privatsenders Sat 1, soll einen neuen Konzern aufbauen. „Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit der Tele München Gruppe etwas Neues im Film- und TV-Geschäft zu schaffen: eine Plattform, die vom Filmset bis ins Kino und zur TV-Auswertung die komplette Wertschöpfungskette mit starker eigener Produktion abdeckt und die wir durch weitere Firmenzukäufe ausbauen werden“, sagte Philipp Freise, KKR-Chef des europäischen Investmentteams für Technologie, Medien und Telekommunikation.

Der kriselnde Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 gilt in der Branche als möglicher Übernahmekandidat. „Der Aktienkurs ist so niedrig, dass einige Investoren den Konzern auf dem Bildschirm haben“, sagt der promovierte Jurist Kloiber. Die Pro-Sieben-Sat-1-Aktie hat innerhalb eines halben Jahres die Hälfte ihres Werts verloren. Die Marktkapitalisierung beträgt nur noch 3,7 Milliarden Euro. KKR war schon einmal höchst erfolgreicher Gesellschafter des MDax-Konzerns.

Die Musik bleibt eine Konstante

Kloiber ist seit 43 Jahren selbstständig. „Der 11.11.1976 war der prägendste Tag. Mit einem Schlag wurde ich Unternehmer statt Geschäftsführer einer Tochterfirma von Leo Kirch“, erinnert er sich an seinen Bruch mit seinem charismatischen Lehrmeister aus Franken. „Ich habe mit einer Sekretärin und 50.000 Mark Schulden begonnen.“ Später zählte seine Firma zeitweise 3.500 Mitarbeiter.

Eines seiner besten Geschäfte war der Verkauf von Tele 5 an Leo Kirch für damals 180 Millionen Mark und die Veräußerung des Senders TM3 an Rupert Murdoch für einen dreistelligen Millionenbetrag sowie die erfolgreiche Veräußerung der CinemaxX AG an die britische Kinokette VUE. Doch nicht alles gelang Kloiber. Die Übernahme des österreichischen Privatsender ATV war ein sehr teures Millionengrab.

In Zukunft will sich der Medienunternehmer vor allem um seine Leidenschaft, die Musik, kümmern. Er ist Vizepräsident des Wiener Musikvereins und im Beirat des Cleveland Orchestra. Zudem wird er dem Beirat der übernommenen Tele München Gruppe angehören und weiter als Aufsichtsrat der Odeon Film AG fungieren.

Über Jahrzehnte zählte er zu den Großen und Mächtigen auf der Film-Messe in Cannes. Dort kaufte und verkaufte er Fernseh- und Filmrechte und machte Deals mit seinen Kunden von Disney bis zum ZDF.

Ganz vom südfranzösischen Medientreffpunkt will der Liebhaber eleganter Kleidung und guten Essens aber nicht lassen. „Es kann sein, dass ich in Cannes mal zur Messe vorbeisegeln werde“, sagt Kloiber und lächelt. Er besitzt eine der größten und schönsten Segeljachten in der europäischen Medienbranche. Und die sind im Alten Hafen von Cannes immer gern gesehen.

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