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Textilunternehmen Laschets Sohn vermittelte Masken-Deal: Millionenauftrag für van Laack sorgt für Ärger

Der Sohn von NRW-Ministerpräsident Laschet arbeitet für van Laack, das Textilunternehmen wiederrum bekam vom Land einen Millionenauftrag. Konzernchef von Daniels verteidigt den Deal.
02.12.2020 - 19:02 Uhr 2 Kommentare
Um die Frage, wie der Modeblogger und Sohn des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten dabei half, dem Textilhersteller Aufträge zu verschaffen, ist eine Debatte entbrannt. Quelle: dpa
Armin und Johannes „Joe“ Laschet

Um die Frage, wie der Modeblogger und Sohn des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten dabei half, dem Textilhersteller Aufträge zu verschaffen, ist eine Debatte entbrannt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Christian von Daniels gibt sich gelassen. Am Telefon bleibt der Eigentümer des vor allem für seine Hemden bekannten Herstellers van Laack betont ruhig und sachlich. Dabei hat er in den vergangenen Tagen einen kleinen Politikskandal ausgelöst. Es geht um die Frage, ob es bei Landesaufträgen für persönliche Schutzkleidung und Mund-Nasen-Masken, die im März so dringend benötigt wurden, rechtens zugegangen ist.

Das Familienunternehmen aus Mönchengladbach mit 56 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr war im Frühjahr sehr schnell auf die Produktion von Masken umgeschwenkt und lieferte zugleich medizinische Kittel – unter anderem auch an das Land NRW. So weit bekannt. Am Wochenende aber brachte von Daniels in einem Interview etwas ins Rollen.

Es geht um die Frage, wie sehr Johannes „Joe“ Laschet, Modeblogger und Sohn des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), dabei half, dem Textilhersteller Aufträge zu verschaffen. Von Daniels hatte gegenüber der „Rheinischen Post“ erklärt: „Ich habe Joe gesagt, dass er seinem Vater meine Nummer geben kann, wenn das Land Hilfe bei der Beschaffung von Masken braucht.“

Daraufhin entdeckte die Opposition im Düsseldorfer Landtag das Thema für sich und verlangte Aufklärung. Die SPD-Fraktion im Landtag erklärte, es müsse ausgeschlossen werden, dass hier persönliche Beziehungen eine Rolle gespielt hätten. Am Dienstagabend hatte sich Ministerpräsident Laschet gemeldet und sich empört gezeigt: „Ich halte die Unterstellungen der SPD für schäbig und unanständig.“

Die Verbindung zwischen dem Sohn des Ministerpräsidenten und dem Textilunternehmen entstand bereits im Jahr 2018, bestätigt von Daniels. Seitdem ist der Influencer für van Laack tätig. Er bekomme Kleidungsstücke „leihweise zur Verfügung gestellt, mit dem Auftrag, sie zu posten“, berichtet von Daniels.

Damit sei Laschet zunehmend erfolgreich. Im Jahr 2018, 2019 und 2020 habe Johannes Laschet ein monatliches Honorar in der Größenordnung eines Minijobs bekommen.

Der Unternehmer hat das Textilunternehmen van Laack 2002 übernommen. Quelle: imago images/Future Image
Christian von Daniels

Der Unternehmer hat das Textilunternehmen van Laack 2002 übernommen.

(Foto: imago images/Future Image)

Tatsächlich habe Armin Laschet, so erinnert sich von Daniels, am 29. März bei ihm angerufen und gefragt, ob er seine Nummer an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales weitergeben dürfe. Er habe zugestimmt.

Später meldete sich das Ministerium bei ihm und habe sich im Rahmen eines späteren Termins nach zertifizierten Schutzkitteln erkundigt. „Die waren damals wirklich knapp, und wir konnten schnell und preisgünstig liefern“, erinnert sich von Daniels. Es habe aber dann doch einige Zeit gedauert, bis van Laack den Zuschlag bekommen habe.

Bundesweite Lieferungen

Das Ministerium bestätigt, dass es am 20. April 2020 Schutzkittel in einem Umfang von zehn Millionen Stück bestellt hat. Da es sich dabei nicht um ein Medizinprodukt handelt, fielen diese Schutzkittel unter „persönliche Schutzausrüstung“. Das Auftragsvolumen belaufe sich auf rund 38,5 Millionen Euro netto.

Das Ministerium teilte darüber hinaus mit, dass es im Laufe der Corona-Pandemie mehr als 7000 Angebote über Persönliche Schutzausrüstung (PSA) bekommen und ausgewertet habe.

Um Masken sei es damals nicht gegangen, betont von Daniels. In einer Pressekonferenz im Juni in der Messe Düsseldorf habe Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Lieferung von Schutzkitteln durch van Laack sowie andere Produkte durch diverse andere Firmen auch öffentlich vorgestellt.

Darüber hinaus beliefert van Laack auch zahlreiche Behörden bundesweit mit Mund-Nasen-Masken, darunter Justizvollzugsanstalten, Staatsanwaltschaften, aber auch die Polizei in NRW und Baden-Württemberg. Insgesamt hat das Unternehmen in diesem Jahr bereits mehr als 100 Millionen Masken auch über die Supermärkte, Warenhäuser oder online verkauft.

Auch Johannes Laschet hat sich inzwischen via Instagram gemeldet: „Selbstverständlich habe ich keinen Cent, keinen Vorteil und keine Provision erhalten.“ Zweck des Ganzen sei gewesen, dass Krankenhäuser, Ärzte und Pfleger fehlende Schutzkleidung bekommen konnten, so der Mode-Influencer, dem bei Instagram knapp 92.000 Abonnenten folgen: „Es ging nicht um persönliche Vorteile, sondern um effektive Hilfe.“

Mehr: So macht van Laack die Coronamaske zum begehrten Modeaccessoire

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2 Kommentare zu "Textilunternehmen: Laschets Sohn vermittelte Masken-Deal: Millionenauftrag für van Laack sorgt für Ärger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt.

  • Wo ist das Problem?
    Das Land brauchte und braucht Masken und ein heimischer Unternehmer hat diese mit hiesigem Personal produziert und geliefert.
    Wäre es besser, wir bekämen minderwertiges Material aus China oder sonst woher geliefert ?
    Ist doch okay, wenn der Sohn von Herrn Laschet so vernetzt denkt und hilft, dass wir von globalen Lieferketten einen Teil unabhängiger werden.
    Wir sollten doch diese reflexartigen politischen Unterstellungen sein lassen.
    Besser als das Bundesgesundheitsamt, dass dutzende Millionen Euro versenkt wurden, um minderwertiges Masken- und Schutzkleidungsmaterial aus fernen Ländern gekauft hat, die überhaupt nicht unserem Standard entsprochen haben und unbrauchbar waren.

    Die Firma van Laack hat damit Corona bedingte Minderumsätze ausgleichen können. Ist doch ein richtig guter Plan.
    Die Beschaffungsrichtlinien des Landes für den Einkauf sind sicher eingehalten worden - jeden Falls hat man von etwaigen Verstößen nichts gehört.
    Das Handelsblatt weiß doch wie Wirtschaft geht - oder?

    Ärger, von wem und warum ? Wo liegt der sachliche Grund?

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