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Textilunternehmer Luciano Benetton: „Vom ersten Moment an wollten sie die Enteignung“

Nach dem Kompromiss über die Zukunft des Autobahnbetreibers Autostrade per l’Italia kritisiert Benetton die Regierung. Der Unternehmer fürchtet um sein Lebenswerk.
16.07.2020 - 16:07 Uhr Kommentieren
„Niemals hätte ich solche öffentlichen Töne von Premier Conte und einigen seiner Minister erwartet.“ Quelle: LightRocket/Getty Images
Luciano Benetton

„Niemals hätte ich solche öffentlichen Töne von Premier Conte und einigen seiner Minister erwartet.“

(Foto: LightRocket/Getty Images)

Rom Es war ein typisch italienischer Krimi: Erst morgens um fünf endete die Kabinettssitzung in Rom, bei der das Schicksal der Beteiligung der Familie Benetton an dem Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia (Aspi) besiegelt wurde. Die Textilunternehmer aus Ponzano Veneto sind über ihre Familienholding Edizione Hauptaktionär von Atlantia, dem Infrastrukturkonzern, der Aspi kontrolliert. Seit dem Brückeneinsturz in Genua im August 2018 wurde darüber gestritten.

Nun kündigte Premier Giuseppe Conte die Lösung an: Benetton verzichtet auf die Mehrheit, und der Staat steigt über die Förderbank Cdp ein. Der Anteil der Familie an der Betreibergesellschaft sinkt von 88 auf rund zwölf Prozent, jedoch nicht von heute auf morgen. Der Kompromiss wurde erst möglich durch das Rückzugsangebot der Benettons. Die Regierung hatte mehrmals mit dem Entzug der Konzession für Aspi gedroht.

Luciano Benetton, der 85-jährige Gründer und Patron des Unternehmens, reagierte entsetzt. „Vom ersten Moment an wollten sie die Enteignung“, sagte er zu dem Beschluss der Regierung und beklagte die „systematische Dämonisierung des Namens unserer Familie durch die Spitzen des Staates“. In seinem Zorn wurde der Patron sehr deutlich: „Niemals hätte ich solche öffentlichen Töne von Premier Conte und einigen seiner Minister erwartet.“

Das geht vor allem an die Adresse des Koalitionspartners Bewegung Fünf Sterne. Deren damaliger Parteichef Luigi Di Maio, heute Außenminister, hatte direkt nach dem Brückenunglück, bei dem 43 Menschen starben, die Benettons als Schuldige ausgemacht und öffentlich angeprangert. Sie hätten die Wartung vernachlässigt, sagte er damals. Überhaupt wurde erst nach der Tragödie und der Kritik Di Maios bekannt, dass die Familie Benetton über Atlantia an Aspi beteiligt ist.

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    Bis heute laufen Gerichtsverfahren, und die Schuldfrage ist längst nicht geklärt. „Wir haben es geschafft, die Benettons sind raus“, frohlockte Di Maio nach dem Regierungsbeschluss. Sein Parteifreund, Industrieminister Stefano Patuanelli, sagte: „Autostrade kommt zurück in die Hände der Italiener.“ Das zeigt die populistische Gesinnung der Fünf Sterne, die zur Zeit des Unglücks zusammen mit der Lega regierten und jetzt in einer Koalition mit dem Partito Democratico stecken. Di Maio kündigte direkt an, jetzt müssten die Mautgebühren gesenkt werden.

    Benetton fürchtet um sein Lebenswerk

    Für Benetton geht es jetzt nicht nur um den Ruf des Unternehmens, das schon mehreren Shitstorms ausgeliefert war, sondern um die Zukunft. Luciano Benetton, kunstinteressiert und weltgewandt, war erst Ende 2017 aus dem Ruhestand an die Spitze der Benetton Group zurückgekehrt, um den Niedergang der Marke zu stoppen.

    Jetzt sei er erbost und fürchte um sein Lebenswerk, heißt es in seinem Umfeld – aber auch kämpferisch. Es seien Fehler gemacht worden, vor allem in Form von blindem Vertrauen in die Manager, die für die Familie Investitionen planten und durchführten. „Luciano Benetton war äußerst innovativ, er steht aber auch für die Transformation von Unternehmern zu Shareholdern“, sagt der Ökonom Giulio Sapelli.

    1965 hatte er mit seinen drei Geschwistern das Familienunternehmen gegründet. Die Schwester Giuliana war fürs Design zuständig, Luciano für die Vermarktung, Carlo für die Produktion und Gilberto für die Finanzen. Die beiden Brüder sind inzwischen verstorben.

    Als der Absatz mit den bunten Pullovern, für die das Label United Colors of Benetton steht und mit denen sie international bekannt wurden, zu Beginn der 2000er-Jahre zurückging, hatte die Diversifizierung schon begonnen. Dafür war Gilberto zuständig. Er investierte die Milliarden, die das Unternehmen in den 80er-Jahren verdient hatte, in andere Beteiligungen wie Atlantia oder Autogrill.

    Jetzt soll die Familie über Atlantia auch noch 3,4 Milliarden Euro Entschädigung für den Brückeneinsturz zahlen. Immerhin führte die Regierungsentscheidung zu einem Kurssprung von Atlantia von mehr als 26 Prozent an der Börse.

    Mehr: In Rekordzeit wieder aufgebaut: Eine Brücke macht Italien Mut

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