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Thomas Bachmann Laborausrüster Eppendorf setzt auf Transformation mit Tempo

Wie der Schweizer Manager Thomas Bachmann dem traditionsreichen Unternehmen zu mehr Dynamik verhilft – und den Wandel zum globalen Hersteller vorantreibt.
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Der Vorstandsvorsitzende will mit Eppendorf „schneller wachsen als der Markt“. Quelle: Bertold Fabricius
Thomas Bachmann

Der Vorstandsvorsitzende will mit Eppendorf „schneller wachsen als der Markt“.

(Foto: Bertold Fabricius)

Hamburg Auch ISS-Kommandant Alexander Gerst hatte sie vergangenes Jahr im All im Einsatz: die Pipetten des Laborausrüsters Eppendorf AG. Weil es bei Transporten in der Raumfahrt auf jedes Gramm ankommt und die Pipetten des Hamburger Familienunternehmens besonders leicht sind, wurden sie für die wissenschaftlichen Versuche auf der Raumstation ausgewählt.

Sehr hohe Qualität und eine bekannte Marke – diese Stärken von Eppendorf waren dem externen Manager Thomas Bachmann bei seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender 2015 bekannt. Allerdings sah er auch eine Schwäche: Das 74 Jahre alte Unternehmen blieb seiner Meinung nach beim Wachstum mit Raten von vier bis fünf Prozent in einem insgesamt dynamischen Markt deutlich unter seinen Möglichkeiten.

„Um als Mittelständler im sich konsolidierenden Markt mithalten zu können, muss man schneller wachsen als der Markt. Und das geht nur über Innovationen“, sagt Bachmann, der damals ein umfangreiches Transformationsprogramm initiierte.

Zum einen ließ er die Marktorganisation breiter aufstellen und das Spektrum der Vertriebskanäle erweitern, vom Direktvertrieb über E-Commerce bis hin zum Key-Account für Großkunden. Dann wurde die Unternehmenskultur weiterentwickelt, der Innovationsprozess mit agilen Methoden erneuert und der F&E-Etat deutlich erhöht.

Von unter fünf Prozent des Umsatzes soll das Budget in den nächsten Jahren auf bis zu 7,5 Prozent steigen. Die Firma Eppendorf hat ihren Namen vom Hamburger Stadtteil Eppendorf. Dort neben dem Uniklinikum gründeten 1945 der Ingenieur Heinrich Netheler und der Physiker Hans Hinz die „Elektromedizinische Werkstätten GmbH“.

Ein Reizstromgenerator für die medizinische Diagnostik und Therapie war das erste Gerät, zahlreiche Innovationen unter anderem zur Diagnostik von Enzymen folgen. Im Lauf der Jahre wandelte sich die Eppendorf AG vom Medizintechnikhersteller zu einem reinen Life-Science-Anbieter, dessen Produktpalette von Pipetten über Zentrifugen bis hin zu Fermentern für Zellkulturen reicht.

Familie sitzt weiter im Aufsichtsrat

„Eppendorf hat im Labormarkt Standards gesetzt. Jeder, der im Labor arbeitet, kennt die Eppis“, sagt Birgit Ladwig, Leiterin des Bereichs Analysen-, Bio- und Labortechnik beim Industrieverband Spectaris. Die „Eppis“, das sind kleine Probengefäße mit Schnappdeckel. International sind sie als „Eppendorf tubes“ zum generalisierten Markennamen dieses Gefäßtyps geworden.

Die Firmengründer holten seit den 70er-Jahren externe Manager in das Unternehmen und zogen sich aus dem operativen Geschäft zurück. Vertreter der Familien sitzen aber weiterhin im Aufsichtsrat des Unternehmens. Dort war auch Bachmann als Mitglied von 2013 an aktiv, bevor man ihm 2015 den CEO-Posten übertrug.

Der 60-jährige Ingenieur mit MBA hatte bereits verschiedene Führungspositionen bei Unternehmen im Life-Science-Markt inne gehabt – unter anderem auch beim Eppendorf-Wettbewerber Tecan. „Man merkt, wie sich Eppendorf unter der Führung von Thomas Bachmann weiterentwickelt. Es ist eine große Initiative im Unternehmen zu spüren, sich über das Angebot von Produkten hinaus als Lösungsanbieter zu positionieren, als Kooperationspartner, der den gesamten Prozess im Labor begleiten will“, sagt Hinrich Habeck, Geschäftsführer von Life Science Nord.

In dem Cluster haben sich etwa 500 Pharma-, Medizintechnik- und Biotech-Unternehmen sowie Universitäten, Kliniken und Forschungseinrichtungen aus Hamburg und Schleswig-Holstein zusammengeschlossen. Mittlerweile zeigt die von Bachmann angestoßene Transformation bei Eppendorf Wirkung: Der Umsatz legte im vergangenen Jahr währungsbereinigt um 8,2 Prozent auf 729 Millionen Euro zu, im ersten Halbjahr 2019 waren es bereits 8,8 Prozent, während der relevante Markt um etwa sieben Prozent wächst.

„Wandeln uns zum globalen Kleinkonzern“

Wegen Investitionen in den Produktionsausbau und die Infrastruktur erwartet Bachmann bei Eppendorf in diesem Jahr einen operativen Gewinn etwa auf Höhe des Vorjahres, knapp 154 Millionen Euro. „Wir waren ein kleiner Mittelständler, sind ein größerer Mittelständler geworden und wandeln uns jetzt zum globalen Kleinkonzern“, sagt Bachmann, der in den nächsten Jahren mit Eppendorf einen Umsatz von einer Milliarde Euro erreichen will.

„Das ist eine respektable Größe, um einen globalen Footprint aufrechtzuerhalten. Den brauchen wir, um mit den Großen der Branche mithalten zu können“, sagt Bachmann. Derzeit ist Eppendorf mit mehr als 3300 Mitarbeitern in 26 Ländern der Welt mit Tochtergesellschaften vertreten sowie in weiteren wichtigen Märkten über Vertriebspartner.

In einer Branche, in der milliardenschwere US-Konzerne wie Thermo Fisher oder auch Danaher die Konsolidierung vorantreiben, ist das Hamburger Unternehmen eines der wenigen noch unabhängigen mittelständischen Unternehmen im Markt. Das soll auch so bleiben, sagt Bachmann. „Die Eigentümer stehen fest zum Unternehmen, denken langfristig und sind an nachhaltigem Wachstum interessiert.“

Um seine Wachstumspläne umzusetzen, fehlt Bachmann aber noch das nötige Personal. 250 neue Mitarbeiter weltweit wollte das Unternehmen im laufenden Jahr einstellen, gerade die Hälfte konnte es rekrutieren: „Vor allem Naturwissenschaftler, Ingenieure, IT-Spezialisten und Experten für regulatorische Fragen sind schwer zu finden“, sagt Bachmann. „Jetzt erweitern wir unsere Aktivitäten. Wir bauen eine duale Ausbildung auf und wollen potenziellen Nachwuchs gezielt schon früher an den Universitäten ansprechen.“

Zudem arbeitet Eppendorf daran, den Life-Science-Standort Hamburg bekannter zu machen. „Eppendorf ist ein ganz wichtiger Partner, wenn es darum geht, unser Cluster als Karriere- und Innovationsregion weiterzuentwickeln. Beispielsweise hat sich das Unternehmen ganz intensiv dafür eingesetzt, dass die Tagung der Internationalen Stammzellenforscher, die nur alle drei Jahre außerhalb der USA stattfindet, im Jahr 2021 nach Hamburg kommt“, sagt Life-Science-Nord-Geschäftsführer Habeck.

Im Jahr 2021 wollte Bachmann eigentlich auch das Transformationsprogramm abgeschlossen haben. Aber: „Man lernt mit jedem Jahr dazu, welche weiteren Chancen und Herausforderungen man noch hat. So entwickelt sich der Veränderungsprozess nach vorne weiter.“

Es werde also auch nach „be Eppendorf 2021“ weitergehen. „Nur, wie wir den Prozess dann nennen, weiß ich noch nicht“, sagt Bachmann. Und auch in Sachen Innovationen will das Unternehmen noch einiges bewegen – das Labor der Zukunft wird automatisierter und vernetzter sein.

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