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Tim Warrillow Wie der „Fever Tree“-Mitgründer vom Gin-Boom profitiert

Tim Warrillow hat mit seinem Tonic Water ein Milliardenunternehmen aufgebaut. Die Börse liebt „Fever Tree“. Aber was passiert, wenn der Gin-Boom abflaut?
17.07.2018 - 16:06 Uhr Kommentieren
Der Mitgründer und Chef des britischen Unternehmens rechnet nicht mit einem plötzlichen Ende der Gin-Ära. Quelle: interTOPICS /Jon Enoch
Tim Warrillow

Der Mitgründer und Chef des britischen Unternehmens rechnet nicht mit einem plötzlichen Ende der Gin-Ära.

(Foto: interTOPICS /Jon Enoch )

London Um zu einem marktreifen Produkt zu kommen, musste Tim Warrillow, Gründer und Chef des britischen Unternehmens Fever Tree, in den Kongo reisen. „Eine wunderschöne Gegend“, erzählt der 43-Jährige im Gespräch mit dem Handelsblatt, „aber überall waren Bewaffnete. Mehrfach mussten wir an Straßensperren anhalten. Und glauben Sie mir – an denen hält man an.“

Warrillows Ziel auf der Reise vor über zehn Jahren war eine kleine Farm. Eine deutsche Familie stellt dort Chinin her, „das beste der Welt“, wie Warrillow schwärmt. Dieses Chinin ist Basis für das Tonic Water von Fever Tree – dem Hauptprodukt des Londoner Unternehmens. Barkeeper in Großbritannien, Deutschland und den USA kippen mittlerweile das sprudelnde Getränk in ihre Drinks und haben Fever Tree zu einer Marke gemacht, die sogar den Marktführer Schweppes in die Schranken weist.

2014 wurde Fever Tree von den beiden Gründern Warrillow und Charles Rolls und der Private-Equity-Firma LDC an die Londoner Börse gebracht. Mit beachtlichem Erfolg: Vor dem Börsengang hatte eine Aktie 1,34 Pfund gekostet, mittlerweile sind es 36 Pfund. Vier Milliarden Pfund beträgt die Marktkapitalisierung damit. Manche Börsianer sind daher skeptisch, ob der Kurs weiter zulegen kann. Die Mehrheit der von Bloomberg befragten Analysten bewertet die Aktie jedoch positiv.

Warrillow, der noch rund fünf Prozent der Anteile hält, nimmt das locker. „Ich bestimme nicht den Wert des Unternehmens“, sagt er achselzuckend, „ich kümmere mich darum, dass wir ein gutes Produkt haben.“ Sein Partner Rolls hat gleichwohl den steilen Kursanstieg genutzt, um Aktien zu verkaufen. Nun hält der 61-Jährige noch fast neun Prozent. Während Warrillow sich um das operative Geschäft kümmert, ist Rolls stellvertretender Chef des Verwaltungsrats.

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    Profiteur des Gin-Booms

    2003 hatten sich die beiden zum ersten Mal in einem Londoner Pub getroffen. Warrillow kam aus dem Marketing, Rolls hatte im Management der Gin-Marke Plymouth Gin gearbeitet. Es war die Zeit, als der in Großbritannien schon seit Jahrhunderten so beliebte Gin and Tonic zunehmend populärer wurde. Überall machten kleine Destillerien auf und experimentierten mit neuen Aromen. Gin wurde beliebter – und teurer.

    Dabei wurde er nach wie vor mit dem immer gleichen Tonic-Wasser aufgegossen. Eine Marktlücke, fanden Warrillow und Rolls, schließlich bestehe ein Gin and Tonic zu drei Vierteln aus Tonic. Auf diesem Grundgedanken bauten sie ihr gemeinsames Unternehmen auf: Fever Tree verkauft neue „Mixer“, wie die Getränke im Fachjargon genannt werden, mit exklusiven Zutaten – und im Vergleich zu anderen Marken auch mit einem exklusiven Preis.

    18 Monate lang entwickelten sie mithilfe von Experten das erste Rezept, reisten für die Zutaten um die Welt. 2005 kam dann die erste Flasche Fever Tree auf den Markt. Rasch verbreitete sich die Marke in Großbritannien und Europa – nicht zuletzt dank Unterstützung des spanischen Starkochs Ferran Adrià, der das Tonic Water aus England in einem seiner berühmten Molekulargerichte verwendete.

    Mittlerweile hat Fever Tree 13 Sorten im Angebot – vom klassischen „Indian Tonic Water“ mit dem kongolesischen Chinin, das aus dem auf Englisch „Fever Tree“ genannten Chinarindenbaums gewonnen wird, über „Bitter Lemon“ mit sizilianischer Zitrone bis hin zu „Ginger Ale“. Die meisten Geschmackssorten gibt es dazu in einer kalorienreduzierten Variante.

    Allen Getränken von Fever Tree ist eines gemein: Sie sind deutlich teurer als Schweppes. Aber das Unternehmen aus London hat es geschafft, dem etablierten Wettbewerber Marktanteile abzunehmen, nicht zuletzt dank eines dicken Werbeetats und geschickten Marketings. Nach Hochrechnungen des Research-Instituts IRI kam Fever Tree zuletzt im britischen Einzelhandel auf einen Marktanteil von 39 Prozent und lag damit über den 31 Prozent von Schweppes.

    Hergestellt werden die Getränke nicht im coolen Firmensitz von Fever Tree im Südwesten Londons, die Produktion gibt Fever Tree bei Unternehmen in Großbritannien und im Ausland in Auftrag. Und die Firmen müssen Jahr für Jahr mehr produzieren. Allein im vergangenen Jahr wurden insgesamt 308 Millionen der kleinen Glasfläschchen verkauft, dazu 76 Millionen kleine Dosen. Der Umsatz belief sich auf 170 Millionen Pfund (rund 195 Millionen Euro), 66 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Unter dem Strich blieben davon 45,5 Millionen Pfund übrig – nach 27,5 Millionen zuvor.

    „Klassiker bleiben“

    Aber was, wenn der Kult um Gin and Tonic irgendwann abflaut? Gerade bei alkoholischen Getränken kommen die Trends und gehen – Jägermeister etwa ist längst nicht mehr so populär unter jungen Menschen wie noch vor wenigen Jahren.

    Warrillow gibt sich unbesorgt. „Man kann natürlich nie sagen, wie sich die Trends entwickeln“, sagt er mit dem unbekümmerten Charme eines Marketingexperten, „manche Dinge kommen und gehen. Aber Klassiker wie Gin and Tonic bleiben.“ Vor allem in Märkten außerhalb Großbritanniens – nicht zuletzt Deutschland – werde die Nachfrage nach Gin und damit auch Tonic Wasser noch steigen, ist er überzeugt.

    Eine Einschätzung, die man beim britischen Verband für Wein und Spirituosen WSTA teilt. Die Umsatzzahlen für Gin haben sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Und nach Einschätzung von Miles Beale, Vorsitzender des WSTA, gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Nachfrage zurückgeht.

    Trotzdem geht auch Fever Tree neue Wege: Erst kürzlich hat das Unternehmen eine eigene Cola auf den Markt gebracht sowie zwei verschiedene Ginger Ale, „als Mixer für dunkle Spirituosen wie Whiskey, Tequila oder Rum“, sagt er. Derartige Longdrinks sind besonders in den USA beliebt. Und das auch im Hause Warrillow: Sein derzeitiger Lieblingsdrink sei Whiskey mit Ginger Ale. Bei dem Interview gibt es aber nur Alkoholfreies: „Tagsüber trinke ich nicht.“

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