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Timo Grünert Ein Controller wird Oetkers neuer Chefhotelier

Der Manager rückt an die Spitze der konzerneigenen noblen Hotelkette rund um das Brenners Parkhotel. Mit Krisen kennt sich Timo Grünert aus.
19.05.2020 - 15:36 Uhr Kommentieren
Der Manager hat bereits Pläne für die Nach-Corona-Zeit. Quelle: Oetker Collection
Timo Grünert

Der Manager hat bereits Pläne für die Nach-Corona-Zeit.

(Foto: Oetker Collection )

Düsseldorf Erst neulich hat Timo Grünert seine alte Doktorarbeit noch einmal aus dem Bücherregal hervorgekramt. „Mergers & Acquisitions in Unternehmungskrisen“, hatte er vor 15 Jahren auf den Buchrücken drucken lassen. „In Boomzeiten versuchen viele Unternehmer, ihre Königreiche durch Zusammenschlüsse zu vergrößern, was dann wegen fehlender Sorgfalt häufig fürchterlich schiefgeht“, fasst der heute 43-Jährige seine damaligen Erkenntnisse zusammen. „In Krisenzeiten aber rechnen sie üblicherweise mit spitzem Bleistift.“ Das hebe die Chancen auf Erfolg.

Seit 1. Mai hat der passionierte Tennisspieler die Gelegenheit, seine Theorie in der Praxis zu erproben. Der Bielefelder Oetker-Konzern hat den gebürtigen Aachener zum Monatsbeginn an die Spitze der firmeneigenen Hotelsparte gestellt, die inzwischen aus neun vornehmsten Luxusherbergen besteht.

Die erste von ihnen, das „Brenners Parkhotel“ in Baden-Baden, hatte Firmenpatriarch Rudolf-August Oetker bereits 1941 erworben. Später kamen die drei Nobelhotels „Hôtel du Cap-Eden-Roc“ im südfranzösischen Hafenstädtchen Antibes, das „Château Saint Martin“ in der Provence und das „Le Bristol“ gegenüber dem Pariser Élysée-Palast hinzu. Fünf weitere Häuser band die Pudding-Dynastie ab 2009 über Managementverträge ans Unternehmen, wozu man eigens die Dachmarke „Oetker Collection“ gründete.

Ob nun – ganz nach der Devise von Grünerts Doktorarbeit – mitten in der Coronakrise weitere Häuser hinzukommen, ist allerdings nicht ausgemacht. „Wir schauen uns Hotels an, die zu uns passen“, berichtet der neue geschäftsführende Direktor. An Zukäufe sei aber kaum zu denken, schränkt er ein, an anderes schon: „Mit der Familie Oetker ist abgesprochen, dass wir allein über Managementverträge wachsen wollen.“

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    Mit diesem Geschäftsmodell kennt sich Grünert aus. Es sieht vor, dass vertraglich gebundene Managementfirmen wie „Oetker Collection“ von den Hoteleigentümern Erfolgsprämien erhalten, falls Marketing und Vertrieb für genügend Umsatz und Gewinn sorgen.

    Als sich der Bielefelder Clan vor zwölf Jahren dazu entschied, aus dem gastronomischen Nachlass des 2007 verstorbenen Rudolf-August Oetker eine straffe Hotelorganisation zu schmieden, die neben den vier eigenen Häusern auch fremde ins Management nimmt, stellte man Grünert kurz darauf dem leitenden Oetker-Hotelier Frank Marrenbach zur Seite.

    Wirkungsmächtiger Vorgänger

    Grünert, Controllingexperte und bis dahin Assistent des persönlich haftenden Oetker-Gesellschafters Ernst F. Schröder in Bielefeld, übernahm daraufhin in Baden-Baden die Rolle des Finanzchefs. Mit dem Anfang 2020 verkündeten Abgang Marrenbachs, der zum Wettbewerber Althoff Hotels wechselt, rückt der langjährige Vize in Baden-Baden nun an die Spitze vor.

    Die Wirkungsmacht des Vorgängers, der an seinem neuen Einsatzort zusätzlich zur Geschäftsführung in die Gesellschafterrolle zu schlüpft, ist allerdings nicht zu unterschätzen. Der verbindlich wie diskret auftretende Hotelier, der im Brenners Parkhotel Staatsgäste wie Bill Clinton, Barack Obama und mehrere Präsidenten Frankreichs empfing, erhielt bereits 2003 vom Gault-Millau den Titel „Hotelier des Jahres“.

    Um den neuen Chef nicht im Schatten des alten verblassen zu lassen, erinnerten die Oetkers per Pressemeldung daher vorsichtshalber an die Rolle Grünerts seit 2009: „Das Hotelportfolio und die Unternehmenskultur tragen bereits heute auch seine Handschrift.“

    Tatsächlich ist es ebenso auf Grünert zurückzuführen, dass die zunächst schleppenden Verhandlungen mit den anvisierten Hoteleigentümern nach langer Durststrecke ins Rollen kamen. 2014 erreichten er und Marrenbach, dass der französische Telekom-Milliardär Xavier Niel („Minitel“) sein alpines Luxus-Chalet L’Apogée Courchevel ihrer Hotelfirma anvertraute. Ein Jahr später ging Londons teuerstes Hotel, das dem Staatsfonds von Abu Dhabi unterstellte „The Lanesborough“, ebenfalls ins Management von Oetker.

    2017 gab es gleich dreimal Zuwachs. Der Immobilien-Private-Equity-Fonds GTIS aus New York überließ dem Oetker-Ableger den Palácio Tangará im Herzen von São Paulo, und die Jumby Bay Island Company vertraute den Ostwestfalen 50 Luxus-Residenzen samt Boutiquehotel vor der Karibikinsel Antigua an. Auf dem Antilleneiland St. Barth war es schließlich der Finanzinvestor James Matthews, durch die Heirat mit Pippa Middleton Schwager von Prinz William, der das Luxushotel „Eden Rock“ in Grünerts Obhut gab.

    Dass nun vom ausgewiesenen Hotelier Marrenbach ein gelernter Controller bei der Oetker Collection übernimmt, erscheint vielen in der Branche als perfektes, wenn auch nicht geplantes Timing. „Die Luxushotellerie erlebte in den vergangenen Jahren einen wahrhaften Boom“, sagt Moritz Dietl, Chef der Münchener Beratungsfirma Treugast. „Seit Ausbruch der Coronakrise aber steht fest, dass sie es nicht mehr so leicht haben wird.“

    Ein Firmenchef, der mehr noch als andere auf die Ertragszahlen achtet, komme da wie gerufen. „Wir erwarten“, erklärt Dietl, „dass die Hotelgruppe unter Grünert nun straffer geführt wird“. Wie tief die Krise ist, erlebt Oetkers neuer Chefhotelier massiv im eigenen Unternehmen. „Alle Häuser sind geschlossen“, berichtet er, „90 Prozent unserer Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.“

    Prall gefüllte Konzernkasse

    Zwar befinden sich lediglich die Hälfte der 2 500 internationalen Mitarbeiter auf der Gehaltsliste von Oetker – die Angestellten der gemanagten Häuser werden unmittelbar von den Hoteleigentümern bezahlt. Ein Abgleiten in die roten Zahlen glaubt Grünert dennoch für 2020 kaum verhindern zu können. „Eine Erfolgstantieme von den Hoteleigentümern wird es nicht geben“, erwartet der neue CEO, „weil die vereinbarten Ertragsziele nicht erreicht werden“. Und selbst die umsatzabhängige Basisvergütung wird diesmal denkbar gering ausfallen.

    Doch anders als die meisten Wettbewerber behält der Vater einer anderthalbjährigen Tochter die Fassung. Der Oetker-Konzern, der hinter dem Hotelinvestment steht, verdient in der Krise anderswo prächtig. Weil Restaurants wochenlang geschlossen blieben, rissen sich die Deutschen zuletzt um dessen Fertigpizzen und Backmischungen. Zudem sitzt der Bielefelder Clan auf einer prall gefüllten Konzernkasse. Der Verkauf der Containerreederei Hamburg Süd an die dänische Maersk brachte 3,7 Milliarden Euro, von denen Oetker bislang kaum einen Euro in neue Zukäufe steckte.

    Der Marrenbach-Nachfolger hat jedenfalls bereits Pläne für die Zeit nach Corona. „Da Auslandsreisen selbst für betuchte Gäste zunächst weniger ein Thema sein werden“, glaubt er, „ist das Brenners wie geschaffen für die Nach-Corona-Phase“. Für das Luxushotel spreche nicht nur die malerische Umgebung, sondern auch das direkt angeschlossene Medizinzentrum.

    Wer es dann doch ins Ausland schafft, dem empfiehlt Grünert eine der 50 Villen auf der karibischen Privatinsel Jumby Bay. „Hier ist Social Distancing kein Problem“, sagt er.

    Mehr: An Nord- und Ostsee werden die Angebote knapp

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