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Traditionsmolkerei So sichert Toni Meggle sein Lebenswerk

Der Patriarch aus Bayern bringt sein Familienunternehmen in eine Stiftung ein – bereits zum zweiten Mal. Eine familieninterne Nachfolge scheiterte.
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Toni Meggle, Unternehmer in dritter Generation und bisheriger Alleininhaber, gibt alle Anteile bewusst an die Stiftung ab und nicht an seine vier Kinder. Quelle: Meggle
Toni Meggle

Toni Meggle, Unternehmer in dritter Generation und bisheriger Alleininhaber, gibt alle Anteile bewusst an die Stiftung ab und nicht an seine vier Kinder.

Düsseldorf Toni Meggle hat Verkaufsgerüchten um seine Traditionsmolkerei endgültig ein Ende gesetzt – und die Familienfirma in eine Stiftung überführt. „Ein Unternehmen hat ein Recht auf ein eigenes Leben. Meggle blickt auf über 130 Jahre erfolgreiche Unternehmensentwicklung zurück“, ließ der 88-Jährige am Mittwoch verlauten. „Damit dies auch in Zukunft so bleibt, habe ich mich entschlossen, mein Lebenswerk in eine Stiftung einzubringen.“

Damit sei der Fortbestand und die Unabhängigkeit des bayerischen Unternehmens, das vor allem für seine Kräuterbutter weltbekannt ist, gesichert. „In der Satzung der Stiftung habe ich ausdrücklich und unumkehrbar angeordnet, dass das Unternehmen nicht verkauft werden darf“, betonte Toni Meggle, der die Molkerei groß gemacht hatte. Damit stelle er sicher, dass die Gruppe langfristig als mittelständisches Unternehmen mit den Arbeitsplätzen erhalten bleibe.

Die Molkerei-Gruppe hat 2500 Mitarbeiter, davon knapp 1000 am Stammsitz in Wasserburg. Der Umsatz lag 2018 bei 915 Millionen Euro. Meggle ist bei gefüllten Baguettes und Butterzubereitungen mit Abstand Marktführer in Deutschland. Unter den derzeitigen Marktbedingungen liefen die Geschäfte in diesem Jahr sehr positiv, hieß es auf Anfrage.

Toni Meggle, Unternehmer in dritter Generation und bisheriger Alleininhaber, gibt alle Anteile bewusst an die Stiftung ab und nicht an seine vier Kinder. Dabei hatte der älteste Sohn Thomas lange als aussichtsreicher Nachfolger gegolten. Er trat 1997 in die Familienfirma ein, war fünf Jahre Markenvorstand, verließ Meggle 2002 jedoch wieder. Meggle junior war sich stets bewusst über den „Riesenschatten, den diese schillernde, charismatische Persönlichkeit meines Vaters wirft“, hatte er zuvor einmal dem Handelsblatt erzählt.

Thomas Meggle machte danach eine steile Karriere bei Cartier. Nach fast zehn Jahren beim Luxuskonzern Louis Vuitton – als Landeschef von Deutschland und später Großbritannien – gründete er 2018 in London seine eigene Firma. Momentom 8 ist eine Strategieberatung für Luxusmarken.

Der „hochtalentierte Sohn“ von Toni Meggle habe in der Firmenzentrale keine Entfaltungsmöglichkeiten gesehen, meinte Anwalt Mark K. Binz, der auf die Beratung von Familienunternehmen spezialisiert ist, 2017 gegenüber der „SZ“. „Manche Gründer-Unternehmer können schlicht nicht loslassen und treiben dadurch ihren hoffnungsvollen Spross, der das Prinz-Charles-Syndrom, also die ewige Warteschleife fürchtet, aus dem Haus“, so Binz.

Die Stiftungslösung kommt überraschend, denn bereits 2011 hatte Meggle eine nach ihm benannte Familienstiftung gegründet. Die war 2017 jedoch wieder aufgelöst worden. Es habe sich im Nachhinein herausgestellt, dass damals entscheidende konzeptionelle Fehler gemacht wurden, die nicht im Sinn des Stifters und des Unternehmens waren, heißt es aus dem Unternehmen auf Anfrage.

An der operativen Führung des Unternehmens soll sich durch die Stiftung nichts ändern. Zum Jahresende 2017 war Reinhold Schlensok nach nur einem Jahr an der Spitze wieder abgetreten. Seit März 2018 ist Matthias Oettel Vorsitzender der dreiköpfigen Geschäftsführung.

Toni Meggle, dessen große Leidenschaft der Reitsport ist, bleibt weiter der mächtige Mann im Hintergrund: „Ich werde dem Unternehmen als Vorsitzender des Stiftungsvorstands mit meinem Rat und meinen Entscheidungen zur Seite stehen.“ Seine Frau Marina werde ihn als Stellvertreterin dabei tatkräftig unterstützen.

Mehr: Wenn Unternehmen sich selbst gehören, haben sie mehr Freiheiten, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen – aber Nachteile bei der Finanzierung. Ein Kommentar.

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