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Trend zur Kooperation Tausche altes Geld gegen neues Denken – Familienunternehmer investieren in Start-ups

Erst galt es unter Familienunternehmen nur als schick, in Start-ups zu investieren. Nun brauchen sie das Know-how auch für die eigene Digitalisierung.
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Immer mehr Familienunternehmer entdecken das Potenzial von Deutschlands Gründerinnen und Gründern. Quelle: Founders Foundation
Start-Up-Zentrum Founders Foundation

Immer mehr Familienunternehmer entdecken das Potenzial von Deutschlands Gründerinnen und Gründern.

(Foto: Founders Foundation)

Bielefeld, DüsseldorfIn Bielefeld ist der Kontrast zwischen hipper Start-up-Atmosphäre und ostwestfälischem Unternehmertum nicht zu übersehen. Die Repräsentanten des Familienunternehmens Miele sind in das Start-up-Zentrum Founders Foundation gekommen, um die Gründer von Greencycle zu treffen. Anzug und Krawatte auf der einen Seite des Tisches, T-Shirt und Sneakers auf der anderen.

Sie repräsentieren zwei Welten: Die einen pflegen beständig ihre erfolgreichen Geschäftsmodelle meist über Generationen hinweg und haben damit bereits die Welt verändert. Die anderen pflegen flache Hierarchien, schätzen nichts so sehr wie Agilität und wollen mit ihren Ideen die Welt verändern. Doch was auf den ersten Blick weit entfernt wirkt, liegt doch viel näher beieinander.

Denn immer mehr Familienunternehmer entdecken das Potenzial von Deutschlands Gründerinnen und Gründern. Dabei geht es oft nicht nur um die simple Investition, sondern auch um die eigene Agilität und Innovationskraft. Beide Seiten können einander helfen, müssen es auch.

Die Zusammenarbeit könnte nicht nur ein dringliches Problem des deutschen Start-up-Ökosystems lösen: echte Wachstumsfinanzierungen. Es bewahrt auch viele Familienunternehmen davor, zum Treibgut der nächsten Welle der Digitalisierung zu werden. Die einen brauchen viel altes Geld, die anderen viel neues Denken.

Das Engagement von Deutschlands Unternehmerfamilien könnte ein gewaltiges Problem lösen: Anders als etwa in den USA dürfen in Deutschland Pensionsfonds oder Versicherungen keine oder nur geringe Summen in risikoreiche Anlageklassen wie Wagniskapital stecken.

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Weil das entsprechende Kapital dann nicht vorhanden ist, fehle es in den höheren Finanzierungsrunden oft an Geld, erklärt Rouven Dresselhaus, Gründer des Wagniskapitalgebers Cavalry Ventures und Abkomme des Herforder Familienunternehmens Dresselhaus: „In Deutschland fließen 0,03 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Wagniskapital, in den USA sind es rund 0,35 und in China rund 0,24 Prozent. Die Scheu, Eigenkapital zu investieren, müssen wir schnellstens ablegen“, meint er. Nur so würden Familienunternehmer ihrerseits in der Lage sein, voll von den Werten, die Technologieunternehmen schaffen, zu profitieren.

Kooperation wird zum Trend

Der Austausch in Bielefeld setzt auf beidseitigen Nutzen: Greencycle ist einer der Gewinner des von der Founders Foundation veranstalteten Founders Hack: Unternehmen wie der Maschinenbauer Hymmen, der Arzneimittelhersteller Dr. Wolff oder eben Miele stellten Herausforderungen, die von zwölf Teams innerhalb von 48 Stunden gelöst werden mussten.

Ziel der Veranstaltung war die Gründung eines Start-ups und die sich anschließende Kooperation zwischen Start-up und Unternehmen. Bei Miele war es dann eben Greencycle: Die Gründer Michael Morasch, Damir Hrnjadovic und Niklas Lange widmeten sich der Frage, wie der Gebrauchtwarenmarkt für Premiumelektrogeräte besser zu erschließen wäre, wie Mitgründer Lange erklärt: „Miele vermietet zwar schon Geräte für zwei Jahre, aber was passiert dann danach?“ Greencycle will eine Plattform bauen, auf der Haushaltsgroßgeräte wie etwa Waschmaschinen nach Ablauf von zwei Jahren bei Bedarf weitervermietet oder verkauft werden können.

Die angestrebte Zusammenarbeit zwischen Miele und Greencycle steht für einen immer breiter werdenden Trend, weiß Sebastian Borek, Chef der Founders Foundation: „Wir beobachten seit geraumer Zeit ein wachsendes Interesse der Familienunternehmer an den Ideen der von uns ausgebildeten Start-ups – da spielt zum einen der Wille nach Innovation eine Rolle, zum anderen das Verantwortungsbewusstsein für die Region.“

Das bestätigt auch eine Studie der Deutschen Bank und des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Sie belegt, dass nahezu die Hälfte der größten Familienunternehmen in Deutschland bereits mit Start-ups kooperieren. Ihre Motivation: neue Technologien erschließen und die eigene digitale Transformation meistern.

Dies trieb auch das hessische Familienunternehmen Viessmann an, als es 2015 den Wagniskapitalgeber Vito Ventures ins Leben rief. Max Viessmann, heute Co-Vorstandschef des Heizungs- und Klimaspezialisten erklärt die beiden Schwerpunkte des Unternehmens bei Start-up-Investments: Über Vito Ventures investiert Viessmann industrieübergreifend in junge Firmen im „Deep-Tech“-Ökosystem. Zum anderen engagiert sich Viessmann über „Vito.One“ im Energie- und Gebäudebereich. In beiden Fällen böte man den Firmen Zugang zu Expertise und Reichweite an.

Überlebenswichtige Innovationen

Das könne bedeuten, dass man normaler Kunde werde und Hinweise zur Produktentwicklung gebe. Als drittes Engagement hat Viessmann aber noch den Company Builder „WATTx“ gegründet, der eigenständig oder mit anderen Mittelständlern gemeinsam Start-ups von null aufbaut. „Beides –  das Investieren und das Gründen – hilft uns sehr, unsere eigene digitale Transformation voranzubringen“, erklärt Viessmann. „Insbesondere um im Kontrast zu noch kleinen Teams festzustellen, ob wir schnell genug sind beziehungsweise wo wir noch mehr Geschwindigkeit aufnehmen können.“

Bislang hat Vito in elf Unternehmen europaweit investiert. Tommy Oehl, Managing Partner bei Vito Ventures, sagt, es sei klar, dass die Digitalisierung auch vor Deutschlands Hidden Champions nicht haltmachen würde. Und auch den Viessmanns sei bewusst, dass ihnen zwar so schnell niemand bei Heizsystemen das Wasser reichen könne, ergänzt sein Managerkollege Benedikt von Schoeler: „Aber was passiert, wenn Google mit einer Innovation die Technik obsolet macht?“

Dabei spielt nicht nur der Wille zur Innovation eine Rolle, meint Christian Miele vom Frühphasen-Investor Eventures und Spross der Gütersloher Unternehmerfamilie. Er beobachtet auch ein wachsendes Verantwortungsbewusstsein von Familienunternehmern gegenüber der neuen Gründergeneration: „Familienunternehmer identifizieren sich sehr stark mit ihren eigenen unternehmerischen Wurzeln – das bietet eine große Reflexionsfläche mit der neuen Gründergeneration.“

Dabei macht Oehl von Vito Ventures deutlich, dass es sich nicht nur um eine freundliche Hilfe der etablierten Unternehmer handele: „Die Zusammenarbeit mit Start-ups ist für Familienunternehmen keine Philanthropie, sondern vielleicht für manche sogar überlebenswichtig.“ Er ist überzeugt: „Jetzt ist es an der Zeit, das Geld in die Hand zu nehmen und innovative Geschäftsmodelle zu fördern.“ Investor Dresselhaus sieht auch die Chancen für Unternehmen, über die Investments Innovationen einzukaufen, die intern nicht möglich wären, weil sie mit dem Kerngeschäft konkurrierten.

Auch Kathrin Dahnke, Finanzvorstand bei Werhahn bestätigt: „Wir investieren in Digitalfonds, weil wir viel von ihrer Herangehensweise lernen können und Innovationen frühzeitig erkennen möchten.“ Und sie fügt hinzu: „Umgekehrt stellen wir auch unsere Expertise zur Verfügung.“

Investitionen in Start-ups erwünscht

Das Familienunternehmen Haniel aus Duisburg sieht zwar seine Kernkompetenz bei Investitionen in bereits etablierte Unternehmen, denen Haniel bei der weiteren Entwicklung mit Kapital und Kompetenzen zur Seite stehen kann. Aber, so ergänzt Vorstandschef Stephan Gemkow, darüber hinaus sei Haniel bei Fondsgesellschaften wie Project A, e.ventures, HPE Growth Capital, Cherry Ventures und den Bonner Hightech-Gründerfonds indirekt an Start-ups beteiligt.

Haniel erhalte nicht nur das regelmäßige Feedback über die Entwicklung der Start-ups in den jeweiligen Fonds, sondern auch Einblick in deren Geschäftsmodelle und Managementansätze: „Alle unsere Geschäftsbereiche haben nicht nur die Möglichkeit, direkt in Start-ups zu investieren, sie wurden und werden auch ausdrücklich vom Holdingvorstand dazu ermutigt.“ Insgesamt investierten Firmen aus dem Haniel-Portfolio bislang in neun Start-ups.

Auch Oehl von Vito Ventures meint: „Die deutschen Familienunternehmen erwirtschaften jährlich über eine Billion Umsatz – wenn davon nur ein kleiner Teil investiert werden würde, könnte man die Finanzierungslücke schließen.“ So könnte der deutsche Mittelstand auf ganz neue Art und Weise zum Wettbewerbsvorteil werden, ist er überzeugt – unabhängig davon, dass auch er eine Lockerung der Regeln für institutionelle Investoren fordert.

Dresselhaus von Cavalry Ventures meint aber, dass sich Familienunternehmer mehr trauen müssten, denn noch kämen große Investitionen in Start-ups vor allem aus dem Ausland. „Wenn Deutschland in Zukunft weiter vorne mitspielen will, muss das hiesige Kapital ran.“

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