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Türkischer Reisekonzern Der neue Neckermann-Eigentümer hat selbst große Probleme

Der türkische Reisekonzern Anex erwirbt die Marke Neckermann von Thomas Cook. Dabei ist der Familienbetrieb in Deutschland massiv überschuldet.
03.01.2020 - 16:00 Uhr Kommentieren
Die Zukunft der Marke ist durch den Deal alles andere als gesichert. Quelle: AFP
Neckermann-Reisebüro in Düsseldorf

Die Zukunft der Marke ist durch den Deal alles andere als gesichert.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Der Jubel über den Verkauf des letzten Ladenhüters aus dem Thomas-Cook-Nachlass war unüberhörbar. „Mit dem erfahrenen Reiseveranstalter Anex“, erklärte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann, „wird die Marke Neckermann sicher eine weiterhin starke Marktpräsenz erfahren.“

Doch an der Aufrichtigkeit bestehen Zweifel. Während Hermanns Freude über den Zuwachs der Insolvenzmasse echt sein dürfte, über dessen Höhe beide Seiten Stillschweigen vereinbarten, ist die Zukunft von Neckermann durch den Deal alles andere als gesichert.

Für Bedenken sorgt, dass der von Neşet Koçkar geführte Familienbetrieb in Deutschland massiv überschuldet ist. Seit dem Markteintritt 2017 häufte die in Düsseldorf angesiedelte Anex Tour GmbH ein negatives Eigenkapital von über 43 Millionen Euro an. Allein im Geschäftsjahr 2017/18 fuhr sie bei einem Jahresumsatz von 98 Millionen Euro einen Fehlbetrag von 34 Millionen ein.

Man habe Urlaubskapazitäten falsch eingekauft, berichtete das Management in dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Jahresbericht. Angesichts der aggressiven Preispolitik seien die Verluste höher ausgefallen als geplant.

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    Hinzu kam, dass sich die 1996 im türkischen Antalya gegründete Anex-Gruppe im deutschen Airlinegeschäft verspekulierte. So geriet die 2016 erfolgte Gründung der Fluglinie Azur Air Germany zum Desaster. Zunächst wurden die Maschinen nicht rechtzeitig bereitgestellt, sodass teures Fluggerät hinzugemietet werden musste. Später machten Horrormeldungen über Ausfälle und Verspätungen die Runde. Im Oktober 2018 stellte Azur Air Germany den Betrieb ein.

    Schwierige Finanzlage

    Was Anex nun mit der Marke „Neckermann Reisen“ anfangen will, liegt im Dunkeln. Für welche Quellmärkte sie die Türken nutzen wollen, ob es Spezialisierungen bei den Zielgebieten geben wird und wann die ersten Neckermann-Urlauber wieder auf die Reise geschickt werden sollen – dies alles blieb bei einer Anfrage im Unternehmen unbeantwortet.

    Dabei gibt es im Unternehmen schon jetzt genug zu tun. Auch die Urlaubsanbieter Öger Tours und Bucher Reisen hatte Anex im November aus der Cook-Insolvenzmasse übernommen – zusammen mit 84 Mitarbeitern.

    Entsprechend anspruchsvoll dürfte Koçkars Aufgabe ausfallen, für die einstigen Pleitefirmen genügend Reisebüros zu erwärmen – ganz zu schweigen von den Hoteliers in den Urlaubsgebieten, denen die gleichnamigen Vorgängerfirmen oft Millionenbeträge schuldig geblieben sind.

    Erschwert wird dies zusätzlich durch die Finanzlage des Deutschlandablegers Anex Tours. Vor der Insolvenz bewahrt ihn derzeit laut Geschäftsbericht die Patronatserklärung einer Mutterfirma in den Niederlanden – vorerst befristet bis zum 31. Dezember 2020. „Ob wieder Urlauber bei Neckermann buchen“, berichtet ein am Verkauf Beteiligter, „hängt von der zukünftigen Insolvenzabsicherung von Pauschalreisen ab.“

    Mehr: Der deutsche Tourismusmarkt steht vor der Neuordnung. Tausende Reisebüros, die bislang unter Thomas Cook firmierten, brauchen nun neue Partner.

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