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Ulrich Malchow Wie Deutschlands wohl hartnäckigster Gründer für seine Transportschiff-Idee kämpft

Mit seinem Lastkahn will Ulrich Malchow Lkw-Fahrten innerhalb des Hamburger Hafens einsparen. Seit zwei Jahrzehnten wartet er vergeblich auf den Durchbruch.
17.02.2020 - 13:08 Uhr Kommentieren
Malchow hat bereits einen sechsstelligen Betrag aus eigenem Geld in die Pläne versenkt. Quelle: Port Feeder Barge
Lastkahn für den Hamburger Hafen

Malchow hat bereits einen sechsstelligen Betrag aus eigenem Geld in die Pläne versenkt.

(Foto: Port Feeder Barge)

Hamburg Sonntag wird für Ulrich Malchow wieder ein Tag der Hoffnung sein. Vielleicht waren die zwei Jahrzehnte Kampf für sein Traumschiff doch nicht umsonst. Vielleicht kommen ja bei der Hamburg-Wahl neue Politiker in die Bürgerschaft, die endlich verstehen, wie gut seine Transport-Schute mit eigenem Kran dem Hafen tun würde.

Mit dem Lastkahn will er Lkw-Fahrten innerhalb des Hafens einsparen, vor allem über die marode Köhlbrandbrücke. „Ich bin hartnäckig. Ich sehe nicht ein, dass das einfach so untergehen soll“, sagt Malchow mit norddeutschem Zungenschlag.

Der 56-jährige Hamburger gibt keine Ruhe: Seit Jahren nervt er den Hafenbetreiber HHLA, schreibt Leserbriefe, besucht Hafenfirmen, spricht mit Lokalpolitikern, fungiert inzwischen in den lokalen Medien regelmäßig als „Hafenkritiker“. Darüber hat Malchow bereits einen sechsstelligen Betrag aus eigenem Geld in die Pläne versenkt. Malchow ist einer der hartnäckigsten Gründer Deutschlands – trotz ausbleibenden Erfolgs.

Malchows Hauptproblem: Er hat zu viel Hoffnung. Er habe Anfragen aus allen Ecken der Welt. Nur: „Die fragen natürlich, ob sie sich das Ding mal bei mir in Hamburg anschauen können. Aber dann springen die ab, wenn die merken, dass die Idee vor Ort nicht fliegt.“

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    Deshalb wächst seine Wut auf den Hamburger Hafenbetreiber HHLA. Schließlich sei der ursprünglich doch von seiner „Port Feeder Barge“ begeistert gewesen. Bislang ist der Transport auf dem Wasser, wie Malchow ihn vorschlägt, teuer, weil die auf die Containerriesen ausgelegten Megakräne auch die kleinen Schuten belagern müssten.

    Deshalb hat Malchows Schiff, das als Modell in seinem kleinen Büro am Fischmarkt steht, ja einen eigenen Kran. „Ich war mal der Logistik-König in spe“, lamentiert er.

    Malchow hätte gewarnt sein können: Als Ex-Vertriebler der Werft Blohm + Voss kam er als Geschäftsführer zum Schuten-Betreiber Carl Robert Eckelmann. Die Firma entwickelte das Konzept der Port Feeder Barge, doch der Inhaber wollte es nicht weiterverfolgen. „Eigentlich war es nie mein Ziel, selbstständig ins Risiko zu gehen. Aber es musste dann sein, alle fanden das toll“, erinnert Malchow sich.

    Spediteursverband überzeugt

    Doch nach zwei Insolvenzen von beauftragten Werften ist ab 2006 alles anders. Der neu zusammengesetzte HHLA-Vorstand lehnt das Projekt ab. Malchows Partner springen vorerst ab, er macht als Einzelkämpfer weiter. Malchow nimmt sogar eine Professur in Bremen an, um die Jahre auszusitzen, bis einer der HHLA-Vorstände in Rente geht.

    Doch das ändert wenig. In jahrelangen Verhandlungen kommt es zwar fast zum Vertragsabschluss, doch letztlich scheitert es an einer Zusatzgebühr, die Malchow nicht zahlen will – seine Idee rechnet sich dann wohl nicht mehr.

    Dabei hat er sogar den Hamburger Spediteursverband überzeugt. „Gerade der wenig wertschöpfende Transport von Leercontainern könnte straßenentlastend auf dem Wasser durchgeführt werden“, bestätigt dessen Geschäftsführer Frank Wylezol – doch er schränkt ein: „Ob noch eine Realisierungschance besteht, vermögen wir nicht zu sagen; da ist auch abzuwarten, was vom neuen Hamburger Senat politisch gewollt sein wird.“

    „Es hat mir noch keiner gesagt, dass die Idee Schwachsinn ist. Solange mir das keiner beweist, mache ich weiter.“ Quelle: HS-Bremen
    Ulrich Malchow

    „Es hat mir noch keiner gesagt, dass die Idee Schwachsinn ist. Solange mir das keiner beweist, mache ich weiter.“

    (Foto: HS-Bremen)

    Malchows derzeitige Hoffnung: Lautstärke – vielleicht greift ja die Rathauspolitik seine Idee doch noch auf. Auf der vergangenen HHLA-Hauptversammlung ergriff er das Wort. Schließlich will die HHLA Geld geben für einen Hyperloop-Versuchsbahnhof und für Transportdrohnen. „Da braucht man nur die Schulphysik der 7. Klasse, um zu sehen, dass das Schwachsinn ist“, ereifert er sich.

    Ebenso genervt ist inzwischen die Gegenseite. Die Lösung rechne sich schlichtweg für die HHLA nicht, sagt ein Sprecher. Das versuche der Hafenbetreiber Malchow seit Jahren zu vermitteln. „Leider ohne Erfolg. Er kann auch die Frage nicht beantworten, warum seine angeblich so tolle Erfindung nicht in anderen Häfen genutzt wird.“

    Darauf hat Malchow Antworten: Zuletzt hat er als Berater vor Ort die Behörden in Bangladesch auf seine Idee hingewiesen. „Doch die Mühlen mahlen dort noch langsamer als in Hamburg.“ Auch in Lagos hatte er Pech: Eine Brücke versperrte den Wasserweg. Aktuell will er sich an einer Ausschreibung in New York beteiligen – mit wenig Hoffnung: Die Amerikaner bevorzugen örtliche Firmen.

    Irgendein Detail, so scheint es, kommt immer dazwischen. Doch Malchow will nicht aufgeben: „Es hat mir noch keiner gesagt, dass die Idee Schwachsinn ist. Solange mir das keiner beweist, mache ich weiter.“

    Mehr: Hamburgs Erster Bürgermeister lobt Finanzminister Olaf Scholz und vertritt das Verbot neuer Schulden. Auch einen SPD-Kanzlerkandidaten kann er sich vorstellen.

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