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Uniplan Vom Messe- zum Markenbauer

Zwei Drittel des Geschäfts macht eine der größten Agenturen Deutschlands in China. Dieses Standbein hilft dem Familienunternehmen in der Coronakrise.
15.04.2020 - 03:57 Uhr Kommentieren
Kreativität aus Deutschland kommt in China gut an. Quelle: Uniplan
Uniplan-Chef Christian Zimmermann

Kreativität aus Deutschland kommt in China gut an.

(Foto: Uniplan)

Düsseldorf Seit April befinden wir uns im umsatzfreien Raum“, beschreibt Christian Zimmermann, Chef von Uniplan, nüchtern die Geschäftslage. Der Kölner hat den Messebauer zu einer der führenden Agenturen für Markenerlebnisse Deutschlands ausgebaut. Doch in Asien sind Messen seit Januar wegen der Corona-Pandemie verboten.

Im Februar wurde die Messe Light+Building in Frankfurt auf den Herbst verschoben, kurz darauf die Eisenwarenmesse in Köln und der Genfer Autosalon. „Wir hatten alle Stände schon aufgebaut. Unsere Kunden haben sich fair verhalten und ohne Wenn und Aber gezahlt“, sagt der 58-Jährige.

Inzwischen sind in fast allen Ländern Großveranstaltungen verboten. Weltweit wurden 2 173 Messen und Ausstellungen abgesagt oder verschoben. Allein im Deutschland sind es 373, hat das Fachmagazin „M+A“ ermittelt. Seit April sind die Uniplan-Mitarbeiter in der Produktion in Kurzarbeit.

„Die Kurzarbeit ist aktuell unser Rettungsanker“, betont der Kölner Unternehmer in zweiter Generation. „Denn wenn es wieder losgeht, ist es schwer, gute Leute zu bekommen. Unsere Auftragsbücher waren vor Corona voll.“

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Standort erkennen

    Ausgerechnet im 60. Jubiläumsjahr durchlebt Uniplan das schlimmste Jahr seiner Firmengeschichte. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2018/2019 betrug der globale Umsatz 150 Millionen Euro. „Das erste Halbjahr des neuen Geschäftsjahrs lief sehr gut. Wir hoffen, dass wir insgesamt mit einem blauen Auge davonkommen“, sagt der Arbeitgeber von weltweit 600 Mitarbeitern.

    Christian Zimmermann trägt quasi das Messe-Gen in sich. Seine Eltern lernten sich bei einer Messebaufirma kennen, sein Vater Hans Brühe war dort unzufrieden und machte sich 1960 selbstständig. Einer der ersten Kunden war der WDR. Brühe baute Kulissen für Fernsehshows und Kameratürme für Fußballübertragungen. 1970 erfand der Uniplan-Gründer Mietstände für Messen – damals eine Weltneuheit. Brühe war früh sehr international tätig, hatte viele Kunden hinter dem Eisernen Vorhang.

    Früher Schritt nach Osten

    Schon Mitte der 80er-Jahre war Uniplan in China mit eigenen Niederlassungen aktiv: zunächst in Hongkong und Taipeh, seit 1994 in Peking und heute auch in Schanghai und Guangzhou. Inzwischen kommen zwei Drittel der Umsätze von Uniplan aus China.

    „Mein Vater war ein sehr umtriebiger Unternehmer mit Weitblick“, sagt Zimmermann. „Die Expansion nach China war eine kluge Entscheidung. Denn immer mehr deutsche Aussteller wollen sich dort auf Messen präsentieren“, meint auch Unternehmensberater Roland Berger.

    Zimmermann hatte nach dem BWL-Studium seine berufliche Karriere als Berater bei Roland Berger begonnen. „Roland Berger war dann über 25 Jahre unser Aufsichtsratsvorsitzender“, sagt der Uniplan-Chef. „Er berät mich bis heute – mehr und mehr wie ein väterlicher Freund.“

    Mit 28 Jahren stieg Zimmermann 1990 in den väterlichen Betrieb ein. Der Sohn entwickelte den Messebauer zur Kreativagentur für Live-Events weiter. 1997 gewann Uniplan den Pitch für den Toyota-Showroom auf den Pariser Champs-Élysées.

    „Ein ganzheitliches Projekt: von strategischer Konzeption, Design, Bau bis zur gesamten Kommunikation – alles aus einer Hand. Das war revolutionär damals“, meint Zimmermann, der seit 20 Jahren an der Spitze steht. „Ein Meilenstein für Uniplan und der Durchbruch für mich als Nachfolger.“

    Berater Berger beschreibt Unternehmer Zimmermann als Analytiker und Strategen, der Kunden überzeugen könne. „Es ist ihm gelungen, zwei unterschiedliche Welten zu vereinen – die des Messebaus und die der Markenagentur“, konstatiert Berger. „Das war ein mutiger Schritt, durch den Uniplan bis heute ein Alleinstellungsmerkmal hat.“

    Der Auftragsflaute durch Corona versucht Zimmermann mit neuen Formaten zu trotzen. In Hongkong hat Uniplan ein „Brand Studio“ entwickelt: ein voll eingerichtetes Mini-Studio, das Kunden für Livestreaming, Panels oder virtuelle Produkteinführungen nutzen können. Markenerlebnisse im Kleinformat, die ins Digitale ausweichen, sollen helfen, die lange Durststrecke durch Corona zu überbrücken. Zumal viele Kunden ihren Marketingetat in der Krise herunterfahren.

    Keine Messen bis zum Frühjahr

    Zimmermann weiß: Die Messebranche wird bei einer Pandemie als erste angehalten und als letzte wieder gestartet. „Wir gehen in unserer Planung davon aus, dass erst ab Frühjahr 2021 Messen und Großevents in Deutschland wieder stattfinden können. Verschiebungen in diesen Sommer oder Herbst sind unrealistisch.“ Das habe die Absage der Hannover Messe gezeigt, die zunächst vom April in den Juli verlegt worden war.

    Die Absagen und Verschiebungen durch das Coronavirus treffen Messebauer hierzulande hart. Für alle Dienstleister wie Caterer, Eventagenturen oder Techniker belaufe sich der Schaden derzeit auf etwa 3,57 Milliarden Euro. Das hat der Branchenverband Famab errechnet. Er erwartet ab Mai und Juni Insolvenzen in erheblichem Umfang.

    KfW-Kredite würden wenig helfen, im Gegenteil: „Einen mittelständischen Unternehmer in dieser unverschuldeten Notsituation zu zwingen, sich – ohne Aussicht auf Verbesserung seiner Situation – über beide Ohren zu verschulden und dabei die gesamte Veranstaltungsbranche zu zombifizieren, ist sicher keine gute Politik“, kritisiert Famab-Vorstandschef Jörn Huber in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin. Hier sollte schnellstens nachgeregelt werden.

    Auch der Uniplan-Chef sieht etliche kleinere Messebetriebe in Existenznot: „Diese haben wenig Kapital und sind auf den europäischen Markt angewiesen.“ Uniplan dagegen steht mit einer Eigenkapitalquote von etwa 50 Prozent deutlich stabiler da als die meisten anderen in der Branche.

    „Wir haben kaum Bankschulden, werden aber ab Herbst KfW-Kredite brauchen, um die umsatzfreie Zeit bis zum Frühjahr 2021 zu überbrücken“, sagt Zimmermann. „Unser starkes Standbein in Asien hilft uns jetzt.“ In China laufe das Messegeschäft schon wieder an. Für Mai hat Uniplan bereits wieder Aufträge dort.

    Trotz der nie da gewesenen Branchenkrise schaut Zimmermann zuversichtlich in die Zukunft. Vor allem in China sieht er weiterhin große Wachstumschancen: „Dort sind Messen so en vogue wie einst in Deutschland, dem Mutterland der Messen.“ In Shenzhen befindet sich zudem bald das weltgrößte Messezentrum.

    Die Chancen, dass Uniplan in der dritten Generation weitergeführt wird, stehen trotz Corona gut. Zimmermanns Tochter Esther spricht unter anderem Chinesisch. Die 26-Jährige hat in Frankfurt, Durham und Barcelona studiert. „Sie interessiert sich für das Familienunternehmen, das ist schon mal ein guter Anfang“, meint der Uniplan-Chef.

    Mehr: Die Coronakrise trifft die Messebauer mit voller Wucht.

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