Jung- und Seniorchef

840.000 Unternehmer wollen bis 2022 in Deutschland in den Ruhestand gehen und suchen einen Nachfolger.

(Foto: Westend61/Getty Images)

Unternehmensnachfolge Wie die Übergabe der Firma zum Erfolg wird

Die Finanzierung einer Übernahme sorgt immer wieder für Probleme bei der Firmennachfolge. Worauf es ankommt und welche Quellen Käufer anzapfen können.
  • Jürgen Hoffmann
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HamburgAls Investor stellt Jürgen Rilling mit seiner Firma Mirablau jungen Unternehmern Kapital für die Übernahme kleiner oder mittlerer Betriebe zur Verfügung. Einer davon ist Kilian Lamprecht. Der 30-Jährige sucht seit zwei Jahren ein passendes Unternehmen.

Dafür hat er einen sogenannten Search Fund gegründet. In den haben Investoren wie Mirablau einige Hunderttausend Euro eingezahlt. „Damit kann sich der potenzielle Firmenkäufer voll auf die Suche nach einem Betrieb fokussieren“, erläutert Rilling die Vorteile dieses Ansatzes. Ein Search Fund ist eine Option, um eine Nachfolge zu finanzieren.

Das Thema ist eminent wichtig für den Mittelstand: 840.000 Firmenchefs wollen in Deutschland bis 2022 aus ihrem Betrieb ausscheiden. Von diesen haben, so eine KfW-Studie, erst 30 Prozent ihre Nachfolge bereits geregelt. Weitere 30 Prozent glauben, einen geeigneten Kandidaten gefunden zu haben, verhandeln aber noch.

Die anderen suchen noch einen Käufer. Für sie wird die Zeit knapp, denn eine Nachfolgeregelung dauert laut Anja Bukowski von der KfW „drei bis zehn Jahre“. Häufigste Ursache einer gescheiterten Übergabe ist die Finanzierung.

Es gibt keinen Königsweg beim Generationswechsel. Kleine und mittelständische Betriebe bleiben häufig innerhalb der Eigentümerfamilie. Fragen im Hinblick auf die Finanzierung treten dann oft bei größeren Unternehmenswerten auf. Ansprechpartner in diesen Fällen ist meist die Hausbank.

Zusätzliche Hilfe bieten Steuerberater, Rechtsanwälte und M&A-Spezialisten. Die sollten Fingerspitzengefühl haben, „denn eine Firmenübergabe im Familienkreis ist nicht selten eine hochemotionale Angelegenheit“, sagt Finanzierungsexperte Carsten Borchert von der Wirtschaftsberatung Borchert und Partner.

Anders als bei Übergaben in der Familie steht bei Verhandlungen mit externen Interessenten für den Verkäufer die Maximierung des Preises im Mittelpunkt. Oft sind die Forderungen allerdings utopisch. „Viele überschätzen den Wert, weil sie in ihr Lebenswerk meist über Jahrzehnte Zeit, Geld und Emotionen gesteckt haben“, so Borchert.

Auch der Steuerberater spielt dabei eine wichtige Rolle, „indem er die Erwartungen seiner Mandanten durch substanzwertlastige Bewertungsverfahren nach oben schraubt“. Diese Methoden seien aber für Übergaben im Mittelstand nicht geeignet, schließlich besteht der Firmenwert „vielmehr aus der erprobten Geschäftsidee, aus Mitarbeitern, Lieferanten- und Kundenkontakten“.

Auch Modelle wie Management-Buy-out oder Management-Buy-in spielen bei Übergaben im Mittelstand eine Rolle. Außerdem kommen als Nachfolgekandidaten Finanzinvestoren, Family Offices und strategische Investoren infrage. Geld ist derzeit nicht das Problem. „Das treibt die Preise für Unternehmen“, konstatiert Till Karrer, der bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Familienbetriebe betreut.

Auf höhere Bewertungen sollten Firmeneigentümer nicht warten, die Zeiten seien glänzend für einen Verkauf. Eine weitere Alternative: „Private Equity ist als Finanzierungsform bei Firmenübergaben nicht mehr tabu“, sagt Borchert. Die Investoren sind vor allem für ertragsstarke Mittelständler mit mehr als 250 Mitarbeitern oder 25 Millionen Euro Umsatz interessant.

Borchert empfiehlt bei Nachfolgefinanzierungen eigenkapitalähnliche Darlehen, Bürgschaften und Haftungsfreistellungen: „Diese Blumen im Finanzierungsstrauß machen Kredite günstiger und minimieren das Risiko des Käufers und der Banken.“ Ein Beispiel: Denise Rathgeber und Andreas David erhielten für den Commerzbank-Kredit, den sie für den Erwerb des Schreibwarenfachgeschäfts Dössel & Rademacher aufnehmen mussten, von der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg eine Ausfallgarantie von 70 Prozent.

Fördermittel können auch den Finanzierungsmix verbessern. So hat sich Jöran Lehfeldt für die Übernahme der vier Filialen des Traditionsunternehmens „Die kleine Konditorei“ mit 100 Mitarbeitern günstig 500. 000 Euro aus dem Programm der lokalen Investitionsbank „Hamburg-Kredit Gründung und Nachfolge“ besorgt.

Eine Alternative ist das Search-Fund-Konzept, bei dem Investoren potenzielle Nachfolger mit Kapital ausstatten. Rilling unterstützt aber nicht jeden Interessenten: „Wichtig ist die Motivation. Wer nicht dafür brennt, Unternehmer sein zu wollen, sollte es bleiben lassen.“ Derzeit begleitet er 15 Nachfolger.

Beteiligung als Alternative

Sie bekommen in der Regel 300.000 bis 500.000 Euro von zehn bis 15 Investoren zur Verfügung gestellt. Diese bevorzugen als Ziel profitable und wachsende Firmen mit Alleinstellungsmerkmal und regelmäßigen Jahresumsätzen zwischen fünf und 25 Millionen Euro.

Altruistisch ist das nicht: Die Investoren bekommen in der Regel 75 Prozent der Anteile der gekauften Company, der junge Chef 25 Prozent. KPMG-Experte Till Karrer hält das Search-Fund-Konzept vor allem bei kleineren Betrieben für sinnvoll: „Durch den Prozess der Kapitalgewinnung ist der eigene Kapitaleinsatz gerade für jüngere Unternehmer überschaubar, sodass der Sprung in die Selbstständigkeit ermöglicht werden kann.“

Eine Konstruktion, über die Verkäufer und Käufer zueinanderkommen können, ist eine Beteiligungsgesellschaft. Diese wird vom Nachfolger gegründet, sie fungiert als Kreditnehmerin und bezahlt den Kaufpreis an den bisherigen Besitzer. Der gibt seiner Firma ein verzinstes Gesellschafterdarlehen. „Der größte Pluspunkt bei diesem Weg ist aus Sicht des Käufers die Risikominimierung und aus Sicht der Banken die klare Darstellung der Liquiditätsflüsse.“

Außerdem komme es nicht zu einer Vermischung mit bestehenden Verbindlichkeiten des Verkäufers, die dieser über den erhaltenen Kaufpreis bereinigen kann. Borchert nennt das Beispiel eines Maschinenbaubetriebs mit 200 Mitarbeitern, der dank einer Übergangs-GmbH innerhalb von eineinhalb Jahren in neue Hände übergeben werden konnte: „Das hat super geklappt, Verkäufer und Käufer sind zufrieden.“

In Nachfolgesituationen treten auch zertifizierte Manager auf Zeit auf. Erdwig Holste, Geschäftsführer der Personalvermittlungsfirma Management Angels: „Interim-Manager sind ausschließlich dem Unternehmen verpflichtet und integrieren sich in den Betrieb.“ Dafür müssten sie Führungs- und Motivationsstärke mitbringen, Flexibilität und eine rasche Auffassungsgabe: „Damit finden sie auch in schwierigen Phasen wie einer Nachfolgeregelung Lösungen.“

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