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Verbraucherschutz Wie das Start-up Rightnow Kunden hilft, Geld vom Fitnessstudio zurückzufordern

Viele Fitnessstudios buchen in den Lockdown-Monaten weiter Beiträge ab. Das ruft Legal-Tech-Unternehmen auf den Plan. Was Betroffene wissen sollten.
02.06.2021 - 07:54 Uhr Kommentieren
Das Warten hat vielerorts ein Ende: Die Inzidenz ist vielerorts ausreichend gering, damit in den Studios wieder Kraft und Ausdauer trainiert werden können. Quelle: via REUTERS
Fitnessstudios öffnen wieder

Das Warten hat vielerorts ein Ende: Die Inzidenz ist vielerorts ausreichend gering, damit in den Studios wieder Kraft und Ausdauer trainiert werden können.

(Foto: via REUTERS)

Düsseldorf Aufatmen in der Fitnessbranche, Freude auf der Kundenseite: In immer mehr Bundesländern dürfen die Fitnessstudios erstmals seit November wieder öffnen. Oftmals ungeklärt ist allerdings, ob und wie den Kunden die gezahlten Beiträge während der Corona-bedingten Schließungszeiten erstattet werden oder ob sie Kompensationen annehmen müssen.

Der Zustand mag für Kunden ärgerlich sein. Für Anwälte bedeutet er neuen Zulauf – und auch für das Legaltech Rightnow. „Das Problem vieler Mitglieder von Fitnessstudios passt perfekt zum Geschäftsmodell von Rightnow“, sagt Benedict Quarch. Der promovierte Jurist hat das Start-up gemeinsam mit Phillip Eischet und Torben Antretter vor etwas mehr als vier Jahren gegründet.

Rightnow kauft Verbrauchern Rechtsansprüche aus dem Alltag ab. Das Start-up hilft beispielsweise dabei, überhöhte Mietnebenkosten zurückzuholen oder die Kfz-Versicherung bei Unfällen zur Zahlung zu bewegen. „Wir wollen die Rechtsentwicklung mitprägen, sagt Quarch.

Das Geschäftsmodell entstand, als Quarch seinen Flug bei Air Berlin nicht antreten konnte. Er pochte auf eine Erstattung von Steuern und Nebenkosten, Air Berlin hingegen wehrte sich. Quarch ging vor Gericht – und gewann.

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    Seitdem hat Rightnow das Angebot stetig erweitert. Eines der jüngsten: die Rückholung der Beiträge, die Kunden von Fitnessstudios entrichten mussten. Auch wenn die Türen pandemiebedingt geschlossen waren, buchten einige Betreiber die Beiträge weiter ab. Das Marktpotenzial ist groß: Hierzulande gibt es etwa 10,3 Millionen Mitglieder in mehr als 9500 Fitnessstudios.

    Wann eine Erstattung möglich ist – und wann nicht

    Wer auf eine Erstattung der gezahlten Beiträge pocht, muss laut Quarch eine wichtige Voraussetzung erfüllen: Man darf keinen Kompensationen zugestimmt haben. Tatsächlich haben viele Betreiber von Fitnessstudios auch Kompensationen angeboten. Dazu zählen etwa Gutscheine oder die Anpassung der Vertragslaufzeit.

    Besonders Letzteres ist weit verbreitet: Die Betreiber buchen gegenwärtig weiter ab und hängen die Lockdown-Monate dann an das ursprüngliche Vertragsende an. „Diese Regelung ist objektiv unter Berücksichtigung der beiderseitigen Interessen angemessen“, heißt es beim Bundesverband der Fitnessstudios DSSV. „Lediglich der Zeitpunkt der Erfüllung des Vertrags wird verändert, nicht aber dessen ,aktive‘ Dauer.“

    Diese Praxis ist umstritten – aber nicht unzulässig. Eine höchstrichterliche Entscheidung zu diesem Vorgehen steht noch aus. Wichtig ist allerdings: Eigentlich braucht es die eindeutige Zustimmung des Mitglieds, betont Iowa Husemann von der Verbraucherzentrale NRW. Die Veränderung des Vertrags müsse einvernehmlich erfolgen, der Betreiber kann den Vertrag also nicht einseitig verlängern.

    Das Start-up kauft Verbrauchern ihre Forderungen ab. Quelle: Pressefoto
    Rightnow-Gründer Antretter, Eischet und Quarch

    Das Start-up kauft Verbrauchern ihre Forderungen ab.

    (Foto: Pressefoto)

    Das ist ein wichtiges Detail, auch für Rightnow. Das Start-up zielt auf diejenigen Kunden, die ihre Zustimmung ausdrücklich nicht gegeben haben und bei FitX, McFit, Fitness First, John Reed und High Five trainieren.

    Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann auf der Website von Rightnow seine Kundendaten eingeben. Rightnow zahlt die entsprechenden Beiträge sofort aus und holt sich das Geld dann in einem Sammelverfahren von den Betreibern zurück.

    Inkasso-Geschäftsmodelle bestehen üblicherweise darin, dass die Kunden im Erfolgsfall ihr Geld erhalten – abzüglich einer Provision – und bei Misserfolg nichts zahlen müssen. Der Unterschied bei Rightnow ist, dass das Start-up die Forderung abkauft und sie sodann auch in die eigene Bilanz integriert. Je nach Risiko muss Rightnow entscheiden, ob der Gang vor Gericht sinnvoll ist oder eher eine außergerichtliche Einigung angestrebt wird.

    Danach bemisst sich auch die Zahlung, was die Kunden also von ihren bereits gezahlten Beiträgen zurückbekommen. Diese werde individuell berechnet, heißt es. Rund die Hälfte der Beiträge erhielten die Kunden zurück, sagt Quarch. Eine Rückzahlung gibt es also unabhängig vom konkreten Ausgang, außerdem meiden Kunden das Prozessrisiko. Quarch zufolge haben bislang 10.000 Mitglieder von Fitnessstudios ihre Forderungen an Rightnow verkauft.

    Der Geschäftsleiter von McFit und John Reed, Hagen Wingertszahn, will sich zu laufenden Verfahren nicht äußern. Dem Handelsblatt sagt er aber: „Der Großteil unserer Mitglieder hält uns auch in dieser schwierigen Zeit weiterhin die Treue.“ Heißt: Sie zahlen weiter ihre Mitgliedsbeiträge. „Sie stellen somit sicher, dass es ihr Fitnessstudio auch nach der Pandemie noch gibt.“

    Kunden können auch auf eigene Faust Geld zurückholen

    Wer nicht auf die Hilfe von Rightnow setzen möchte, kann sich die Beiträge auch selbst zurückholen. Allerdings ist der Aufwand deutlich größer. Grundsätzlich sollten Betroffene einzelne Regeln vorab beachten.

    Klar geregelt ist, dass Gutscheinlösungen im Sinne des Gesetzgebers sind. Danach gilt: Bei Verträgen, die vor dem 8. März 2020 geschlossen wurden und bei denen bereits mindestens ein Teilbeitrag geleistet wurde, können die Betreiber der Studios Gutscheine anbieten, etwa für den Kauf von Bekleidung, Equipment oder Nahrungsergänzungsmitteln.

    Hier muss es sich um Wertgutscheine in Höhe der gezahlten Beiträge während der Schließungszeit handeln, außerdem müssen sie bis Ende 2021 befristet sein. Falls der Gutschein bis zum Ende dieses Jahres nicht eingelöst werden kann, sind die Betreiber verpflichtet, das Geld auszuzahlen.

    All das sollte auf dem Gutschein vermerkt sein, sagt Husemann von der Verbraucherzentrale NRW – andernfalls sei er nicht ordnungsgemäß und damit unwirksam. Dieser Fall ist aber kaum verbreitet: Sie habe erst einen tatsächlich unwirksamen Gutschein gesehen, sagt die Verbraucherschützerin.

    Not macht erfinderisch: Zwischenzeitlich konnten einige McFit-Kunden draußen trainieren. Quelle: obs
    Outdoor-Gyms bei McFit

    Not macht erfinderisch: Zwischenzeitlich konnten einige McFit-Kunden draußen trainieren.

    (Foto: obs)

    Viele Kunden dürften angesichts der Situation auch die Kündigung ihres Fitnessstudiovertrags erwägen. Ein außerordentliches Kündigungsrecht ist in der Pandemie aber nicht gegeben, erklären die Verbraucherschützer. Wenn kein Beitrag gezahlt werde, entstehe kein Schaden.

    Noch ist unklar, wie viele Fitnessstudios die Beiträge einfach weiter eingezogen haben, betonten der Arbeitgeberverband DSSV und Verbraucherschützer unisono. Es seien große und kleine dabei gewesen. Vor allem im zweiten Lockdown hätten die Betreiber unterschiedlich agiert. Manche Kunden hätten die Zahlungen aber auch selbst gestoppt. Viele Betreiber hätten so agieren müssen, „um liquide zu bleiben“, sagt der stellvertretende DSSV-Geschäftsführer Florian Kündgen.

    Die höchstrichterliche Feststellung werde in den nächsten Monaten folgen, ist Verbraucherschützerin Husemann überzeugt. Sie empfiehlt daher, im ersten Schritt Kontakt zum Fitnessstudio aufzunehmen und mit weiteren Maßnahmen ein wenig zu warten. Der Rückzahlungsanspruch endet erst nach drei Jahren, also im Frühjahr 2023. Bis dahin wird es höchstwahrscheinlich eine Lösung geben.

    Viele Fitnessstudios sind mittlerweile am Limit

    Für die Betreiber ergeben sich auch mit den Öffnungen ihrer Türen weitere Schwierigkeiten, sagt Kündgen. Die Überbrückungshilfe 3 sei nur schleppend ausgezahlt worden, auch weitere staatliche Hilfsmaßnahmen wie der zusätzliche Eigenkapitalzuschuss seien viel zu spät entschieden worden.

    Durch die fortlaufende Abbuchung müssen einige Betreiber in den kommenden Monaten beitragsfreie Trainingszeiten anbieten. Außerdem werden die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt, sämtliche Kosten gilt es wieder selbst zu tragen. Dennoch rechnet der Verband eher nicht mit einer Pleitewelle.

    „Gesundheit, Sport und Fitness werden wichtiger für die Menschen, nach dem ersten Lockdown war der Zulauf groß. Darauf hoffen wir auch diesmal“, sagt Kündgen. Allerdings werde es dauern, bis die Branche das Niveau von 2019 – damals waren es 11,7 Millionen Mitglieder – wieder erreicht. 2020 war der Umsatz um rund ein Viertel auf knapp 4,2 Milliarden Euro zurückgegangen, die Zahl der Mitglieder um fast zwölf Prozent.

    Neue Finanzierungsrunde für Rightnow

    Derweil glauben die Investoren offenbar an das Geschäftsmodell von Rightnow. Das Start-up zählte nach eigenen Angaben seit 2017 rund 450.000 Kunden, das Jahr 2020 sei profitabel gewesen, sagt Quarch. Ende 2020 habe man noch eine Series-A-Finanzierung in Höhe von 8,5 Millionen Euro erhalten, beteiligt hätten sich der VR Ventures und die Holding des Schwarzwälder Boten. Zuvor hätten bereits Carsten Maschmeyers VC Seed & Speed und die Trivago-Gründer über ihren Fonds Monkfish sowie den Schweizer Fonds Equity Pitcher in das Start-up investiert.

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