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Verkauf vom Tisch Modeunternehmer Willy Bogner zieht sich zurück

Der Inhaber der Sportmodemarke übergibt an einen Treuhänder. Mit Bogners Rückzug und der Treuhandlösung ist der Verkauf kein Thema mehr – zumindest vorerst.
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Er glaubt, dass das Management seines Sportmodeunternehmens noch viel Arbeit vor sich hat. Quelle: dpa
Willy Bogner

Er glaubt, dass das Management seines Sportmodeunternehmens noch viel Arbeit vor sich hat.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Willy Bogner bemüht sich seit Jahren darum, sein Lebenswerk, das gleichnamige Sportmodeunternehmen, zu sichern. Am Donnerstagnachmittag überraschte er die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens mit einem „Mitarbeiterbrief“, der dem Handelsblatt vorliegt.

Darin kündigt er an, sich „aus dem unternehmerischen Tagesgeschäft zurückzuziehen“. Er habe sich entschieden, seine „Rolle als Gesellschafter durch einen Treuhänder wahrnehmen zu lassen“. Im Unternehmen sei es wie im Sport: Erfolgreich sei, wer das bestmögliche Team zusammenstelle. Das heiße aber auch „im Dienst des Teams und des gemeinsamen Ziels rechtzeitig Platz zu machen“.

Seine bisherige Rolle gibt der 77-jährige Unternehmer an Arndt Geiwitz ab, den geschäftsführenden Gesellschafter der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz & Partner. Er begleite unter anderem „als Treuhänder viele Familienunternehmen im Rahmen von Nachfolgeregelungen“.

Bogner räumt in dem Brief ein, ihm seien die Weichenstellungen nicht leichtgefallen. Aber er habe im Alter von fast 78 Jahren erkannt, dass er „das Unternehmen ... nicht mehr so tatkräftig und intensiv begleiten kann, wie es erforderlich ist“.

Mit dem Rückzug Bogners und der Treuhandlösung ist der Verkauf des Unternehmens zumindest vorerst vom Tisch. Es ist der vorläufig letzte Schritt, um die Zukunft seines Unternehmens zu sichern. Bogner hat ein Nachfolgeproblem, weil sein Sohn schon früh starb und seine Tochter Florinda nicht die Ambitionen hat, im operativen Geschäft des Sportmodeunternehmens mitzumischen.

Deshalb hatte der Vater schon vor ein paar Jahren versucht, das 1932 von seinem Vater gegründete Unternehmen mithilfe von Goldman Sachs zu verkaufen. Doch die Investoren, die ihm die US-Investmentbank servierte, passten Bogner nicht. Außerdem lag der angebotene Kaufpreis unter seinen Erwartungen.

Das Image verjüngt

Auch bei Personalien hatte er nicht immer eine glückliche Hand. So entschloss sich Bogner nach vielen Jahren an der Firmenspitze, für einen externen CEO Platz zu machen. Doch nach nicht einmal einem Jahr musste Alexander Wirth, der ehemalige Deutschlandchef von Polo Ralph Lauren, „wegen unterschiedlicher Auffassung in der Unternehmensausrichtung“ wieder gehen.

Immerhin gelang es Bogner danach, den ehemaligen Marc-O’Polo-Vorstand Andreas Baumgärtner zu verpflichten. Der stoppte den sinkenden Umsatz. Vor allem begann er, das Image und die Kollektion der Traditionsmarke zu verjüngen. Und Anfang dieses Jahres kündigte er auf der Fashion Week in Berlin selbstbewusst an: „Wir wollen eine Sportmode-Luxusmarke sein, die teuerste in diesem Segment.“

Der Ex-Skistar Bogner, der immer noch Sportmodefilme produziert, hatte vor Kurzem bereits seinen Aufsichtsrat umgekrempelt. Nachdem Bogner-Freund und Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle sich nach dem erfolgten Turnaround aus dem Kontrollgremium des Modeunternehmens zurückgezogen hatte, gewann der Senior den renommierten Juristen Klaus Volk für das Kontrollgremium.

Volk „ist meiner Familie verbunden“, lobte Bogner. Vor allem freute er sich, dass seine Tochter Florinda, 34, in den Aufsichtsrat geht. Sie stehe „für das frische, junge Bogner“.

Bogners Rückzug fällt in eine schwierige Zeit mit gewaltigen Umbrüchen in der Modebranche. Außerdem belastet seit ein paar Monaten eine Steueraffäre das Unternehmen, die immer wieder für Negativschlagzeilen sorgte. Es geht um den Verdacht der Steuerhinterziehung.

Bogner-Mitarbeiter haben Kleidung ihres Hauses zum Vorzugspreis erhalten. Die Modefirma hätte den geldwerten Vorteil versteuern müssen, tat es aber nicht, wie so viele andere Modefirmen auch.

Das Unternehmen hat immerhin selbst „die Fehler entdeckt, den Behörden offengelegt“ und ist in „fortlaufendem Austausch mit den Steuerbehörden“, wie das Unternehmen betonte. Seit Monaten wartet das Unternehmen darauf, wie viel Steuern es nachzahlen muss.

Der Vorstand hat zusammen mit dem neuen Treuhänder noch viel zu tun, um das Unternehmen dauerhaft profitabel zu machen. Es ist zwar gelungen, im vergangenen Jahr den Umsatz wieder leicht auf 157 Millionen Euro zu steigern. Aber unter dem Strich stand nur ein bescheidener Gewinn von rund 300.000 Euro.

Bogner habe „erste Schritte auf dem Weg zurück in die Erfolgsspur gemacht“, lobt der Senior im Brief. „Es liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns.“

Mehr: P&C will sich mit der gerade übernommenen Online-Luxusplattform Stylebop vom Massenmarkt absetzen. Das ist auch notwendig, denn der Umsatz in Deutschland sinkt.

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