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Verlagserbe Alexander Falk bleibt im Gefängnis

Das Oberlandesgericht Frankfurt verlängert die Untersuchungshaft. Falk wird der versuchten Mordanstiftung beschuldigt. Der Prozess könnte im Spätsommer beginnen.
Update: 17.05.2019 - 14:25 Uhr Kommentieren
Falk (links) – vor knapp 20 Jahren einer der 100 reichsten Deutschen – soll den Mordversuch an einem Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben haben. Quelle: dapd
Alexander Falk

Falk (links) – vor knapp 20 Jahren einer der 100 reichsten Deutschen – soll den Mordversuch an einem Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben haben.

(Foto: dapd)

DüsseldorfMehr als acht Monate sitzt der bekannte Hamburger Unternehmer und Verlagserbe Alexander Falk bereits in Untersuchungshaft – und vorerst wird sich daran auch nichts ändern. Wie das Handelsblatt exklusiv erfuhr, hat das Oberlandesgericht Frankfurt die Fortdauer der Haft angeordnet und dies unter anderem mit Fluchtgefahr begründet.

Parallel dazu prüft die 22. Kammer des Landgerichts Frankfurt derzeit noch, ob sie die Anklage gegen den Erben des berühmten Kartografie-Verlags mit den ausklappbaren Stadtplänen zulässt. Insiderkreise rechnen fest damit, dass noch in diesem Monat eine Entscheidung fallen wird und das Gericht die Anklage zulassen wird. Der Prozess gegen Falk könnte dann möglicherweise bereits nach den Sommerferien beginnen.

Falk, der vor knapp 20 Jahren noch als einer der 100 reichsten Deutschen galt, soll den Mordversuch an einem Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben haben, der 2010 niedergeschossen und schwer verletzt wurde.

Das mögliche Motiv: Der Anwalt arbeitete seinerzeit an einer millionenschweren Zivilklage gegen Falk, nachdem dieser 2008 wegen gemeinschaftlichen versuchten Betrugs und Bilanzfälschung verurteilt worden war und eine Haftstrafe absitzen musste. Der damalige Prozess vor dem Landgericht Hamburg galt als einer der größten und spektakulärsten in der Geschichte der Hansestadt.

Im vergangenen September, rund achteinhalb Jahre nach dem Schuss auf den Anwalt der Großkanzlei DLA Piper, war Falk dann erneut verhaftet worden. Zwei Zeugen hatte sich den Staatsanwälten offenbart, zudem waren den Strafverfolgern Tonbandaufnahmen zugespielt worden, die kurz nach dem Schuss auf den Anwalt heimlich mitgeschnitten wurden. In einem Gespräch mit potenziellen Geschäftspartnern soll Falk damals sein Wohlwollen über den Schuss auf den Anwalt geäußert haben.

Kurz vor Weihnachten erhob die Staatsanwaltschaft schließlich Anklage gegen Falk, zuvor hatte das Amtsgericht Frankfurt eine Haftbeschwerde des fünffachen Familienvaters abgelehnt. Jetzt kam das Verfahren erneut auf den Tisch – diesmal beim Oberlandesgericht. Spätestens nach sechs Monaten Untersuchungshaft ist bei jedem Gefangenen zu prüfen, ob eine weitere Inhaftierung gerechtfertigt ist.

Falk, der den Mordauftrag bestreitet und inzwischen einen seiner Verteidiger ausgewechselt hat, versucht währenddessen vehement, die belastenden Momente zu erschüttern. Laut Handelsblatt-Informationen geht es unter anderem darum, dass Falk, der die Abläufe in Großkanzleien gut kannte, davon ausgehen konnte, dass nach einem Ausschalten des Anwalts ein anderer Jurist aus der Kanzlei dessen Arbeit weiterführen würde. Außerdem sei fraglich, ob es sich bei dem Schuss ins Bein tatsächlich überhaupt um einen Mordversuch gehandelt habe.

Vor allem aber geht es um die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugen, laut Falks Anwalt, dem bekannten Kölner Verteidiger Björn Gercke zwei mehrfach vorbestrafte Personen. Handelsblatt-Informationen zufolge kommen die belastenden Aussagen und Tonbandmitschnitte aus einem Personenkreis, der dem Hamburger Boxermilieu nahesteht.

Das Oberlandesgericht hält die Zeugen dagegen offenbar für glaubwürdig und verwies in seiner Entscheidung über die Fortdauer der Haft darauf, dass Bedenken gegen deren Glaubwürdigkeit in einer Hauptverhandlung zu klären seien. Die weitere Inhaftierung von Falk wurde vor allem mit Fluchtgefahr begründet, schließlich habe Falk Auslandskontakte und Vermögen. Für das Vermögen spreche nach Ansicht des Gerichts die Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro, die vor einigen Monaten von Falks Seite für eine Haftverschonung angeboten worden war.

Björn Gercke kommentierte die Entscheidung des Oberlandesgerichts mit scharfen Worten: Das Gericht missachte „die Bedeutung von Unschuldsvermutung und Freiheitsgrundrecht. Die Annahme von Fluchtgefahr bei einem fünffachen Familienvater, der sich auch in der Vergangenheit allen Gerichtsverhandlungen und Terminen gestellt hat, ist geradezu absurd. Wir werden diese Entscheidung durch das Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen.“

Seit Anklageerhebung kam es bereits zu zahlreichen Nachermittlungen: Unter anderem wurde der damals niedergeschossene Anwalt erneut befragt, ebenso verschiedene weitere Beteiligte aus dem damaligen Prozesskomplex rund um den einstigen Internetanbieter Ision. Dessen Wert hatte Falk seinerzeit massiv geschönt bevor er sich seinen Ausstieg teuer bezahlen ließ und war deshalb schließlich nicht nur strafrechtlich sondern auch zivilrechtlich verurteilt worden.

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