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Vermietplattform Klarx Wie diese drei Gründer vom Snowboarden zum Baggern kamen

Drei junge Münchener wollen die führende Vermietplattform für Baumaschinen aufbauen. Das Geschäftsmodell entstand erst nach einer schweren Krise.
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Die drei haben sich vor zehn Jahren im Entrepreneurship-Center der Ludwig-Maximilians-Universität kennen gelernt. Quelle: Klarx
Matthias Handschuh, Florian Handschuh und Vincent Koch (v.l.)

Die drei haben sich vor zehn Jahren im Entrepreneurship-Center der Ludwig-Maximilians-Universität kennen gelernt.

(Foto: Klarx)

München Snowboarder und Baggerfahrer trennen Welten. Die einen glänzen als akrobatische Surfer auf weißem Schnee, die anderen steuern schweres Gerät durch schlammige Baugruben. Florian Handschuh kann dieser Kombination viel abgewinnen. „Leidenschaft“, sagt der 30-Jährige, sei das Bindeglied. Seine Begeisterung für Snowboards wie für Baufahrzeuge teilt Florian mit seinem Bruder Matthias, 32, und Freund Vincent Koch, 29. Ergebnis: der digitale Baumaschinenvermieter Klarx.

Vor vier Jahren von dem Trio gegründet, hat sich Klarx auf den Weg gemacht zum führenden Vermieterportal. Die Idee stammt vom Sport. Snowboarden ist ohne den Einsatz von Baumaschinen, mit denen Pisten und Halfpipes hergerichtet werden, nicht denkbar. Und auf diesem Gebiet haben die Brüder Handschuh einige Erfahrung.

Ihr Ziel ist nicht gerade bescheiden: „Irgendwann, so hoffen wir, sprechen alle vom Klarxen, wenn man Baumaschinen braucht, so wie wir heute googeln.“ Aber bei diesem Satz muss Florian Handschuh selbst lachen. Doch ein wenig Wahrheit steckt drin. Die Klarx-Gründer sind ehrgeizig. Portale wie Klickrent oder Sharemac haben allerdings denselben Anspruch.

Investoren glauben offenbar an den Erfolg der Münchener. Gerade wurde die zweite Finanzierungsrunde abgeschlossen. Unter Führung der österreichischen B&C Innovation Investments BCII sammelten die Gründer weitere 12,5 Millionen Euro Kapital ein. Im vergangenen Jahr konnten sie schon andere Geldgeber überzeugen. Die Flixbus-Gründer Jochen Engert, Daniel Krauss und André Schwämmlein beispielsweise; oder Target Global mit seinem Co-Gründer Lukasz Gadowski, der auch Delivery Hero mitfinanziert. Vier Millionen brachte dies in die Kasse.

So naheliegend die Geschäftsidee war, so weit waren die Umwege, die Koch und die Handschuhs gingen, um zu Klarx zu kommen. Koch wurde mit seinen Geschwistern völlig unvorbereitet Unternehmer. Der Vater starb 2007 unerwartet, die Kinder mussten die Firma neu organisieren. Da war Koch 18 Jahre jung. Die Brüder Handschuh waren schon von Jugend an umtriebig. Sie brauchten Sponsoren fürs Snowboarden, waren viel auf Reisen. So entstanden auch ihre ersten Geschäftsideen, eine Reise-App und ein Spezialfirma für Snowboardpisten.

„Irgendwann, so hoffen wir, sprechen allen vom Klarxen, so wie heute vom Googeln. “ Florian Handschuh (Klarx-Gründer)

Alle drei haben sich ausprobiert, mussten früh Verantwortung übernehmen. Das seien gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung, sind sie heute überzeugt. Am wichtigsten sei aber eine Niederlage gewesen. Ihre erste, gemeinsam gegründete digitale Plattform für die Reiseorganisation stand vor dem Aus. Das schweißte sie zusammen.

Die drei haben sich vor zehn Jahren im Entrepreneurship-Center der Ludwig-Maximilians-Universität kennen gelernt. Dorthin hatte es die Brüder Handschuh nach ihrem Studium in Innsbruck verschlagen. Koch war von der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen nach München gewechselt. Dort wurden sie vom Start-up-Virus infiziert. „Für uns nach Innsbruck eine völlig neue Welt“, sagte Matthias Handschuh. Für Koch eine Alternative zum Unternehmertum in der Firma des Vaters.

Also gründeten sie 2011 eine digitale Hotelplattform und nannten sie 2wunder. Das Wunder blieb aus. Neben der Idee war auch viel eigenes Geld weg. Koch: „Und wir standen vor der Frage, was jetzt?“ So kam die frühere Leidenschaft der gebürtigen Tiroler Brüder ins Spiel. Beide waren seit ihrer Jugend begeisterte Snowboarder.

Daher schufen sie die Firma Sugarparks, entwarfen, bauten und pflegten Snowparks und Wettkampfanlagen. Dafür mussten schwere Maschinen in 2000 Meter Höhe geschafft werden. Die Jungs wussten anfangs weder, wer solche Maschinen verleiht noch wie man sie in die Berge bekommt. Vor allem Matthias ist seitdem restlos begeistert. „Wenn man mal in so einem 40-Tonner drinsitzt. Das ist pure Kraft.“

An diese Erfahrungen und auch an die Gefühle erinnerten sie sich in der Niederlage mit 2wunder. Das Ausleihen der Spezialmaschinen musste sich doch irgendwie digital organisieren lassen. „Ein Problem, das geradezu nach einer Lösung schrie“, erinnert sich Florian. Schon der erste Versuch mit der von Koch programmierten Plattform glückte. Binnen kürzester Zeit meldete sich ein Kunde.

Ein zerklüfteter Markt

Der Markt sei stark fragmentiert, heißt es beim Branchenverband BBI. Allein in Deutschland gebe es 4000 Verleiher von Baumaschinen, darunter sehr viele sehr kleine. Gut vier Milliarden Euro beträgt laut BBI das Marktvolumen. BBI-Geschäftsführer Jürgen Küspert zeigt sich offen für Plattformen wie Klarx, fragt sich aber noch, wo der entscheidende Vorteil für den Mietkunden liegt.

In diesem Geschäft seien Kundennähe, technischer Service und die Beratung ganz wesentlich. Und diese Kompetenz liege nun mal beim Verleiher der Maschinen. „Am Ende wird der Kunde entscheiden“, ob digitale Vermietungsplattformen erfolgreich sein werden, sagt Küspert.

Inzwischen sind bei Klarx 4000 Partner registriert, mehr als eine viertel Million Baugeräte mit ihren technischen Daten hinterlegt. Vom Kran über Hubwagen bis zu Radlader ist alles dabei. Die Gründer mussten zwischenzeitlich allerdings ihr Geschäftskonzept ändern. Anfangs vermittelten sie nur zwischen Verleiher und Baufirma. Heute mietet Klarx die Geräte selbst und vermietet sie im Paket weiter an die Kunden.

Der Grund: Die Baufirmen wollen immer häufiger Service und Rechnung aus einer Hand. Über Klarx lassen sich komplette Baustelleneinrichtungen buchen, die Firma sorgt für den Transport der Maschinen, bietet Versicherungsschutz an. Damit ist aber auch das eigene finanzielle Risiko gewachsen. Doch den Gründern bereite das keine Sorgen, säumige Zahler und unzuverlässige Lieferanten filtere der Algorithmus heraus.

Den gefährlichsten Job im Dienst des Münchener Start-ups musste Florian Handschuh allein erledigen. Die dot.com-Domain für Klarx war von einem indischen Messerwerfer belegt. Zum Glück ließ sich dieses Problem per Skype lösen.

Mehr: Die Bergbau- und Baumaschinenmesse zeigt: Am elektrischen Antrieb kommen auch die Hersteller von Baggern, Muldenkippern und Kränen nicht vorbei.

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