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Vermittlung von Ärzten und Pflegern Medwing-Gründer erhalten Millionenfinanzierung inmitten der Krise

Medwing sammelt 28 Millionen Euro von Investoren ein. Das Berliner Start-up vermittelt medizinisches Personal – und will weiter expandieren.
26.05.2020 - 08:00 Uhr Kommentieren
Mehr als 2500 Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen arbeiten bereits mit dem Start-up aus Berlin zusammen. Quelle: Medwing
Medwing-Gründer Timo Fischer (l.) und Johannes Roggendorf

Mehr als 2500 Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen arbeiten bereits mit dem Start-up aus Berlin zusammen.

(Foto: Medwing)

Berlin Start-ups leiden besonders unter der Coronakrise: Die Umsätze brechen ein, Gewinne gibt es oft keine, weil alles ins Wachstum gesteckt wird, die Investoren werden vorsichtiger. Schon Ende März sorgten sich gut dreiviertel der deutschen Start-ups um ihre Existenz, wie eine Umfrage des Bundesverbandes Deutsche Start-ups zeigte.

Doch es gibt auch Lichtblicke in diesen Zeiten voll Arbeitsplatzabbau, Insolvenzen und schrumpfenden Märkten: Wie das Handelsblatt vorab erfahren hat, sammelt das Berliner Unternehmen Medwing mitten in der Pandemie 28 Millionen Euro von Investoren ein.

Medwing, 2017 von Timo Fischer und Johannes Roggendorf gegründet, vermittelt Personal für Kliniken und Pflegeheime. Zusätzlich betreibt das Start-up eine eigene Zeitarbeitsfirma, deren Mitarbeiter in akuten Notfällen schichtweise von Einrichtungen gebucht werden können.

Gerade das zweite Standbein ist in Zeiten von Corona gefragt: In flexiblen Modell werden momentan mehr als 2000 Schichten im Monat vermittelt. Bei den Festanstellungen sind es „aktuell deutlich mehr als 100 Vermittlungen“, sagt Roggendorf.

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Standort erkennen

    15.000 Interessenten würden sich pro Monat neu für die Online-Plattform anmelden, 200.000 Pflegekräfte und Ärzte befinden sich insgesamt im Kandidaten-Pool – und könnten langfristig dabei helfen, den Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen abzumildern.

    Ein Geschäftsmodell, das auch die Kapitalgeber überzeugt. Hauptinvestor der zweiten Finanzierungsrunde ist Cathay Innovation. Für den Venture-Capital-Fonds aus San Francisco ist es die erste Beteiligung an einem deutschen Unternehmen.

    Der Fonds, der auch Standorte in Paris, Peking, Schanghai und Singapur betreibt, hat unter anderem in die mobile Banking-App Chime und das Mobilitätsportal Drivy investiert. Auch die Bestandsinvestoren Northzone (Oslo), Cherry Ventures und Atlantic Labs (beide Berlin) haben sich erneut an Medwing beteiligt.

    „Die Digitalisierung der Arbeitswelt und des Gesundheitswesens gehören zu den Kernthemen unserer Investitionen“, erklärt Jacky Abitbol, Partner bei Cathay Innovation. „Medwing ist in genau diesem Bereich führend.“ Bereits in vielen Krankenhäusern und Einrichtungen habe das Start-up Recruiting-Prozesse und Personalmanagement optimiert.

    Angebot per Algorithmus

    Mehr als 2500 Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen arbeiten mit Medwing zusammen, das an vier Standorten in Berlin-Mitte rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu kommen die rund 400 Springerkräfte in der Zeitarbeitsfirma. „Einige Mitarbeiter kommen nach dem Nachtdienst schon mal direkt mit dem Stundenzettel in die Zentrale und trinken noch einen Kaffee“, erzählt Fischer.

    Aus diesem Grund seien sie in allen großen Städten mit Büros vor Ort. Neben Berlin und Hamburg sind die Medwing-Springer auch in München und Düsseldorf aktiv. Um die Städte herum erweitern sie sukzessive den Radius, decken mit dem Service schon knapp 70 Prozent von Deutschland ab, alle zwei Monate kommt eine neue Region dazu.

    Bei der Jobvermittlung setzt Medwing voll auf die Digitalisierung. Um den Match zwischen Bewerber und Einrichtung kümmert sich kein Mitarbeiter – sondern ein Algorithmus, gefüttert mit allen Stellenanzeigen auf dem Markt.

    Die Kriterien der Kandidaten fließen ein, etwa Nähe zum Wohnort, gewünschte Schichtzeiten, das Angebot an Fortbildungen. Dazu kommen die Arbeitgeberbewertungen der bisherigen Bewerber, bis runter auf Stationsebene. Das soll langfristig für mehr Qualität im ganzen System sorgen.

    „Wir wollen hier Transparenz schaffen“, erklärt Fischer. Es gebe auch Häuser, in die sie wegen zu vieler schlechter Bewertungen keine Leute mehr vermitteln.

    Bei vielen Personalvermittlern würden Stellen manuell erfasst und verwaltet. „Dadurch werden viele Stellen vorgeschlagen, die gar nicht optimal für die Kandidaten sind“, sagt Roggendorf. Gleichzeitig stapeln sich die Bewerbungen bei den Einrichtungen, viele Personalabteilungen kommen nicht hinterher.

    „Das können sie gar nicht alles abarbeiten, das System ist dadurch wahnsinnig ineffizient“, sagt Fischer. Der Algorithmus ist schneller – und günstiger. Laut eigenen Angaben liegt die Provision, die Medwing kassiert, unter den Sätzen normaler Personalvermittler.

    Fischer und Roggendorf wollen mit ihrem flexiblen Ansatz auch Fachkräfte reaktivieren, die die Branche frustriert verlassen haben. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft könnten in Deutschland in der stationären Versorgung bis zum Jahr 2035 rund 307.000 Pflegekräfte fehlen.

    Dabei gibt es längst genügend Ausgebildete: Nach Angaben der Medwing-Gründer arbeiten in Deutschland rund 300.000 ausgebildete Pflegekräfte nicht mehr in ihrem eigentlichen Beruf. „Das liegt vor allem an den Arbeitsbedingungen, den starren Arbeitszeiten und an der schlechten Bezahlung“, sagt Fischer.

    Im Springerpool von Medwing sind die Mitarbeiter viel freier: Dort gibt es auch Kollegen, die nur drei Tage die Woche arbeiten, nur in Tagschichten oder nur am Wochenende.

    Kennengelernt bei Rocket Internet

    Fischer gründete schon mit 18 Jahren eine kleine Software-Firma, arbeitete kurze Zeit im Silicon Valley. Eigentlich wollte der Wirtschaftsinformatiker und Volkswirt eine akademische Laufbahn einschlagen, promovierte an der TU München in Technologie- und Innovationsmanagement.

    Doch dann lockte Rocket Internet in Berlin: Fischer wurde 2011 Marketingvorstand beim Online-Versandhändler Home24, wo er auch Mitgründer Roggendorf kennenlernte, der direkt nach seinem Marketing- und Finance-Studium für ein Praktikum zu Rocket ging – und bei Home24 kleben blieb.

    Nach zwei Jahren gründete auch Roggendorf selbst: Heaven HR ist ein Software-Tool für Personalabteilungen. Dort merkte Roggendorf, wie sehr ihn das Thema Fachkräftevermittlung reizt.

    Obendrein hat Roggendorf in seinem privaten Umfeld sehr viele Mediziner. Auch wenn die Themen Pflegenotstand und Ärztemangel nicht neu seien: „Das Ausmaß des Problems ist vielen noch nicht bewusst“, glaubt Roggendorf.

    Mit Pflegekräften für Kliniken und Krankenhäuser starteten sie 2017. Schnell kamen Altenpflegekräfte dazu. Sie vermitteln auf der Plattform mittlerweile aber auch viele Ärzte. „Langfristig wird man bei uns jeden Job im Gesundheitswesen finden“, sagt Roggendorf.

    Längst arbeiten sie bei Medwing auch an weiteren Geschäftsfeldern. „Gerade sind wir in der Testphase für Krankenhaus-Software“, erklärt Fischer. Viele Krankenhäuser würden noch mit Whiteboards arbeiten, Dienstpläne handschriftlich festhalten.

    „Diese Planung kann man so viel besser machen“, meint Fischer. Medwings Lösung: eine App für die Personalplanung, auf die alle Mitarbeiter einer Einrichtung Zugriff haben.

    Große Wachstumspläne, neue Produkte: Das geht ins Geld. Im Geschäftsjahr 2018 verbuchte das Unternehmen laut Bundesanzeiger einen Verlust von 2,14 Millionen Euro. Auch aktuell sei man „noch nicht“ profitabel. Gerade gehe das ganze Geld in den Aufbau der technischen Infrastruktur – und in die Expansion.

    Mit dem frischen Geld der Investoren will Medwing weitere Länder angehen. In Frankreich starteten sie vor einem Jahr, Großbritannien steht noch ganz am Anfang. Obwohl jeder Staat andere rechtliche Grundlagen hat, sind die Probleme in Krankenhäusern und Altenheimen fast überall die gleichen.

    „Wir glauben fest an die Vision von Johannes und Timo und freuen uns, sie bei ihrer weiteren Expansion in Europa zu unterstützen“, sagt Cathay-Partner Abitbol. Und Michiel Kotting, Partner bei Investor Northzone, ergänzt: „Johannes und Timo haben ein tiefes Verständnis des Marktes und sind gut positioniert, um in diesem Bereich einen Marktführer aufzubauen.“ Die Idee der Medwing-Gründer: Sie ist leicht übertragbar – und lässt sich beliebig skalieren.

    Mehr: Die Stimmung unter den Geldgebern für Start-ups ist schlecht, die wirtschaftlichen Aussichten sind stark eingetrübt.

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