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Vermittlungsplattform Reisetopia expandiert in Europa und spendet an Klimaportal Atmosfair

Was einst als Hobbyblog reiseverrückter Studenten begann, ist zu einem Start-up mit 17 Mitarbeitern geworden. Nun haben die Gründer große Pläne.
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Die Reisetopia-Gründer machen mittlerweile im Monat 100.000 Euro Umsatz. Quelle: Reisetopia
Severin Gerstenkorn, Leo Glatzel, Jan Wanderer, Moritz Lindner, Moritz Stoldt

Die Reisetopia-Gründer machen mittlerweile im Monat 100.000 Euro Umsatz.

(Foto: Reisetopia)

Zürich Sie haben es sich auf roten Plüschsesseln bequem gemacht, hinter ihren Köpfen, an der Fensterfront, ziehen die großen Maschinen im Minutentakt vorbei: viele Swiss-Flieger, die hier in Zürich starten, aber auch Thai Airways nach Bangkok, Cathay Pacific nach Hongkong. Fernziele, die sie selbst schon bereist haben – oft geflogen in Business- oder First Class.

Dabei sind die fünf Jungs keine Unternehmensberater. Die meisten von ihnen sind noch Studenten. Was sie alle eint, ist ein verrücktes Hobby: viel und vor allem luxuriös zu fliegen.

Aus der Leidenschaft von Severin Gerstenkorn, 20, Leo Glatzel, 26, Jan Wanderer, 23, Moritz Lindner, 25, und Moritz Stoldt, 22, ist längst ein einträgliches Geschäft geworden. 17 Mitarbeiter beschäftigt ihre Firma Reisetopia mittlerweile, im September beziehen sie alle ein gemeinsames Büro in Berlin.

Lindner, der Abschlüsse in Politikwissenschaften und European Studies hat, und Gerstenkorn, der derzeit noch ein duales Studium in Steuer- und Prüfungswesen macht, erstellten die Internetseite im Mai 2016 als Reiseblog. Sie schrieben darüber, wie einfach sich Flugmeilen sammeln lassen und wie diese möglichst effektiv für Luxusflüge eingesetzt werden können.

Wanderer, der BWL und E-Business studiert, und Stoldt, dem nur noch die Bachelor-Arbeit zum Wirtschaftsinformatiker fehlt, stießen bald dazu. Der Kontakt kam über eine Vielfliegergruppe bei Facebook zustande. Als Letztes kam Glatzel dazu, der hauptberuflich als Fluglotse arbeitet.

Sie sind alle Teil des Vielschläferprogramms

Schnell wuchs die Community und der Gedanke, daraus ein richtiges Unternehmen zu machen. „Wir hatten damals noch Probleme, die 1 000 Euro für die Anmeldung der Gesellschaft zu finden. Heute machen wir in einem guten Monat 100.000 Euro Umsatz“, erklärt Lindner in seinem roten Plüschsessel.

Es ist April, hier in der Executive Lounge des Hilton Hotels am Züricher Airport haben sich die fünf zum monatlichen Meeting versammelt. Sie treffen sich meist in einem Haus der amerikanischen Gruppe, denn fast alle von ihnen haben die Diamond-Karte, den höchsten Status des Vielschläferprogramms. Dafür gibt es meist Upgrades und immer den Zugang zur Lounge mit Getränken und warmer Mahlzeit.

Erreicht nicht mit Nächten, sondern mit 20.000 Euro Jahresumsatz auf der Hilton-Kreditkarte. Einer ihrer vielen Tricks, die sie auch den Lesern ihrer Webseite nicht vorenthalten.

Auf mehr als eine Million Klicks im Monat kommt Reisetopia mittlerweile. Jeden Tag entstehen in der dreiköpfigen Redaktion Dutzende neue Artikel, auch die Gründer selbst schreiben fleißig weiter. Flugprodukte und Reiseklassen werden bewertet, Luxushotels getestet, Tipps und Tricks für Meilensammler veröffentlicht. Was den Gründern wichtig ist: absolute Unabhängigkeit. Sie zahlen alle Flüge und Hotels selbst, lassen sich nicht, wie unter vielen Influencern üblich, einladen.

Anfangs verdiente das Start-up vor allem Geld über die Vermittlung von Kreditkartenanträgen. Klickt ein Besucher auf die Empfehlung für die Eurowings Visa oder die goldene Amex und schließt anschließend tatsächlich einen Antrag ab, fließt ein Betrag auf das Reisetopia-Konto.

Zuletzt ist ein Bereich dazugekommen, der stark wächst: Buchungen von Luxushotels. Über das Start-up können pompöse Herbergen wie das Park Hyatt, das Waldorf Astoria oder Hotels des Virtuoso-Programms mit Vorteilen gebucht werden, etwa mit kostenlosem Frühstück, einem Upgrade, Hotelguthaben von 100 Dollar und spätem Check-out. „Unsere Kunden können so Raten buchen, die sonst nur Luxus-Reiseberatern zugänglich sind“, erklärt Wanderer.

Für die Buchung arbeitet das Start-up mit dem Berliner Reisebüro Cube-Travel zusammen. Für jeden Abschluss gibt es eine anteilige Provision, die im einstelligen Prozentbereich liegt. Der Plan für 2020: „Jedes Luxushotel soll bei uns buchbar sein“, sagt Lindner. Bis zu 30 Buchungsanfragen kommen pro Tag rein, mittlerweile gibt es einen eigenen Mitarbeiter, der sich nur darum kümmert.

Bisher bekam das Unternehmen auch Provisionen bei der Verlinkung auf Flugangebote. Diese reichen die Gründer ab sofort weiter: Wie das Handelsblatt erfahren hat, unterstützt Reisetopia das Klimaschutzportal Atmosfair mit einem vierstelligen Betrag. Alle Provisionen für Flugbuchungen sollen künftig direkt bei Atmosfair landen, das damit Projekte finanziert, die Treibhausgase kompensieren. Die Leser des Blogs können bei Flugbuchungen über Reisetopia direkt die CO2-Kompensation von Atmosfair ordern.

Der nächste Schritt ist die globale Expansion. Bei ihrem Treffen in Zürich stellten sie mit einem Klick den Schweizer Ableger scharf. Auf Reisetopia.ch gibt es für den Schweizer Markt maßgeschneiderte Inhalte.

Viel ändern mussten sie nicht. Klar, es stehen mehr die Swiss- als die Lufthansa-Flüge im Fokus, in der Schweiz gibt es andere Reisekreditkarten. „Aber unsere Besprechungen von Hotels und den Reiseklassen der Airlines sind ohnehin global“, sagt Glatzel. Der Inhalt ist international, er lässt sich beliebig skalieren.

Es gab nie eine Fremdfinanzierung

2018 machte das Unternehmen einen Umsatz von 435.000 Euro, dieses Jahr soll er siebenstellig werden. Von Anfang an war das Start-up profitabel, es gab nie eine Fremdfinanzierung, lediglich drei Business-Angels sind mit geringen Beträgen beteiligt, der Rest gehört den fünf Gründern.

Der nächste Markt wird bald Frankreich sein. Dafür muss die ganze Seite übersetzt werden, ein Muttersprachler kommt ins Team, neue Inhalte dazu. Anschließend sind Österreich oder Italien geplant.

„Dafür, dass Reisetopia mal aus Spaß gegründet wurde, haben sie schon heute ein sehr tragfähiges Konzept“, findet Coach und Berater Heiko Franken, einer der Business-Angels. Dass das Geschäft so durch die Decke gehe, habe keiner der Gründer erwartet. „Die größte Herausforderung ist nun, wie man das verstetigen kann.“

Franken war selber Unternehmer, wurde später Berater bei Boston Consulting und war Geschäftsführer der Professional School an der Leuphana-Universität. „Der große Vorteil ist, dass immer neue Leute nachwachsen, die sich für Meilen und Punkte interessieren“, meint Franken. Er denke da vor allem an junge Unternehmensberater, die ihre Reisen optimieren wollen. „Und global ausrollen lässt sich das Konzept allemal: Das Hilton-Programm etwa ist weltweit das gleiche.“

International gibt es vor allem Konkurrenz, die sich auf Meilen und Punkte fokussiert, etwa The Points Guy. In Deutschland hat sich First Class & More eher auf Flüge spezialisiert, auch bei Travel-Dealz sind Hotels nur Nebensache. Bei Reisetopia stehen die Gründer im Fokus, die noch immer reiseverrückt sind.

2017 jetteten sie für ein Meeting nach Dubai, in der ersten Klasse der Lufthansa von Frankfurt aus, um das legendäre First Class Terminal zu besuchen. Vor einem Jahr trafen sie sich auf Bali, jeder mit einem anderen Hinweg, um Airlines und Lounges zu testen. „So schaffen wir es, auch normale Leute dazu zu bewegen, Luxusreisen zu buchen“, sagt Stoldt.

Ihr Langfristziel: Reisetopia zur allumfassenden Luxus-Reiseplattform zu entwickeln.

Mehr: Unterwegs mit einem Luxusvielflieger: Achim Kammerer ist Mitglied des exklusiven HON Circle von Lufthansa und hat unseren Autor einen Tag lang mitgenommen.

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