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Verschlüsselung Messengerdienst Wire will das WhatsApp für Regierungen werden

Die WhatsApp-Alternative boomt in der Coronakrise dank der hohen Sicherheitsstandards. Auch im Bundeskanzleramt wird der Wire-Messenger getestet.
23.04.2020 Update: 24.04.2020 - 07:33 Uhr Kommentieren
Der Dienst versteht sich als sichere Alternative zu WhatsApp für Großunternehmen und Regierungen. Quelle: Wire
Wire-Messenger

Der Dienst versteht sich als sichere Alternative zu WhatsApp für Großunternehmen und Regierungen.

Düsseldorf Nicht nur Unternehmen wurden von der Coronakrise hart getroffen, auch Regierungsinstitutionen und die unterschiedlichsten Behörden haben viele Beamte in den vergangenen Wochen ins Homeoffice geschickt. Innerhalb kürzester Zeit musste eine Infrastruktur geschaffen werden, in der Mitarbeiter auch von zu Hause aus sicher arbeiten und kommunizieren können.

Dabei müssen vor allem sensible Daten, die Regierungsbeamte austauschen, auch in der gegenwärtigen Situation bestmöglich geschützt werden. Hier setzt der 2014 gestartete Messengerdienst Wire an, der sich als sichere Alternative zu WhatsApp für Großunternehmen und Regierungen versteht.

Die Open-Source-Lösung wird bereits seit dem vergangenen Herbst vom Bundeskanzleramt getestet. Doch im Zuge der Coronakrise habe sich die Zahl der Nutzer über die Abteilungen hinweg vervielfacht und sei mittlerweile nach Angaben von Beteiligten bereits dreistellig, wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Anfang April berichtete.

„Wir bekommen derzeit mindestens zehnmal so viele Anfragen wie noch vor der Krise, und ich bin fest davon überzeugt, dass die Zahlen nicht so schnell wieder abfallen“, berichtet Wire-Chef Morten Brogger.

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    Die Anfragen kämen von überallher: von kleinen, mittelständischen und großen Unternehmen, aber eben auch von Regierungsinstitutionen und öffentlichen Einrichtungen wie der Polizei.

    In der Öffentlichkeit noch unbekannt

    Der Däne arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Technologiebranche und war knapp drei Jahre lang Chef der Kollaborationsplattform Huddle, bevor er im Dezember 2017 zu Wire wechselte. In seiner damaligen Funktion konnte er wichtige Kontakte knüpfen, von denen auch Wire profitiert. Denn zu den Kunden von Huddle gehören nach eigenen Angaben große Unternehmensdienstleister sowie die Regierungen Großbritanniens und der USA.

    Wire ermöglicht wie viele andere Messengerdienste Gruppen-Chats sowie Video- und Audio-Telefonie. Doch das Unternehmen ist im Vergleich zu den Konkurrenten WhatsApp, Slack, Telegram oder Threema noch relativ unbekannt. Das zeigen auch die Nutzungszahlen: Einer Erhebung von Messenger People zufolge gab es in Deutschland im Jahr 2019 rund 58 Millionen tägliche WhatsApp-Nutzer. Wire hingegen verwendeten demnach gerade einmal rund 600.000 Menschen täglich.

    Doch das Unternehmen hat es auch nicht primär auf den Massenmarkt abgesehen, sondern konzentriert sich vor allem auf seine Bezahlversion, die es an Unternehmenskunden und Behörden vertreibt.

    Der Wire-Messenger bietet eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aller Daten, einen öffentlich einsehbaren Programmcode (Open Source) und unterscheidet sich von weit verbreiteten Alternativen wie WhatsApp vor allem dadurch, dass er sich „on-premise“, also auf firmen- oder regierungseigenen Servern betreiben lässt.

    Das soll eine höhere Sicherheit und Datenhoheit für Kunden gewährleisten, die besonders sensible Informationen austauschen. „Stellen Sie sich vor, wie groß das Chaos wäre, wenn sensible Daten einer Regierung plötzlich irgendwo durchsickern würden. Genau das möchten diese verhindern und haben sich deshalb bei uns gemeldet“, sagt Brogger.

    „Wir bekommen derzeit mindestens zehnmal so viele Anfragen wie noch vor der Krise.“ Quelle: Wire
    Morten Brogger

    „Wir bekommen derzeit mindestens zehnmal so viele Anfragen wie noch vor der Krise.“

    Die Softwarefirma hinter dem Messenger heißt Wire Swiss und sitzt in der schweizerischen Stadt Zug. Gegründet wurde sie 2012 von den früheren Skype-Mitarbeitern Jonathan Christensen und Priidu Zilmer sowie Alan Duric, der unter anderem beim Netzwerkausrüster Ericsson tätig war. Neben den Einnahmen, die Wire mit seinen Bezahlversionen generiert, wird das Projekt finanziell zum großen Teil von Skype-Mitgründer und Milliardär Janus Friis getragen.

    Im November wurde bekannt, dass die Wire Swiss GmbH im Sommer 2019 eine Holding gegründet hatte, deren Sitz von Luxemburg in die USA verlegt wurde. Der Grund für den Umzug sei die bessere Möglichkeit gewesen, an Kapital zu gelangen, da in den USA mehr Kapitalgeber säßen, hatte Wire damals mitgeteilt.

    Doch der intransparente Schritt, der erst auf Nachfragen publik wurde, sorgte für Kritik: Whistleblower Edward Snowden, der Wire zuvor als besonders sicher empfohlen hatte, bezeichnete das Vorgehen in einem Tweet als „nicht angemessen für ein Unternehmen, das behauptet, einen sicheren Messenger anzubieten“.

    Durch den neuen Sitz der Holding ändere sich für die Kunden nichts, hieß es damals in einem Blogbeitrag von Wire. Für die Nutzung sei nach wie vor Wire Switzerland zuständig, die Software-Entwickler blieben in Berlin. Wire-Chef Brogger verweist auf die Firmenserver, die in Europa und der Schweiz stünden, womit die Lösung sowohl mit dem europäischen als auch dem schweizerischen Datenschutzrecht konform sei.

    Kundenstamm weiter ausbauen

    Zudem habe man gemeinsam mit der weltweiten Arbeitsgruppe Internet Engineering Task Force (IETF) die Technologie Messaging Layer Security (MLS) entwickelt, fügt Brogger hinzu. MLS ist eine Sicherheitsschicht für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und verspricht eine flexible und sichere Kommunikation in kleinen und großen Gruppen über verschiedene Endgeräte. Mit der Einführung der MLS-Technologie soll auch die Speicherung von Metadaten von Nutzern abgeschafft werden, die aus Datenschutzsicht derzeit noch ein Manko darstellt.

    „Skype for Business neigt sich dem Ende seiner Lebensdauer zu, und eines unserer Ziele ist es zu beweisen, dass Wire die einzige wirklich sichere Alternative darstellt“, sagt Brogger. Sein Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben seit Kurzem mit dem Wiesbadener IT-Dienstleister SVA System Vertrieb Alexander zusammen, einem der führenden deutschen Systemhäuser.

    Im Rahmen dieser Kooperation sei es das Ziel von Wire, den Kundenstamm in den Bereichen Großunternehmen, Regierungsinstitutionen und der öffentlichen Hand weiter auszubauen. „Mit Blick auf die weitere Zukunft streben wir dieses Jahr eine weitere Verdoppelung unserer Einnahmen an, zusammen mit der Einführung der Messaging-Layer-Security-Technologie“, sagt Brogger.

    Mehr: Warum die Videochat-App Houseparty derzeit Skype und WhatsApp den Rang abläuft

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