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Versicherung Wie das Start-up Mailo die Gewerbeversicherungen digitalisiert

Armin Molla und Matthias Uebing versichern Blogger und Influencer – setzen dabei aber auf klassische Makler. Das Konzept: Eine Versicherung für Abmahnungen.
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Mit Mailo eröffnen die Manager ein neues Versicherungsfeld. Quelle: Patric Fouad / mailo AG
Armin Molla, Matthias Uebing, Sten Nahrgang,

Mit Mailo eröffnen die Manager ein neues Versicherungsfeld.

(Foto: Patric Fouad / mailo AG)

Düsseldorf Eigentlich wollten Armin Molla und Matthias Uebing eine Hipsterversicherung gründen. Doch da machten die Investoren nicht mit. „Junge Unternehmer fürchten heute eher eine Abmahnung als einen Wasserschaden“, war Molla überzeugt und feilte mit Uebing weiter am Konzept. Den entscheidenden Dreh bekam das Team durch Sten Nahrgang.

Er riet: So fortschrittlich der Privatkundenmarkt mittlerweile aufgestellt sei, so traditionell funktioniere das Geschäft mit Unternehmern. Warum nicht also gemeinsam einen digitalen Gewerbeversicherer aufbauen? Die Idee fruchtete – zwei Jahre später ist die gegründete Mailo Versicherung AG ein eigener Risikoträger mit Bafin-Zulassung.

Punkten kann das Unternehmen vor allem durch einfache und passgenaue Lösungen. „Meistens sind es die Versicherer, die eine Produktkomplexität aufbauen – nicht der Kunde“, sagt Onlinehändler Alexander Henk, der selbst Kunde von Mailo ist. „Ich will mich mit Versicherungen eigentlich gar nicht befassen – ich weiß nur, dass ich sie brauche. Mit Mailo war alles kinderleicht“, lobt Henk.

Das Kölner Start-up setzt dabei auf ein Baukastenprinzip nach Berufsgruppen – insbesondere für Selbstständige, Freelancer und Kleinunternehmer. Fast täglich kommen neue Betriebsarten hinzu, am Ende des Jahres sollen es 500 sein. Umsatzzahlen nennt das Unternehmen mit derzeit 30 Mitarbeitern noch nicht – nur, dass es circa 6.500 Kunden bis zum Jahresende haben will.

Deckung für Abmahnung

„Eigentlich bräuchten alle Unternehmen eine Cyberversicherung, denn sie verfügen über Kundendaten. Wir gehen aber eher auf Zielgruppen: Blogger und Influencer passen da super in den Zeitgeist – wir öffnen damit ein ganz neues Feld“, sagt Molla und verweist zum Beispiel auf Abmahnprozesse wegen Hintergrundmusik.

Doch es gibt auch Grenzen: Politisch extreme Blogger versichert Mailo nicht. Wenn sich moderate Youtuber wie Rezo aber für ein spontanes politisches Statement entscheiden, wären mögliche Abmahnprozesse gedeckt.

Auf Messen kommt das simple Konzept an, vor allem Digitalunternehmer zählen zu den Kunden des Kölner Start-ups. Doch die wenigsten Abschlüsse erzielt Mailo tatsächlich digital, gerade einmal vier bis fünf Prozent. Das liegt zum einen daran, dass die Integration in Vergleichsportale wie Finanzchef24 noch läuft. Zum anderen geht es bei Versicherungen um das maximale Vertrauen. Ohne Makler geht es also nicht.

Das wissen Molla, Uebing und Nahrgang ganz genau, denn alle drei sind seit Jahren im Geschäft. Armin Molla ist 46 und war fast zwei Jahrzehnte bei der Signal Iduna und der Ergo Versicherung beschäftigt, ehe er 2014 die Maklerplattform Virado gründete.

Auf diesem Weg traf er auch Matthias Uebing. Der 52-Jährige ist promovierter Maschinenbauer, ging nach seinem Studium aber direkt zur Unternehmensberatung Zeb. Die letzten neun Jahre war er dort für den Versicherungsbereich zuständig und lernte Molla 2016 kennen. „Armin war als Gründer in der Szene schon bekannt, und wir haben uns danach nicht mehr aus den Augen verloren.“

Beide einte schließlich der Wunsch nach Veränderung. Molla trug die Idee von Mailo schon grob in sich, wollte aber eher in Richtung Endkundenmarkt. Uebing überzeugte ihn vom Gewerbe, doch den richtigen Schliff verpasste erst Sten Nahrgang – ein Geschäftspartner Mollas.

Nach der Gründung im November 2017 kümmerte sich der 57-jährige Versicherungsmathematiker Nahrgang um die notwendige Bafin-Zulassung, die Mailo im Februar erhielt. Das war auch dringend notwendig, denn davon hing die Anschlussfinanzierung ab. Zu den Investoren gehören unter anderem der Rückversicherer DeutscheRück sowie OnVista-Gründer Stephan Schubert.

Durchfinanziert ist das Unternehmen eigentlich schon, doch eventuell soll im Herbst eine neue Finanzierungsrunde gestartet werden. Den Markt kaufen kann sich Mailo damit zwar nicht, aber vielleicht die Schwelle einer Hipsterversicherung überschreiten.

Mehr: Lange hat die Wirtschaft darauf gewartet, jetzt bringt die Bundesregierung ein Gesetz gegen Abmahnmissbrauch auf den Weg. Zuvor war ein strittiger Punkt abgeräumt worden.

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