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Victoria Wagner Wie eine Topwerberin gegen die gläserne Decke kämpft

Victoria Wagner startet ein neues Genderprojekt mit prominenter Beiratsbesetzung. Sie will Diversity und Inklusion in führenden Unternehmen verankern.
15.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die Werberin will Diversität und Inklusion in Deutschland stärker auf die Agenda heben. Quelle: Anne Wirtz/Alternativlos
Victoria Wagner

Die Werberin will Diversität und Inklusion in Deutschland stärker auf die Agenda heben.

(Foto: Anne Wirtz/Alternativlos)

Düsseldorf Wer ihr bei Facebook, Twitter und Co. folgt, kann ihr erwachtes Interesse an dem Thema schon länger beobachten: Victoria Wagner, eine der Topwerberinnen des Landes, macht sich für Chancengleichheit in den obersten Führungsetagen der Unternehmen stark.

„Als ich angefangen habe, Managerinnen in Karrierefragen zu beraten, ist mir dramatisch die immer noch existierende gläserne Decke aufgefallen“, sagt sie. Für die 49-Jährige ein indiskutabler Zustand. „Einer muss mal aufstehen und etwas tun“, findet sie, „aber nur Chancengleichheit für Frauen reicht als Thema nicht. Es muss um Diversität insgesamt gehen.“

Gesagt, getan. Wagner startet diese Woche das neue Netzwerk „Beyond Gender Agenda“, dessen erklärtes Ziel es ist, die Chancengleichheit von Führungskräften anderen Geschlechts, Alters, kultureller Herkunft, sexueller Orientierung sowie Geschlechteridentität zu fördern. Dadurch, so der Plan der Kommunikationsexpertin, solle ein „kultureller Wandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik herbeigeführt werden“.

Dass sie einen derart hohen Anspruch nicht als Einzelperson wird einlösen können, ist der Werberin bewusst. Deshalb hat Wagner einen prominent besetzten Beirat um sich geschart: darunter Fränzi Kühne, Mitgründerin der Digitalagentur Torben Lucie und die Gelbe Gefahr; Claudia Oeking, Geschäftsführerin von Philip Morris; Sabine Dietrich, Aufsichtsrätin der Commerzbank; Elke Heitmüller, Diversity-Verantwortliche bei Volkswagen; Wigan Salazar, CEO der PR-Agentur MSL; und Stuart B. Cameron, CEO der Uhlala Group.

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    Rat für Führungskräfte

    19 Beiratsmitglieder sollen das Thema Diversität und Inklusion öffentlichkeitswirksam platzieren – durch Agenda-Setting, Social-Media-Kampagnen, Studien, Veranstaltungen, Workshops, Seminare und nicht zuletzt einen Award, der Ende des Jahres verliehen werden soll.

    Darüber hinaus will die Geschäftsfrau, die seit einem Jahr mit der neuen Düsseldorfer Beratungsfirma Alternativlos am Markt tätig ist, ein „individuelles Beratungsangebot geben, um Führungskräfte und Unternehmen dabei zu unterstützen, inklusive Organisationsstrukturen und eine entsprechende Kultur zu implementieren“.

    Die Pläne sind hochfliegend. Dabei wollte sich die renommierte Werberin eigentlich eine Auszeit gönnen. Denn sie blickt auf bewegte Jahre in der Kommunikationsbranche zurück. Nach führenden Positionen in der Konsumgüterindustrie gründete sie 2004 in Düsseldorf mit Brandzeichen Deutschlands erste PR-Agentur für Markenkommunikation.

    Ein Unternehmen, das schnell wuchs und Kunden wie Procter & Gamble betreute. 2013 verkaufte sie ihre Agentur, die damals knapp 90 Mitarbeiter zählte, an den amerikanischen Werbekonzern Omnicom. Zu dem Werbenetzwerk gehören Werbeagenturen wie BBDO und DDB, aber auch die PR-Agentur Ketchum Pleon. An diese PR-Tochter sollte Brandzeichen andocken.

    Die Integration der Firmen kam allerdings nur stockend voran. Drei Jahre nach dem Verkauf von Brandzeichen an Omnicom löste Wagner den bisherigen Ketchum-Pleon-Chef Dirk Popp ab und übernahm die Führung der Omnicom-PR-Töchter in Deutschland.

    Wagner wurde als erste Frau CEO der führenden deutschen PR-Agentur Ketchum Pleon und führte rund 400 Mitarbeiter. Omnicom ernannte sie zum Global Partner von Ketchum, sie war als erste Deutsche Mitglied des Global Leadership Councils der Agentur. Eine steile Karriere, die sie dennoch nach nur eineinhalb Jahren, Anfang 2018, beendete. In dieser Zeit hatten auch mehrere hochrangige Manager das Unternehmen verlassen.

    Vor einem Jahr meldete sich Wagner mit einer neuen eigenen Agentur zurück. Zum zweiten Mal in ihrem Leben wagte sie sich als Start-up-Unternehmerin an den Markt. Bewusst hat sie sich ein neues Feld gesucht. So geht es in der neuen Strategieberatung Alternativlos darum, sich als „Sparringspartner für Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen und Agenturen“ zu positionieren.

    „Nach meinem Ausstieg bei Ketchum Pleon gab es konkrete Beratungsanfragen sowohl von Agentur- als auch Unternehmensseite“, sagt sie. Wagner berät in Fragen der digitalen Transformation sowie Führungskräfte beim persönlichen Personal Branding und bei der Übernahme von Aufsichtsratsmandaten und Vorstandspositionen.

    Bei dieser Beratungstätigkeit ging ihr auf: Diversität und Inklusion müssen in Deutschland auf die Agenda gehoben werden. „Deutschland belegt in internationalen Studien bei Diversität und Inklusion die hinteren Rankingplätze. Damit gefährdet unsere Wirtschaft langfristig ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Wagner.

    Hinzu komme, dass es ohne ein inklusives, wertschätzendes Arbeitsumfeld für Unternehmen immer schwieriger werden wird, die Toptalente vom Markt für sich zu gewinnen und vor allem dauerhaft zu binden. „Diversität ohne echte Inklusion ist nicht mehr als PR und wird nicht die positiven Ergebnisse bringen, die divers aufgestellte Führungsteams erzielen können.“

    Gütesiegel geplant

    Ihre Mitstreiter im Beirat sehen das ähnlich. „Ich freue mich darauf, mit der Initiative Beyond Gender Agenda neue Maßstäbe in Richtung Diversity und Inklusion in den Führungsetagen unserer Wirtschaft zu setzen“, meint Volkswagen-Managerin Heitmüller.

    Und Philip-Morris-Geschäftsführerin Oeking meint, „ein zögerliches Weiter-so können wir uns angesichts der gesellschaftlichen, politischen und technologischen Herausforderungen nicht länger leisten. Genau das hat sich die Initiative Beyond Gender Agenda auf die Fahne geschrieben.“

    Beiratsmitglied Kühne, die einst mit Digital-Vordenker Christoph Bornschein eine eigene Agentur gründete, meint: „In Deutschland haben noch viel zu viele zu gut ausgebildete Frauen längst nicht die Karrierestufe erreicht, die ihrer Qualifizierung entspricht.“ Initiativen wie Beyond Gender Agenda seien „wichtige und spannende Impulsgeber für Diversität in Wirtschaftskreisen. Sie sind für Frauen, die im Berufsleben stehen, ein wichtiges Netzwerk, das Ideen und Aktivitäten bündelt.“

    Doch die Pläne gehen über ein reines Netzwerk hinaus. Wagner plant auch noch ein Gütesiegel für die Einhaltung wissenschaftlich entwickelter Standards. Damit steht sie allerdings noch in der Planungsphase – derzeit sucht sie noch einen wissenschaftlichen Partner für das neue Siegel.

    Die Kommunikationsexpertin weiß aber auch: Um wirklich Erfolg zu haben, muss sie die neue Initiative zu einer echten Marke entwickeln. Ein Handwerk, das sie bestens versteht.

    Mehr: Ein Ranking zeigt, wie offen Unternehmen gegenüber nicht-heterosexuellen Mitarbeitern sind. Die Spitzenreiter gehören zu den innovativsten Konzernen der Welt.

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