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Video-Ident-Anbieter Die Gründer von IDnow kehren zurück ins Unternehmen

Die vier Gründer des Ident-Dienstes hatten früh externe Manager eingestellt. Nun übernehmen sie wieder Verantwortung und setzen sich ehrgeizige Ziele.
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Die vier Gründer von IDNow sind zurück im Management. Quelle: IDnow
Dennis von Ferenczy, Sebastian Bärhold, Armin Bauer, Felix Haas (von links)

Die vier Gründer von IDNow sind zurück im Management.

(Foto: IDnow)

Frankfurt Fünf Jahre nach Gründung – das betrachten viele Unternehmer als guten Zeitpunkt, anderen die Geschäftsführung zu übergeben oder ihre Firma sogar zu verlassen. Doch Felix Haas, Sebastian Bärhold, Dennis von Ferenczy und Armin Bauer machen es umgekehrt.

Die Gründer von IDnow, einem der größten deutschen Anbieter von Videolegitimation, wie sie Banken zur Online-Kontoeröffnung nutzen, steigen jetzt noch mal aktiv in die Unternehmensführung ein. Dabei hatten sich drei von ihnen schon in den Beirat zurückgezogen.

Wie das Handelsblatt von den Gründern erfuhr, kümmern sich ab sofort wieder alle um das operative Geschäft. Sie haben zudem den Geschäftsführer (CEO) ausgetauscht und einen neuen Finanzmanager (CFO) engagiert. Warum? Sie wollen das Wachstum ihres Unternehmens persönlich vorantreiben, auch aufgrund ihrer Erfahrung mit einem vorherigen gemeinsamen Start-up.

Die vier hatten schon 2006 mit zwei weiteren Gründern den Ticketdienst Amiando ins Leben gerufen. Die Idee kam auf, als sie eine Fußball-WM-Party mit 400 Gästen organisierten und dabei den Überblick verloren. Haas brachte die Gruppe damals zusammen: Der 37-Jährige hatte mit Bärhold, 37, Elektrotechnik in München studiert, und von Ferenczy, 38, der Wirtschaftsingenieurwesen und Künstliche Intelligenz an der TU Berlin studiert hatte, kannte er aus der Schulzeit in München. Dazu stieß Armin Bauer, 36, als IT-Experte.

2010 verkauften die Gründer Amiando für etwa elf Millionen Euro an Xing. „Das war zu früh“, sagt Haas heute. „Ist ein solcher Dienst einmal aufgebaut, lässt sich der Umsatz schnell steigern, ohne dass der Aufwand steigt.“ Damals seien sie zu sehr auf den Exit fixiert gewesen. Das soll ihnen nicht noch einmal passieren. Gestartet war IDnow, das noch zu etwa 40 Prozent den Gründern gehört, mit einem Video-Ident-Verfahren.

Kunden können es nutzen, um beispielsweise online ein Bankkonto zu eröffnen. Sie halten dann ihren Personalausweis vor eine Webcam, beantworten im Videochat Fragen und können sich somit den Weg zur Ausweiskontrolle in der Filiale oder bei der Post sparen. Wie hilfreich so ein Service ist, erzählt Bauer, sei ihm klar geworden, als er an einem Wochenende für die Identitätskontrolle Postident nutzen musste.

Während einer vierwöchigen Asienreise, die die Gründer 2012 nach ihrem Ausstieg bei Amiando unternahmen, hatten sie Zeit, das neue Projekt zu planen. Inzwischen zählt IDnow nach eigenen Angaben mehr als 250 Kunden und machte 2018 einen zweistelligen Millionenumsatz, schrieb allerdings noch Verluste.

Der 2012 gegründete Anbieter WebID Solutions hingegen – neben der Deutschen Post größter Wettbewerber – erzielte 2018 nach eigenen Angaben bei elf Millionen Euro Umsatz bereits eine Million Euro Gewinn nach Steuern. Haas ficht das nicht an: „Wir könnten problemlos innerhalb von zwei bis drei Monaten profitabel sein, aber wir priorisieren das Wachstum und investieren in die Weiterentwicklung unserer Technologien.“

Eigentlich hatten sie schon die nächste Idee

Der Ton zwischen den Konkurrenten ist rau. Im vergangenen Jahr trafen sich WebID und IDnow wegen eines Patentstreits vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG). In der ersten Instanz war das Urteil zugunsten des Klägers IDnow ausgefallen. Doch nun soll ein Sachverständiger klären, was tatsächlich vom IDnow-Patent erfasst wird. Zwischenzeitlich hatte IDnow im Rahmen eines Verfahrens beim Europäischen Patentamt sein Patent ändern müssen. Welche Auswirkungen das auf das Verfahren vor dem OLG Düsseldorf hat, ist noch nicht entschieden. Noch dazu strebt auch WebID selbst ein Patent in Europa an.

Es herrscht ein umkämpfter Wettbewerb, und Experten sehen für den Ident-Markt ein großes Potenzial. „Immer mehr Geschäftsvorfälle finden online statt“, sagt Maximilian Harmsen, Berater bei PwC. Dabei gehe es nicht nur um Bank- und Versicherungsgeschäfte.

„Die Geschäftsvorfälle im Internet werden differenzierter und benötigen zum Teil sehr konkrete, verifizierte Informationen wie zum Beispiel die Altersangabe des Nutzers.“ Sowohl IDnow als auch WebID haben ihr Angebot inzwischen erweitert und bieten beispielsweise automatisierte Ausweiskontrollen an – IDnow bezeichnet diese als AutoIdent. Dabei werden die Dokumente mithilfe von Künstlicher Intelligenz überprüft.

Auf das Potenzial in diesem Markt haben sich nun auch die IDnow-Gründer besonnen. Eigentlich hatten sie schon die nächste Unternehmensidee, Haas, von Ferenczy und Bärhold wollten weiterziehen, Bauer wäre Gesellschafter geworden. Schon 2016 hatten sie zu viert auch die Start-up-Beratung UnicornPitch gegründet.

Haas ist zudem seit 2015 Co-Gastgeber der Gründerkonferenz Bits & Pretzels; er hat nach eigenen Angaben in mehr als 100 Start-ups investiert. Mit einem Vollzeitjob bei IDnow ließ sich das schwer vereinbaren. „Wir haben schon früh auf externe Führungskräfte gesetzt“, sagt Haas, „wir wollten uns Raum für andere Projekte schaffen.“ Der erste externe CEO heuerte Ende 2014 an. Eigentlich sollte nur Bauer, der als CTO die Technologie des Unternehmens verantwortet, weiter in Vollzeit bei IDnow bleiben.

Ein „Dream-Team“ in der Führung

Nun kommt es doch anders – ein sehr ungewöhnlicher Schritt, wie Janina Mütze, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Start-ups, feststellt. Häufig führten Gründer erst einige Jahre allein, setzten dann in der Wachstumsphase auf erfahrene Geschäftsführer von außen. „Wenn den Gründern allerdings noch ein größerer Anteil am Unternehmen gehört, ist es nachvollziehbar, dass sie selbst das Wachstum vorantreiben wollen – erst recht, wenn sie bereits Erfahrung mit Start-ups gesammelt haben.“

Haas erklärt: „Wir hatten Sorge, dass dem Unternehmen das Sturm-und-Drang-Element fehlen wird, wenn wir Gründer ausscheiden. Um schnell zu wachsen, braucht es auch Leute, die mit dem Kopf durch die Wand wollen.“ Ab sofort wird er daher als Executive Chairman bei IDnow aktiv.

Seine Aufgabe beschreibt er so: „Der CEO hat die volle und operative Verantwortung für das Unternehmen. Als Executive Chairman ergänze und unterstütze ich.“ So wolle er sich persönlich um die Topkunden und die Vernetzung der Firma kümmern. „Ich sehe mich selbst in der Pusher-Rolle.“

Von Ferenczy werde sich als Chief Growth Officer um Wachstum und Vermarktung kümmern, Bärhold als „Co-Founder Business Development“ für globale Partnerschaften zuständig sein. Bis vor Kurzem war er noch CFO, doch den Posten hat gerade Joseph Lichtenberger angetreten. Der gebürtige Amerikaner, den alle „Joe“ nennen, arbeitet seit knapp 20 Jahren in Deutschland, war schon für Kabel Deutschland, Telefónica und Scout24 tätig.

Als CEO tritt Andreas Bodczek an, der schon früh als Business-Angel in IDnow investiert hatte. „Schon damals hat mich die Geschäftsidee überzeugt, inzwischen ist die Relevanz noch deutlich gestiegen“, sagt der 46-Jährige, der acht Jahre als Geschäftsführer bei Telefónica Deutschland war, als Investor tätig ist und 2009 Fyber, einen Technologieanbieter für mobile Werbung, gegründet hat.

Über Haas sagt Bodczek: „Wir sind auf einer Wellenlänge.“ Haas wiederum bezeichnet die neue Management-Aufstellung als „Dream-Team“. „Wir haben jetzt eine Mischung aus langjährigen Profis und unternehmerischer Gründerenergie.“ Die Ziele sind ambitioniert: Bis 2023 soll der Umsatz auf 100 Millionen Euro steigern. „Wir wollen aus München heraus einen globalen Anbieter aufbauen und in ein paar Jahren an die Börse bringen“, sagt Haas.

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