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Virginie Viard Die neue Chanel-Chefin tritt aus dem Schatten von Karl Lagerfeld

Die diskrete Französin verantwortet künftig die Kollektionen des Pariser Modehauses. Schon in wenigen Wochen muss Viriginie Viard sich beweisen.
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Virginie Viard tritt das schwere Erbe des deutschen Modezars an. Quelle: dpa
Karl Lagerfeld mit seiner Nachfolgerin

Virginie Viard tritt das schwere Erbe des deutschen Modezars an.

(Foto: dpa)

ParisAlle warteten nach der letzten Haute-Couture-Schau von Chanel im Januar in Paris auf Karl Lagerfeld. Der Modeschöpfer war über 36 Jahre immer treu auf dem Laufsteg erschienen, nahm Huldigungen entgegen und beglückwünschte seine Models. Doch an seiner Stelle erschien nach der Show im Ambiente einer italienischen Villa ein wenig zaghaft, schwarz gekleidet Virginie Viard.

Den Modeleuten war die zierliche Dunkelhaarige wohl bekannt, aber nicht dem großen Publikum. Niemand ahnte, dass es der erste große Auftritt der zukünftigen Chanel-Designerin war. So richtig achtete niemand auf die diskrete Französin, alle suchten nur Lagerfeld, der als „müde“ entschuldigt wurde. Die Modewelt spekulierte, ob Phoebe Philo, die vorher bei Celine war, möglicherweise Lagerfelds Nachfolgerin werden könnte. Es kam anders.

Schon am Todestag von Karl Lagerfeld tritt Viard aus seinem Schatten, in dem sie drei Jahrzehnte gestanden hatte. Denn die Nachfolge bei Chanel ist schon geklärt. Viard wird die Kollektionen des französischen Modehauses, das immer noch ein unabhängiges Familienunternehmen ist, entwerfen.

Chanel-Miteigentümer Alain Wertheimer erklärte, er habe „die engste Mitarbeiterin von Karl Lagerfeld seit 30 Jahren“ mit dem Entwurf der künftigen Chanel-Mode beauftragt.

Am 5. März muss sie sich dann ganz allein und nicht als Vertreterin ohne ihren Mentor zum ersten Mal bei den Prêt-à-porter-Schauen in Paris beweisen. Chanel hat sich damit nicht für eine Glamour-Queen entschieden, sondern für eine unprätentiöse Dame, die gerne Schwarz und Jeansjacken trägt. Aber Viard ist eine mächtige Frau.

Kürzlich warf das Handelsblatt einen Blick hinter die Kulissen von Chanel in der Rue Cambon in Paris und erfuhr, wie groß der Einfluss von Virginie Viard ist. In den Chanel-Ateliers hieß es, alles wird mit Karl Lagerfeld – und Virginie Viard – abgestimmt.

Sie begleitet die Chanel-Kollektionen von der Auswahl der Models bis zu den letzten Details der Show. Sie weiß genauso gut wie ihr ehemaliger Meister, was das Erbe von Gabrielle „Coco“ Chanel ausmacht.

Gleichzeitig steht ihr aber die schwierige Aufgabe bevor, auch das Erbe von Karl Lagerfeld weiterleben zu lassen, dieses Multitalentes, der neben seinen Kollektionen fotografierte und auch die Dekorationen und das Ambiente der bombastischen Schauen von Chanel bestimmte.

Aber nicht zum ersten Mal hat sich damit ein Luxushaus für einen seit Langem bewährten Mitarbeiter statt für einen Neuanfang entschieden, auch beim erfolgreichen Alessandro Michele von Gucci ist es so gekommen.

„Wir spüren dieselben Dinge zur selben Zeit“

Ihre berufliche Karriere startete Viard im Kostümdesign für Filme. 1987, als sie als Praktikantin für Stickereien bei Chanel begann, lernte sie Lagerfeld kennen. Sie arbeitete mit ihm auch bei Chloé, setzte seine Entwürfe in Kleider um und wurde 1997 die Direktorin der Chanel-Ateliers.

Karl Lagerfeld sagte über sie: „Sie ist mein rechter Arm und auch mein linker. Es ist nicht nötig zu reden, um sich zu verstehen. Wir spüren dieselben Dinge zur selben Zeit.“ Und sie schwärmte über ihren Mentor: „Er ist die Begegnung meines Lebens.“

Die beiden grundverschiedenen Menschen siezten sich trotz aller Verbundenheit all die Jahre bis zu seinem Tode. Der deutsche Modeschöpfer war für seine scharfe Zunge bekannt, und Viard begeisterte ihn, weil auch sie deutlich ihre Meinung sagte. „Wenn ich etwas zu sagen haben, sage ich es.“

Wie Karl Lagerfeld sucht auch Viard überall nach Inspirationen, sogar in der Archäologie. Ihren eigenen Stil hat sie schon als Kind selbst entwickelt. Viards Großvater war Seidenfabrikant in Lyon, ihre Mutter trug gerne Rykiel oder Chloé.

Viard, die in der Weingegend Bourgogne bei Dijon aufwuchs, schwankt zwischen Rock und Romantik und erlebte die wilden Punkjahre der 1980er in London. Sie trägt gern Vintage-T-Shirts aus den 1970er-Jahren, flache Schuhe und mixt Chanel-Stücke mit Baumwollpullis und Jeans.

Schon seit einiger Zeit war spürbar, dass bei Chanel mit seinen 20.000 Mitarbeitern ein Wechsel anstand. Viard tauchte öfter mit Lagerfeld auf dem Laufsteg auf, so auch im Dezember bei der Kollektion der Handwerkskünste von Chanel, der Métiers d’Art, in New York im Metropolitan Museum.

Glamour interessiert sie nicht

Das Unternehmen, das den Erben der ehemaligen Geschäftspartner von Coco Chanel, Alain und Gérard Wertheimer gehört, hatte zum ersten Mal im vergangenen Jahr seine Zahlen für das Jahr 2017 veröffentlicht. Mit einem Umsatz von fast 9,7 Milliarden Dollar belegt Chanel damit weltweit den zweiten Platz der Luxusunternehmen hinter Louis Vuitton.

Die zurückhaltende Französin hat sich bislang zurückgehalten, aber so manches Statement von ihr ist überliefert. So sprach sie einmal im Magazin „Madame Figaro“ über die Modewelt: „Das ständige Rennen nach Trends und der Ansturm von Kollektionen deprimieren mich. Ich liebe die Mode, die zeitlos ist. Kleidung, die nicht à la mode ist.“

Glamour interessiert sie nicht, sie verehrt Caroline von Monaco für ihren Stil und ihre natürliche Eleganz. Man könnte Lagerfeld sprechen hören. Sie verehrte seine Mode, schwärmt aber auch für die Designer Stella McCartney, Nicolas Ghesquière und Martin Margiela.

Besonders verführerisch findet sie schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt und ein tolles Accessoire dazu: „Nichts, was ins Auge sticht.“ In einem Interview mit dem „Telegraph“ erklärte sie 2017 bezogen auf ihre Arbeit für Lagerfeld: „Ich versuche, ihm zu gefallen, aber auch, ihn zu überraschen.“ Nun muss sie selbst die Modewelt überraschen.

Mehr: Lesen Sie hier den ausführlichen Nachruf Thomas Tumas auf Karl Lagerfeld.

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