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Warenhauskette Karstadt-Eigner René Benko wird Deutschlands Warenhaus-König

Der Österreicher hat bei Kaufhof künftig das alleinige Sagen. Der Milliardär will nun beweisen, dass das deutsche Warenhaus doch noch eine Zukunft hat.
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Der Milliardär gilt als fokussiert und detailversessen, Hobbys hat er keine. Quelle:  Signa
René Benko

Der Milliardär gilt als fokussiert und detailversessen, Hobbys hat er keine.

(Foto:  Signa)

DüsseldorfNun kann sich René Benko mit Fug und Recht Kaufhaus-König von Deutschland nennen: Wie seine Signa-Holding mitteilte, hat er vom früheren Eigentümer Hudson‘s Bay Company (HBC) auch die restlichen Anteile an Kaufhof übernommen. Jetzt will er mit dem fusionierten Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof beweisen, dass das Warenhaus in Deutschland doch noch eine Zukunft hat.

„Man kann das Geschäft nicht nur retten, sondern sogar ausbauen“, hatte der österreichische Investor bereits nach dem Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt im vergangenen Jahr selbstbewusst im Interview mit dem Handelsblatt gesagt. „Wenn ich die Kaufhof-Rettung für aussichtslos hielte, würde ich sie schlicht nicht angehen.“

Damit trennt sich HBC schneller als erwartet wieder komplett von seiner deutschen Kaufhaus-Tochter, mit der der kanadische Handelskonzern nie glücklich geworden war. 2015 übernahm HBC Kaufhof von Metro. Doch bald häuften sich die Verluste, und eine positive Perspektive war nicht absehbar. Ende vergangenen Jahres dann einigte sich HBC-Chairman Richard Baker mit Benko über die Fusion mit dem Konkurrenten Karstadt, der schon damals Signa gehörte.

Doch HBC betonte immer wieder, dass er weiterhin vom Kaufhausgeschäft in Europa profitieren wollte, und behielt deshalb 49,99 Prozent an der operativen Gesellschaft – und 50 Prozent an den Immobilien, die noch im Kaufhof-Besitz waren. Nun aber kommt überraschend schnell der Sinneswandel. Nach Angaben von HBC zahlt Signa eine Milliarde Euro für den Anteil am Joint Venture und die Immobilien.

Die entsprechenden Verträge zwischen HBC und Signa sind bereits unterschrieben worden. Der Vollzug der Transaktion wird für den Herbst erwartet. Er steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Gegen die grundsätzliche Fusion hatte das Bundeskartellamt im vergangenen Jahr jedoch keinerlei Einwände erhoben.

Teil des Pakets sind auch die Galeria-Inno-Filialen in Belgien. Die Kaufhäuser, die in den Niederlanden unter der Marke Hudson‘s Bay betrieben werden, bleiben dagegen vollständig bei HBC. Damit dürfte dieser Geschäftsbereich nur noch geringe Zukunftschancen haben, ist er doch der letzte operative Betrieb von HBC in Europa – und alleine kaum überlebensfähig. HBC selbst teilt nur mit, dass der Konzern für das Geschäft in den Niederlanden, das „nicht die Erwartungen erfüllt habe“, alle Optionen prüfe.

Benko ist bekannt dafür, dass er auch vor scheinbar aussichtslosen Herausforderungen nicht zurückschreckt. Schon im Alter von 17 Jahren machte er sich mit ersten Immobilienprojekten selbstständig. Weil er sich damals fast ausschließlich seinen Geschäften widmete, flog er zum Entsetzen seiner Eltern von der Schule, bevor er die Matura abschließen konnte.

Benko hat ein Imperium errichtet

Seinem Erfolg tat das keinen Abbruch. Seiner „Familie Benko Privatstiftung“ gehören heute 85 Prozent der Signa Holding, die ihr Geschäft mit Immobilien in Österreich, Deutschland und Italien sowie mit Handelsunternehmen macht. Sein Vermögen wird vom Wirtschaftsmagazin „Trend“ auf etwa 3,8 Milliarden Euro geschätzt.

In nicht einmal 20 Jahren hat der heute 42-Jährige ein Imperium aufgebaut, zu dem Top-Immobilien zählen wie das Kaufhaus KaDeWe und der Upper West Tower in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg oder das Chrysler Building in New York. Er ist ein fleißiger Arbeiter, der nach Angaben von Mitarbeitern in der Regel mit weniger als fünf Stunden Schlaf pro Nacht auskommt und morgens um sechs schon Arbeitsanweisungen per E-Mail verteilt.

Benko gilt als komplett fokussiert und detailversessen. Hobbys hat er keine. Sein Privatjet ist ein fliegendes Büro, er reist stets mit vier Rimowa-Koffern voller Akten. Er zählt zahlreiche prominente Namen zu seinen Beratern und Co-Investoren, darunter Roland Berger, Österreichs Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer oder den Fressnapf-Gründer Torsten Toeller.

Das Warenhaus-Geschäft in Deutschland hat er seinem Vertrauten Stephan Fanderl übertragen. Der erfahrene Handelsmanager hat bereits bei Karstadt einen harten Sanierungskurs durchgezogen und soll jetzt durch die Fusion mit Kaufhof weitere Synergien heben.

„Knapp sieben Monate nach dem Zusammenschluss beider Warenhausunternehmen können wir den für alle Mitarbeiter anspruchsvollen und herausfordernden Sanierungs- und Integrationsprozess mit hoher Verlässlichkeit auf der Eigentümerseite fortführen“, sagt Fanderl. Die Entscheidungswege würden nun kürzer und einfacher. „Das ist wichtig und richtig“, sagt Fanderl.

Die Idee einer Warenhaus AG geistert schon seit Jahren durch die deutsche Handelslandschaft. Viele Experten halten das für die einzige Möglichkeit, das notleidende Kaufhaus-Geschäft überhaupt überlebensfähig zu machen. Investor Benko immerhin glaubt fest an die Zukunft des Warenhauses: „In den nächsten Jahren werden wir endlich den Beweis antreten“, sagt er, „Schritt für Schritt“.

Mehr: Der Karstadt-Eigner will seinen Einfluss auf Österreichs größte Zeitung ausbauen. Damit fordert der Milliardär die Eigentümerfamilie Dichand heraus.

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