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Weißbier-Bund Drei Eigentümer von Traditionsbrauereien schaffen eigenes Gütesiegel

Kooperation statt Konkurrenz: Brombach, Maisel und Schneider wollen gemeinsam dafür sorgen, dass ihr Weißbier bei qualitätsbewussten Kunden besser ankommt.
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Mit jeweils zwei Bieren der drei Brauereien wollen die Weißbiermacher für ihr Gütesiegel werben. Quelle: PR
Georg Schneider, Werner Brombach und Jeff Maisel

Mit jeweils zwei Bieren der drei Brauereien wollen die Weißbiermacher für ihr Gütesiegel werben.

(Foto: PR)

München Es kommt nicht oft vor, dass Georg Schneider, 54, in seinem Gasthof in der Münchener Innenstadt mit dem Bier der Konkurrenz anstößt. Ende vergangener Woche setzte der Eigentümer der Brauerei Schneider Weisse freilich ein strahlendes Lächeln auf, als ihm in seinem Brauhaus zwei Gläser mit Erdinger Weißbier und Maisels Weisse entgegengestreckt wurden.

Dabei standen Schneider zwei seiner wichtigsten Konkurrenten gegenüber: Werner Brombach, 79, Eigentümer der Erdinger Brauerei, und Jeff Maisel, 50, Besitzer der Brauerei Maisel aus Bayreuth.

Es hatte seinen Grund, dass sich die drei Wettbewerber ganz und gar harmonisch zuprosteten: Die Unternehmer hatten gerade einen zukunftsweisenden Bund vorgestellt. Gemeinsam haben sie ein Gütesiegel entwickelt, mit dem sie von nun an in den Getränkemärkten um qualitätsbewusste Konsumenten werben wollen. Mit dem Slogan „Bayerische Edelreifung“ weisen sie darauf hin, dass ihr Weißbier sehr kosten- und zeitaufwendig hergestellt werde, dafür aber auch besonders bekömmlich sei.

Gemeinsam haben die Partner genaue Spezifikationen zu Papier gebracht, was die „Edelreifung“ umfasst, und gehen damit nun an die Öffentlichkeit. „Mit dem hohen Standard können wir uns von vielen anderen Brauereien auch in Zukunft unterscheiden“, meint Maisel.

Das sei auch nötig, ergänzt Schneider. Denn: „Der Weißbiermarkt ist hart umkämpft.“ Die drei Mittelständler treten auf der einen Seite gegen Konzerne wie Paulaner oder Franziskaner aus München an, auf der anderen Seite gegen Dutzende kleine bayerische Familienbetriebe.

Das Geschäft der bayerischen Brauer lief zuletzt zwar sehr gut. Vergangenes Jahr kletterte der Absatz um gut drei Prozent auf den neuen Rekordwert von mehr als 24 Millionen Hektoliter. Damit liegen die Bayern dem Bayerischen Brauerbund zufolge deutlich über dem gesamten deutschen Biermarkt.

Bundesweit ging es nur um ein halbes Prozent nach oben. Für das Plus verantwortlich waren allerdings vor allem das gute Wetter und die Fußball-WM. Daher sorgt sich freilich auch die bayerische Branchenvertretung ums Geschäft, denn die alternde Gesellschaft und das größere Gesundheitsbewusstsein sorgten für einen sinkenden Pro-Kopf-Konsum.

Schneider führt seine Brauerei bereits in sechster Generation. Damit auch sein Sohn Georg, 24, einmal den Betrieb in gutem Zustand übernehmen kann, hat er sich nun auf den Bund mit seinen Wettbewerbern eingelassen. „Wir denken nach vorn“, sagt der Betriebswirt und Diplom-Braumeister. „Das ist ein Zeichen für die neue Zeit.“

In bayerischen Getränkemärkten verkaufen die drei Brauer nun ein gemeinsames „Tragerl“, einen Bierträger also, mit je zwei Flaschen Weißbier der beteiligten Brauereien. Auf dem Karton sind die drei Brauereibesitzer abgebildet.

Erdinger-Eigner Brombach sieht sich durch die Zusammenarbeit der drei Weißbierspezialisten als Vorreiter: Das sei ein „Vorbild für den ganzen Brauerbund“, meint der Kaufmann und Diplom-Braumeister. Brombach kennt die Branche in- und auswendig. Seit mehr als 40 Jahren führt er den Betrieb mit 530 Mitarbeitern. Es sei wichtig, die Traditionen den Käufern zu vermitteln, meint er.

Die Konkurrenz geht derweil andere Wege und orientiert sich eher am Zeitgeist. „Der Klimaschutz gewinnt täglich an Bedeutung“, sagt Hofbräu-Direktor Michael Möller. Der Chef der Staatsbrauerei buhlt daher um eine ökologisch bewusste Kundschaft mit klimaneutralem Oktoberfestbier.

Die drei Weißbierbrauer betonen, dass sich ihrem Bund auch Wettbewerber anschließen könnten – sofern sie den selbst formulierten Ansprüchen genügen. So schnell wird aber wohl kaum ein Konkurrent dazustoßen. Schließlich hat schon der Dreier‧verbund anderthalb Jahre gebraucht, um sich zusammenzuraufen.

Mehr: Zechen mit gutem Gewissen: Das größte Volksfest der Welt gibt sich umweltbewusst. Dieses Jahr schenken die Wirte in München erstmals klimaneutral produziertes Bier aus.

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