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Werbemanagerin Kim Notz will die Agentur KNSKB+ in die Zukunft führen

Die 38-Jährige ist neue Sprecherin der Geschäftsführung der Hamburger Traditionsagentur. Ein solcher Generationswechsel ist in ihrer Branche selten.
18.01.2020 - 10:42 Uhr Kommentieren
Die 38-Jährige ist dafür, mehr auf die eigene Marke zu achten. Quelle: KNSK
Kim Alexandra Notz

Die 38-Jährige ist dafür, mehr auf die eigene Marke zu achten.

(Foto: KNSK)

Düsseldorf Als sie im siebten Monat schwanger war, kam die entscheidende Frage. Willst du in die Geschäftsführung der Traditionsagentur KNSK einsteigen, fragten die Gründer Detmar Karpinski und Werner Knopf 2015 die damals 34-jährige Kim Notz. „Jungs, meinen Babybauch seht ihr aber schon, oder?“, soll sie entgegnet haben. „Klar, aber wie wir dich kennen, kommst du sowieso schnell wieder zurück“, kam als Antwort.

Das tat sie, keine acht Wochen nach der Entbindung. So weit, so unkompliziert. Notz, die ruhige Werbemanagerin, ist jetzt Sprecherin der Geschäftsführung der 180 Mitarbeiter starken Hamburger Agentur, die sich inzwischen in KNSKB+ umbenannt hat. Sie steht für den anstehenden Generationswechsel in der Traditionsagentur, die sich vor allem einen Namen mit ihrer Werbung für die SPD und deren Kanzlerkandidaten gemacht hat.

Ein Wandel, der zu gelingen scheint. Das ist ungewöhnlich in einer Branche, die sich über ihre Agenturchefs und Ausnahmekreativen definiert. Nach der ersten fulminanten Gründergeneration ist oft Schluss, an einen Generationswandel nicht zu denken.

Kultagenturen wie Springer & Jacoby mussten nach dem Ausscheiden der Gründer Insolvenz anmelden; andere inhabergeführte Agenturen wie Scholz & Friends, Heimat, Thjnk oder Hirschen Group wählten den Weg des Verkaufs oder Teilverkaufs an einen internationalen Werbekonzern; und wieder andere Kreativdienstleister verbündeten sich mit Unternehmensberatungen, wie etwa die Agentur Kolle Rebbe, die von Accenture übernommen wurde.

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    Wie auch immer der Weg aussieht: Am Ende sinkt die Zahl der großen inhabergeführten Werbeagenturen in Deutschland stetig. Es gibt nur wenige Beispiele, in denen ein Generationswechsel gelang. Die Münchener Agentur Serviceplan, die in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum feiert, gilt dabei als Vorzeigebeispiel.

    Der Übergang von Vater Peter Haller zu Sohn Florian Haller im Jahr 2002, als der Junior die Hauptgeschäftsführung übernahm, war geräuschlos. Ähnliches peilt nun auch KNSKB+ an. „Wir lassen uns viel Zeit“, beschreibt Notz die Vorgehensweise, „es gibt keinen geplanten Exit der Gründer.“ Sie sei umgeben von Herren, die auf eine lange Karriere zurückblicken.

    Noch viele Ziele

    Agenturgründer Karpinski ist 60 Jahre alt, sein Compagnon Knopf zählt 64 Jahre, und Manfred Bissinger ist 79 Jahre. „Ich habe den Auftrag, die Agentur zukunftsfähig aufzustellen“, bemerkt sie. Als neuen Kreativchef hat sie jüngst den 42-jährigen Florentin Hock verpflichtet, der zuvor bei Jung von Matt arbeitete.

    Notz verteidigt die Unabhängigkeit der Firma. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns an ein Network verkaufen“, sagt sie. „Dafür habe ich noch zu viele Ziele.“ Schon einmal gab es in der Geschichte der Hamburger Agentur einen Ausflug in die Welt der internationalen Networks: Als die Gründer einen Teil ihrer Firma an den amerikanischen Werbekonzern Omnicom verkauften.

    Das brachte zwar Geld in die Kasse, nahm dem kreativen Unternehmern aber seine Unabhängigkeit. Frust entstand. 2011 kauften sie ihre Anteile wieder zurück. Die Partner haben die 1987 gegründete Agentur umgebaut. Die Content-Marketing-Agentur Bissinger+, gegründet von dem Publizisten Manfred Bissinger, sowie die firmeneigene Strategieberatung Die Neue Vernunft wurden fusioniert – danach hieß die Firma KNSKB+.

    Der Umsatz der inhabergeführten Agentur liegt bei 18 Millionen Euro, die Geschäfte laufen laut Notz „veritabel profitabel“. Zu den großen Kunden gehören Evonik, Camel, Signal Iduna und das ZDF. Notz‘ Auftrag besteht nicht nur darin, die Agentur in die Zukunft zu führen. Sie soll gleichermaßen die gesamte deutsche Agenturbranche in eine neue Richtung lenken.

    Ende vergangenen Jahres ließ sich Notz in den Vorstand des Branchenverbands GWA wählen. Dort besetzt sie das Thema Zukunft der Agenturen. Das Image der kreativen Dienstleister, so sieht es die Branche selbstkritisch, könnte heller strahlen. Hinzu kommen immer komplexere Aufträge der Werbekunden. Darauf gilt es zu reagieren.

    „Der analytische, strategische Blick auf die Vielfalt unserer Branche macht Kim Notz zu einer besonders wertvollen Gesprächspartnerin, wenn es um die Herausforderungen der Zukunft geht“, sagt Benjamin Minack, Präsident des Branchenverbands GWA und Inhaber der Berliner Agentur Ressourcenmangel.

    Notz kennt keine Rockstarallüren. Ihre eigene Branche sieht sie zuweilen kritisch: „Viele Agenturen jammern den alten Zeiten hinterher. Damals waren Werber Rockstars. Ihnen wurde der rote Teppich ausgerollt.“ Doch das ist schon lange her.

    Die Sprache der Berater

    Notz plädiert dafür, mehr auf die eigene Marke zu achten. „Menschen folgen Menschen, die stark und selbstbewusst sind“, sagt sie, „und ich glaube, dass das für Marken gleichermaßen gilt.“ Sie will sich in der Stärke treffen, nicht in der Schwäche.

    Sie lehnt es ab, immerzu auf den Wettbewerb zu achten, auf jeden Trend aufzuspringen und dabei den eigenen Markenkern zu vernachlässigen. „Wenn man vernünftig an viele Probleme geht, könnte man das viel beobachtete Markensterben durchaus aufhalten.“

    Notz spricht die Sprache der Berater. Drei Jahre bei der Beratung Ernst & Young haben sie geprägt. „Ich habe außerdem ein Jahr als Controllerin gearbeitet“, sagt sie. Ein Satz, der ihr in einer kreativen Branche, die mit harten Unternehmenszahlen fremdelt, Respekt einflößt.

    Im Kundengespräch hinterfragt sie oft die Aufgabenstellungen der Unternehmen. Interessant, sagt sie dann, aber warum sollen wir das tun, was bringt Ihnen das überhaupt für Ihr Geschäft? Zur Werbebranche kam sie vor sieben Jahren über Bissinger, der sich im Alter von 72 Jahren mit einer eigenen Content-Marketing-Agentur selbstständig machte. Damals der letzte Schrei.

    Er holte Notz als Verstärkung, damals 32 Jahre alt, die mit ihm die Agentur aufbaute. Zwischen den beiden lag mehr als eine Generation. Notz brauchte trotzdem nicht lange zum Überlegen. Sie sagte zu. Es gibt Themen, die sie grundsätzlich anders angeht als andere Agenturchefs.

    „Ich bin für eine Demokratisierung der Kreation“, erklärt sie. Werbekunden fänden es gut, wenn sie selbst Bestandteil des Lernprozesses sind. „Agenturen müssen mehr zu Coaches werden. Kunden wollen nicht mehr zu hundert Prozent abhängig sein.“

    Mehr: Werbeagentur Jung von Matt zielt mit neuer Tochter auf die Nerds. Toan Nguyen gründet innerhalb des Unternehmens eine Agentur für „digitale Popkultur“.

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