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Werkzeughändler Würth-Mitarbeiter kommen Betriebsratswahl näher

Bei einer Betriebsversammlung des Werkzeughändlers wurde ein Wahlvorstand eingesetzt. Für das Familienunternehmen steht eine Kehrtwende an.
Update: 03.06.2019 - 17:29 Uhr Kommentieren
Im Vorfeld der Wahl hatte eine Betriebsratsinitiative für Unruhe gesorgt. Quelle: dpa
Würth-Beschäftigte in Künzelsau

Im Vorfeld der Wahl hatte eine Betriebsratsinitiative für Unruhe gesorgt.

(Foto: dpa)

Künzelsau Ohne Aufregung ist der Startschuss für die erste Betriebsratswahl beim Werkzeughändler Würth gefallen. Am Montag wurden bei einer Betriebsversammlung drei Mitarbeiter in den Wahlvorstand gewählt, wie ein Firmensprecher sagte. Der hat die Aufgabe, in den kommenden Wochen die Wahl vorzubereiten.

Rund 2000 der insgesamt 7200 Mitarbeiter der Adolf Würth GmbH & Co KG waren der Einladung zur Betriebsversammlung gefolgt. In der Zentrale der Würth-Gruppe mit weltweit gut 77.000 Beschäftigten wurden die Mitarbeiter bislang nur durch einen Vertrauensrat ohne jegliche gesetzliche Rechte – etwa bei Personalentscheidungen – vertreten.

Ob sich durch die Betriebsratswahl etwas ändert – da waren sich die Würth-Mitarbeiter, die sich am Montag bei strahlendem Sonnenschein und 30 Grad auf den Weg ins Carmen-Würth-Forum neben der Firmenzentrale machten, nicht so sicher. Einige wollten sich erstmal auf der Veranstaltung ein Bild machen. Die meisten wollten sich lieber nicht äußern.

„Viel ändern wird sich nicht“, sagte ein Beschäftigter, der wie viele im schwarzen T-Shirt mit dem rotem Firmenlogo ankommt. Der Vertrauensrat habe gut funktioniert. Ein anderer in der gleichen Arbeitskluft findet gut, dass es künftig einen Betriebsrat geben soll - mit gesetzlichen Rechten und Pflichten. Der Vorsitzende des bisherigen Vertrauensrats, Andreas Lang, betonte, das bringe aber auch Verantwortung mit sich. „Ich hoffe, dass das jeder versteht.“

In den kommenden Wochen werden nun die Kandidaten für die eigentliche Betriebsratswahl aufgestellt. Der am Montag gewählte Wahlvorstand organisiert die Wahl und legt beispielsweise fest, wer überhaupt wählen darf. Danach bemisst sich zum Beispiel die Größe des Betriebsrates. Beim Unternehmen geht man von 35 Mitgliedern aus, die der Betriebsrat haben wird.

Der örtliche IG-Metall-Bevollmächtigte Uwe Bauer hatte im Vorfeld von einer Kehrtwende bei dem Familienunternehmen gesprochen. „Die Stimmung ist nicht alltäglich. Es herrscht eine gewisse Anspannung“, sagte er am Montag.

Im Vorfeld der Wahl hatte es einige Unruhe in dem Unternehmen gegeben. Eine Betriebsratsinitiative hatte in sozialen Medien für Aufregung und letztlich den entscheidenden Anstoß gesorgt. Einem der Initiatoren, Daniel Hurlebaus, hatte das Unternehmen bereits mehrfach gekündigt.

Die Firma warf ihm einen schweren datenschutzrechtlichen Verstoß vor. Hurlebaus habe in Mails an Mitarbeiter für die Initiative geworben und darin Links zu Videos verschickt, die mit einem sogenannten Tracking-System verbunden gewesen seien.

Dem Unternehmen zufolge gingen aus den verschickten Links auch Verbindungen zur Arbeitnehmervertretung „Zentrum Automobil“ hervor, die sich zum Ziel gesetzt habe, rechte Betriebsräte in Unternehmen zu fördern. Hurlebaus, der aus seiner AfD-Mitgliedschaft keinen Hehl macht, weist die Vorwürfe zurück. Der Streit wird nun vor dem Arbeitsgericht ausgefochten. Zudem betonte Hurlebaus - genau wie seine Mitstreiter - dass keinerlei parteipolitisches Engagement hinter seiner Initiative stecke.

Um dem Hick-Hack ein Ende zu setzen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen, hatten schließlich vier andere Würth-Mitarbeiter zur entscheidenden Betriebsversammlung eingeladen. „Die Videobotschaften, Presseberichte und Einträge in sozialen Netzwerken werfen kein gutes Licht auf unserer Unternehmen, die Eignerfamilie und letztendlich auch auf uns als Würth-Mitarbeiter“, schrieben sie in ihrer Einladung.

Drei von ihnen stellen nun auch den Wahlvorstand. Das Placet des Firmenpatriarchen Reinhold Würth haben sie. Nach Angaben des Unternehmens steht die Familie hinter der Betriebsratsgründung.

Mehr: Vorstandschef Robert Friedmann muss einen Betriebsrat zulassen. Dass die Forderung danach von einem AfD-Mitglied kam, hat den Ruf von Würth belastet.

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