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Werner Bahlsen im Interview „Clans mit eigenen Spielregeln haben hier nichts zu suchen“

Werner Bahlsen engagiert sich für Vielfalt in Konzernen. Im Interview wirbt der Unternehmer für Akzeptanz von Zuwanderung – mit klaren Regeln.
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Der Bahlsen-Chef unterstützt die Initiative von Timm Mittelsten-Scheid. Quelle: Franz Bischof für Handelsblatt
Werner Michael Bahlsen

Der Bahlsen-Chef unterstützt die Initiative von Timm Mittelsten-Scheid.

(Foto: Franz Bischof für Handelsblatt)

HamburgWerner Bahlsen unterstützt mit seinem Familienunternehmen die Initiative „Made by Vielfalt“ von Vorwerk-Gesellschafter Timm Mittelsten-Scheid. Im Interview spricht er über die Gründe.

Herr Bahlsen, weshalb macht ein Kekshersteller bei einer Initiative für Vielfalt mit?
Es ist wichtig, dass Familienunternehmen Zeichen setzen in einer Zeit, in der verschiedene Strömungen aufkommen. Es darf durch die Migrationswelle, die vielleicht etwas heftig war in den vergangenen Jahren, nicht dazu kommen, dass wir uns einigeln – wie es in Italien oder den USA propagiert wird. Wir legen Wert darauf, dass wir eine offene Gesellschaft sind.

Haben sich Unternehmer dazu zu wenig geäußert?
Jeder kümmert sich zunächst eben um seine Geschäfte. Es gab aber immer wieder Initiativen, gerade von Familienunternehmern. Große Konzerne müssen viel Rücksicht nehmen, Familienunternehmer können freier Stellung beziehen.

Lernen Sie dabei auch aus der Brexit-Diskussion? In England und Wales spielten Vorbehalte gegen EU-Zuwanderer aus Osteuropa ja eine große Rolle im Referendum.
Ja, da ist wahnsinnig viel schiefgegangen, es gab viel zu viel Emotionalität. Wir müssen klarmachen: Unser Wohlstand hängt am freien Handel – und der hängt in Europa zusammen mit offenen Grenzen für Ausländer. Dass heute Franzosen, Deutsche und Polen zusammenarbeiten, hat sich noch vor 50 Jahren keiner vorstellen können. Darum gilt es zu kämpfen!

Zugleich gibt es – auch getrieben von der AfD – eine Diskussion um zu viel „Political Correctness“. Stoßen Sie mit der Kampagne nicht Mitarbeiter vor den Kopf, die mit der AfD sympathisieren?
Das ist mir relativ egal. Wenn ich klar meine Meinung sage, muss ich Widerspruch aushalten. Wir lassen uns als Unternehmer in keine Ecke schieben. Wir brauchen Fachkräfte aus aller Welt. Die offene Gesellschaft macht uns stark.

Gibt es offene Vorbehalte unter Mitarbeitern bei Ihnen gegen eine diversere Belegschaft?
Bei uns arbeiten so um die 50 Nationalitäten. Das funktioniert gut. Jede Volksgruppe hat Eigenheiten, die uns bereichern. Wir machen aber klar: In Deutschland gelten Werte wie Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung. Es kommen hervorragend ausgebildete Menschen etwa aus Osteuropa. Unsere beiden Werke in Krakau gehören zu unseren effizientesten – eine reine Freude.

Fürchten die Menschen dann nicht zu Recht, dass Zuwanderung die Konkurrenz um Jobs erhöht?
Das ist doch eine Diskussion von vorgestern. Wir haben Vollbeschäftigung und suchen dringend Mitarbeiter. Zudem verdienen Ausländer in Deutschland ebenso viel wie Inländer, nehmen also keine Arbeitsplätze weg. Allerdings müssen sich Deutsche bei Bildung und Weiterbildung genauso strecken wie andere.

Spüren Sie umgekehrt bei Fachkräften, die Sie aus dem Ausland anwerben wollen, Vorbehalte?
Nein, ganz im Gegenteil. Deutschland ist hochattraktiv – auch für EU-Ausländer, die Großbritannien verlassen wollen, weil sie nach dem Brexit dort keine Zukunft für sich sehen. Die Engländer selbst werden allerdings unter dem Abwandern von Arbeitskräften leiden – etwa im Gesundheitswesen.

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Wie sehr können Unternehmen bei der Integration von unqualifizierten Geflüchteten helfen?
Viele Familienunternehmen machen etwas. Wir haben zum Beispiel in unseren Werken Mentoren-Familien. Wir erwarten aber von den Leuten, die zu uns kommen, dass sie sich engagieren – angefangen bei der Sprache.

Geht die Aktion noch weiter – auch über die Anzeigen hinaus?
Das wissen wir noch nicht genau, aber ich kann es mir gut vorstellen. Es ist ja jetzt alles, was Rang und Namen hat, von Oetker über Trumpf bis Miele, dabei.

Sie sind Präsident des Wirtschaftsrats der CDU. Ist die härtere Rhetorik von Annegret Kramp-Karrenbauer in Sachen Migration richtig?
Ja. Für eine ungeregelte Zuwanderung bin ich nicht. Wer hierherkommt, muss sich an Werte halten. Clans mit eigenen Spielregeln etwa haben hier nichts zu suchen. Trotzdem müssen wir die Grenzen offen halten. Die Amerikaner etwa werden noch sehr teuer dafür bezahlen, dass sie sich einigeln.

Herr Bahlsen, vielen Dank für das Interview.

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