Whats3words-Chefin Clare Jones Diese 29-Jährige will den Navigationsmarkt revolutionieren

Mit dem Start-up What3words will Jones das Navigieren weltweit vereinfachen. Dafür interessieren sich nicht nur Daimler oder die Deutsche Bahn.
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What3words: Startup will Navigation mit App vereinfachen Quelle: Jonas Holthaus/What3words/PR
Clare Jones

Ihr Start-up teilt die Welt in drei mal drei Meter große Abschnitte ein.

(Foto: Jonas Holthaus/What3words/PR)

AachenClare Jones gehört zu der Sorte von Menschen, denen offenbar nichts schwerfällt. Zudem gibt die 29-Jährige ihrem Gegenüber das Gefühl, sie sei nur für ihn da: Stets herzlich und im feinen britischen Englisch, das eher an eine Teestunde in feiner Gesellschaft als an ein anspruchsvolles Geschäftstreffen in einem Konferenzraum erinnert.

Solche Gespräche gehören momentan fast zum täglichen Repertoire von Jones. Davon zeugen nicht nur die Visitenkarten, die sie dezent in ihrer Tasche verschwinden lässt. Sie ist auch Stammgast auf vielen Tech-Veranstaltungen, auch in Deutschland: Ob Cebit in Hannover, Tech Open Air in Berlin oder auf der Konferenz „Metropolitan Cities“, die Ende vergangener Woche in Aachen stattfand.

Mittlerweile ist Jones so oft in Deutschland, dass sie sogar ein wenig Deutsch spricht: Mit ihrem Team fahre sie viel in ländliche Regionen, wo die Adressen häufig nicht passgenau wären, erzählt sie dem Handelsblatt: „Also musste ich ein paar deutsche Richtungsangaben lernen wie etwa rechts, links oder ‚fahren Sie geradeaus‘.“

Jones’ Taxifahrer scheinen noch nichts von dem revolutionären System gehört zu haben, von dem sie nicht nur deutsche Konzernlenker überzeugen will. Die gebürtige Londonerin ist die Geschäftsführerin (CCO) des Start-ups What3words. Das Unternehmen teilt die Welt in drei mal drei Meter große Abschnitte ein.

Aus drei Wörtern entstehen Geokoordinaten

Den jeweiligen Geokoordinaten werden Adressen aus drei Wörtern zugeteilt – auch dort, wo es vielleicht gar keine Straße oder gar ein nennbares Ziel gibt. Beispiel: Das Brandenburger Tor findet sich etwa unter „rahmen.eiche.locken“.

Die Welt ist eingeteilt in drei Worten – und das in Deutsch, Englisch, Japanisch –, bald schon wird auch Chinesisch folgen. Von den Vorzügen der neuen Weltvermessung überzeugt Managerin Jones nicht nur immer mehr Unternehmen. Sie nutzt die Technologie auch für ihre zwei großen Leidenschaften: das Reisen und die Wohltätigkeit.

Auf der „Metropolitan Cities“ in Aachen sprach die Managerin auch über Vertrauen. Auf dem Kongress, den Günther Schuh, Geschäftsführer der RWTH Aachen Campus GmbH, und Michael Mronz, Chef der Rhein Ruhr City GmbH zusammen mit Partnern wie Allianz, Daimler, Evonik oder Vodafone ins Leben gerufen haben, versammelten sich Experten und Konzernlenker, um über die Zukunft der Stadt zu diskutieren. Anlass ist die geplante Bewerbung der Region für die Olympischen Spiele 2032. Dabei ging es vor allem um die Zukunft der Mobilität – zum Beispiel das autonome Automobil.

Geht es nach Jones, soll What3words da natürlich eine entscheidende Rolle spielen: „Wer heutzutage ein Taxi nutzt, kann dem Fahrer genaue Anweisungen geben, wo es langgehen soll.“ Wenn man irgendwann aber keinen mehr habe, werde es schon komplizierter.

Im schlimmsten Fall sei man dann in einem Roboterauto eingeschlossen, das einen zur falschen Adresse fahre: „Es ist sehr wichtig, dass Menschen dieser Technologie vertrauen – sonst werden sie sie nicht benutzen.“ Ein Schlüsselelement dabei sei es, wie sehr Menschen darauf vertrauen könnten, dass sie ans richtige Ziel kämen.

Die Idee überzeugt auch Konzerne wie Daimler

Die Idee von What3words begeistert auch den Autobauer Daimler. „Bis zum Jahr 2020 werden wir den Standard in allen Autos etablieren“, kündigt Forschungsvorstand Ola Källenius bereits auf der Handelsblatt-Veranstaltung „Pathfinder“ im Mai an.

Auch die Deutsche Bahn stieg mit ihrem Start-up-Fonds in das Unternehmen ein. „Deutsche Unternehmen spielen eine Schlüsselrolle für uns, weil unser System nicht nur für Endverbraucher funktioniert. Man denke zum Beispiel an den Logistikbereich“, erklärte Jones im Rahmen der Cebit: „Ein Fahrer kann die 3-Wörter-Adresse erhalten und die richtige Adresse finden, obwohl er die Landessprache nicht beherrscht.“

Dass sie heute mit Vorstandsmitgliedern parliert und auf Konferenzen spricht, war zu Beginn ihrer Karriere nicht in diesem Maße abzusehen. Die Britin hat nicht Betriebswirtschaftslehre, sondern englische Literatur und Geografie studiert, was gut zum Geodienst mit den drei Wörtern passen könnte: „Es war nur ein Zufall“, versichert Jones, „aber es hat am Ende dann natürlich Sinn ergeben.“

Nach ihrem Studium arbeitete Jones vor allem in „Social Impact“-Projekten mit Nichtregierungsorganisationen, also in Maßnahmen, die das Leben von sozial Benachteiligten verbessern sollen. Die Managerin sei schon immer an der Kombination aus Geschäft und Sozialem interessiert.

Und so begann sie für Investoren zu arbeiten, die sich auf soziales Unternehmertum spezialisiert hatten. Sie sei vom Konzept fasziniert gewesen, das die Gründer von What3words erdacht hatten, erzählt Jones: „Nicht nur weil es ein Unternehmen mit riesigem Potenzial ist, sondern weil es eine Idee ist, um die Welt zu verbessern.“ Ohne die kommt ja bekanntlich fast kein Start-up aus – egal ob in London, Berlin oder im Silicon Valley.

Ohne Weltrettung kein Geschäftsmodell

Für Jones sind soziale Schwerpunkte in Unternehmen keine Phrasendrescherei: Sechs Jahre lang arbeitete die Londonerin jeden Montag in ihrer Heimatstadt mit obdachlosen und schutzlosen Prostituierten: „Sie haben oft kein Zuhause, keine Adresse und so auch keinen Zugriff auf rudimentäre Hilfestellungen.“ Für die, die ihnen helfen wollten, wie Gesundheitsdienste, Sozialarbeiter oder spezielle HIV-Teams, mache das die Angelegenheit extrem schwer. Jones findet, dass das ein weltweites Problem sei.

Die Managerin bei What3words macht es stolz, dass ihre Lösung nicht nur Unternehmen hilft, sondern auch in Krisensituationen. Nach einem schweren Erdbeben in Mexiko City etwa hätten Retter dank der drei Wörter viel schneller helfen können. In Südafrika nutzten ein Ärzteteam und Gesundheitsdienste What3words, um Müttersterblichkeit in den Townships zu bekämpfen, berichtet Jones.

Die Ärzte verwendeten die App, um Patienten zu finden und ihnen die Adresse mitzuteilen, die dann einfacher gefunden werden könnte: „Und weil sich die Adresse niemals ändert, können sie diese auch Leuten geben, die gar kein Smartphone haben.“

Neben der Wohltätigkeit ist es noch eine andere Sache, die Jones Freude macht. Auf vielen Geschäftsterminen hat sie einen Reiseführer mit. In Aachen ist es einer über die Mongolei. Das liegt daran, dass manche Verleger mittlerweile die What3words-Adresse mitabdrucken: „Ich habe die Welt als Teenager durch Reiseführer entdeckt“, sagt Jones. Dass es jetzt welche mit der Adresse von What3words gebe, mache sie ziemlich stolz.

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3 Kommentare zu "Whats3words-Chefin Clare Jones: Diese 29-Jährige will den Navigationsmarkt revolutionieren"

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  • Eigentlich eine triviale Idee einfach eine komplexe Koordinate bzw sogar zwei Koordinaten mit drei Worten zu beschreiben. Genial und simpel so wie man das heutzutage erwartet.
    Sehr gute Rednerin und absolut überzeugt von sich und der Idee. Sehr schön ihr zuzuhören.
    Wünsche Ihr da für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg. Vielleicht sieht man Sie ja hier öfter beim Hb.

  • Ich habe in der letzten Woche auf einer Konferenz einen Vortrag von der jungen Dame zu dem Thema gehört. So emotional, überzeugend und angenehm hat schon lange keiner seine Geschäftsidee präsentiert. Ein m. E. sehr interessanter Vorschlag!

  • Finde ich eine gute Idee. 3 normale deutsche Worte lassen sich leichter merken, insbesondere wenn sich diese zu einem kleinen Merksatz / Witz verbinden lassen

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