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Wickert Maschinenbau Ein Maschinenbauer aus der Pfalz macht die globale Impfkampagne erst möglich

Der Maschinenbauer Wickert stellt Pressanlagen her, mit denen die Verschlussstopfen der Ampullen gefertigt werden. Der Impf-Boom kam für den Mittelständler gerade rechtzeitig.
26.05.2021 - 12:35 Uhr Kommentieren
Um die Lieferzeiten zu verkürzen, hat Wickert die Produktion beschleunigt und die ersten acht Pressen mit dem Riesenfrachter Antonow An-124 zu den Kunden fliegen lassen. Quelle: Wickert Maschinenbau
Verladung einer Pressmaschine ins Flugzeug

Um die Lieferzeiten zu verkürzen, hat Wickert die Produktion beschleunigt und die ersten acht Pressen mit dem Riesenfrachter Antonow An-124 zu den Kunden fliegen lassen.

(Foto: Wickert Maschinenbau)

Düsseldorf Seit einem Jahr stehen die Maschinen von Hans-Joachim Wickert nicht mehr still. Die Pressanlagen, die in Landau in der Pfalz produziert werden, sind ein kleiner, aber unverzichtbarer Teil des Kampfes gegen die Corona-Pandemie: Pharmazulieferer stellen damit Verschlussstopfen für Impfstoffbehälter her. Diese sollen sicherstellen, dass der Impfstoff steril abgefüllt und sicher verschlossen ist.

„Plötzlich wurde uns klar: Ohne unsere Pressen kann der Impfstoff nicht abgefüllt werden“, erklärt der Firmeninhaber. Das Familienunternehmen Wickert Maschinenbau wurde über Nacht „zum Hersteller kritischer Infrastruktur“, bestätigt Florian Mikulasch, Experte für Kunststoff- und Gummimaschinen beim Branchenverband VDMA.

Im Frühjahr 2020 erhielt Weltmarktführer Wickert Großaufträge von Pharmazulieferern aus der ganzen Welt. Mehrere Milliarden Impfampullen sollten innerhalb weniger Monate produziert werden.

Je nach Einstellung kann eine Maschine 300.000 bis 500.000 Stopfen pro Tag herstellen, erklärt Wickert. „Wir mussten mehr Personal einstellen, um die Produktionszeiten zu verkürzen. Fachkräfteteams haben regelmäßig Zusatzschichten am Wochenende eingelegt. Es war ein enormer Druck.“

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    Den lässt sich der Diplom-Ingenieur nicht anmerken. Er spricht ruhig, wägt jedes Wort ab und wirft immer wieder einen Blick in seine Notizen. Sein Unternehmen konnte die Nachfrage schnell befriedigen, verkürzte die Lieferzeit von zehn auf sechs Monate und sparte weitere 25 Tage durch den Transport per Luftfracht statt mit dem Schiff.

    Großaufträge von Pharmazulieferern aus der ganzen Welt. Quelle: Wickert Presstech
    Hans-Joachim Wickert

    Großaufträge von Pharmazulieferern aus der ganzen Welt.

    (Foto: Wickert Presstech)

    Nur ein Flugzeugtyp der Welt, die Antonow An-124, kann die jeweils 45 Tonnen schweren Maschinen transportieren. Vom Flughafen Hahn schickt das Unternehmen seine Pressen ins Ausland.

    Die Nachfrage kam gerade recht, sagt Wickert, denn im letzten Quartal 2019 brachen viele Aufträge aus der Autoindustrie weg. Ursache sei der Wandel der Branche zur Elektromobilität. Seine Maschinen pressen vor allem komplexe Getriebeteile, die in Elektroautos nicht verbaut werden.

    Wickert baut seit 120 Jahren Pressanlagen

    Im Frühjahr 2020 gingen dann auch aus der Flugzeugindustrie die Aufträge zurück. „Wir waren froh, die Einbußen mit dem Boom in der Pharmabranche ausgleichen zu können“, sagt Wickert. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 172 Mitarbeiter und machte im Vorkrisenjahr knapp 40 Millionen Euro Umsatz.

    Wickert baut seit 120 Jahren Pressanlagen, damals für den Wein- und Obstbau, später für die Automobil- und Pharmaindustrie. Seit 2003 fertigt der Konzern pharmazeutische Verpackungen, etwa für den Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs.

    Bei der Fertigung von Impfstoffkappen bedarf es „besonderer Präzision“, erklärt Wickert, der das Unternehmen 1976 von seinem Vater übernahm. Die Anforderungen an Sauberkeit seien enorm. „Schon Partikel mit einer Größe von drei Mikrometern, also 0,003 Millimetern, gelten als Verschmutzung“, erklärt er. Zum Vergleich: Ein feines menschliches Kopfhaar ist etwa zehnmal so dick.

    „Es gibt nicht viele Wettbewerber auf dem Markt, die solche Pressen herstellen können“, erklärt Florian Mikulasch vom VDMA. Wickert sei „ein typischer Hidden Champion“. Auf der Straße kenne niemand den Namen, in Fachkreisen wisse man dagegen, dass er „seine Sache gut macht“.

    Das Unternehmen habe seine Produktion schnell ausweiten können, weil es mit den Anforderungen auf dem deutschen Markt vertraut sei. Gummistopfen, die zur Verpackung von Impfstoffen eingesetzt werden, benötigten eine Zulassung der zuständigen Behörden.

    Wenig Chancen für Quereinsteiger

    „Damit Milliarden von Impfampullen pharmakologisch rein sind und sicher schließen, müssen sie bestimmte Eigenschaften erfüllen“, sagt Wickert. Etwa sollten sie den Impfstoff bei Plus- und Minusgraden gleichermaßen abdichten. Gerade in Deutschland sind die Anforderungen an die Maschinen hoch, erklärt Mikulasch. Das verhindere, dass „Quereinsteiger von heute auf morgen konkurrenzfähig werden“.

    Seine Firmenphilosophie fasst Wickert in wenigen Worten zusammen. „Wir versuchen, die Probleme unserer Kunden zu lösen.“ Den Ansatz verdeutlicht er an einem Beispiel: Sein Kunde, ein Produzent hochreiner Kunststoffteile für den Sanitärbereich, klagte über Farbunreinheiten auf den Produktflächen.

    Die kamen dadurch zustande, dass sich die Maschine beim Farbwechsel nicht vollständig reinigen ließ, erklärt Wickert. Daher baute er für jede Farbe ein eigenes Wechselteil, sodass eine Reinigung überflüssig wurde. „Heute ist der Kunde Weltmarktführer.“

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