Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wildling Shoes Gründerin Anna Yona hat mit Barfußschuhen Erfolg dank Crowdfunding

Anna Yonas Kinder liefen in Israel nur barfuß. Zurück in der Heimat nähte sie ihnen weiche Schuhe – und entdeckte eine Marktlücke. Heute hat Wildling 70 Mitarbeiter.
Kommentieren
Die beiden hatten Erfolg mit Barfußschuhen per Crowdfunding.
Ran und Anna Yona, Gründer von Wildling Shoes

Die beiden hatten Erfolg mit Barfußschuhen per Crowdfunding.

Bevor Gründerin Anna Yona zurück ins Oberbergische nach Engelskirchen zog, lebte sie zwölf Jahre in Israel. Dort hatte sie während des Studiums der Nahostgeschichte ihren Mann Ran kennen gelernt, einen Sporttherapeuten. Ihre drei Kinder wuchsen auf dem Land bei Haifa auf. „Die Kleinen liefen den ganzen Tag barfuß herum“, erzählt die 40-Jährige.

Umso größer war der Schock, als die Familie 2013 ins kalte Deutschland zog. Feste Schuhe waren die Kinder nicht gewohnt. Kurzerhand nähte Yona ihnen weiche Schuhe, die kaum einengten. Sie merkte: Bequeme Barfußschuhe für Kinder waren eine Marktlücke. Die Idee für Wildling Shoes war geboren.

Heute haben Anna und Ran Yona, 41, mehr als 70 Mitarbeiter, und sie verkauften zuletzt 80.000 Paar Barfußschuhe. Dieses Jahr sollen es 180.000 Paar sein. „Wir waren nach dem ersten Verkaufsjahr 2017 schon profitabel.“ Im November wurde Wildling Shoes mit dem Gründerpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Nun hat die Firma den US-Markt im Visier.

Sie hatte anfangs wenig Ahnung vom Schuhhandwerk

„Anfangs hatten wir keine Ahnung, wie man Schuhe macht“, erzählt Yona freimütig. Trotzdem stellte sie mit ihrem Mann einen Businessplan auf und ging zur Bank. Sie konnte eine junge Bankmitarbeiterin von einem ersten Kredit überzeugen. „Das war ja schon eine wilde Idee“, räumt sie ein. Aber die internationale Community auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter war angetan.

Die Geldgeber aus der Crowd gaben auch wertvolles Feedback: Sie wollten ganz kleine Größen und Barfußschuhe für Erwachsene. „Von denen verkaufen wir heute am meisten“, sagt Yona. In der Schuhmetropole Pirmasens erlernte das Ehepaar die Grundlagen des Schuhmachens. Und es fand einen italienischen Designer und einen Hersteller in Portugal.

Doch gleich die erste Kollektion geriet zum Fiasko. Der Kleber war gewechselt worden, aber er färbte total ab. „Die Leute bekamen tintenblaue Füße“, erzählt Yona. „Wir standen mit 2000 Paar unbrauchbarer Schuhe vor dem Aus. Doch die Crowdfunding-Gemeinde hielt uns die Treue, weil wir offen kommunizierten.“

Inzwischen verkauft Wildling Shoes Barfußschuhe vom Sneaker bis zum Winterstiefel aus Schafwolle in seinem Onlineshop. Christoph Eichhorn, Vorsitzender des Verbands Deutscher Orthopäden und Unfallchirurgen, bestätigt: „Viele Erwachsene haben heute verformte Füße.“

Besseres Körpergefühl für die Kunden

Hohe Absätze etwa führten bei entsprechender Veranlagung auf Dauer zu Hallux-Zehen und Problemen im Sprunggelenk. Barfußschuhe kann der Orthopäde deshalb nur begrüßen, solange sie vor Scherben schützen und einen gewissen Halt bieten. „Sie verbessern das gesamte Körpergefühl, den Gleichgewichtssinn und die Reaktionsfähigkeit beim Gehen. Fehlstellungen der Füße werden vermieden“, so Eichhorn.

Wildling ist nicht der einzige Hersteller von Minimalschuhen. Zwei Brüder aus der britischen Schuhdynastie Clarks sind mit Vivobarefoot erfolgreich. Hierzulande gibt es Anbieter wie Zaqq oder Filii. 2020 will Wildling auch in den USA Fuß fassen, obwohl es dort mit Allbirds bereits einen großen Anbieter gibt.

Die Firmenzentrale von Wildling Shoes befindet sich im Privathaus der Yonas. „Ich sah das als große Chance, in der Nähe der Familie zu arbeiten“, so Yona. Alle Mitarbeiter – 80 Prozent davon Frauen, meist Mütter – arbeiten übers Land verteilt im Homeoffice. Yonas Schwester betreut von Argentinien aus den Instagram-Kanal.

Je mehr Mitarbeiter hinzukommen, umso wichtiger werden aber persönliche Treffen. Yonas Eltern bauen ein Gebäude gerade zum Tagungszentrum um. „Reisekosten sind immer noch günstiger als dauerhafte Büromieten“, glaubt sie. Zumal Start-ups, die schnell wachsen, ständig umziehen müssten. Wildling-Schuhe gibt es heute nicht nur online, sondern auch in Pop-up-Stores auf Events. In Köln ist nun ein Showroom geplant. Yona: „Den können Mitarbeiter auch zum Coworking nutzen.“

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

0 Kommentare zu "Wildling Shoes: Gründerin Anna Yona hat mit Barfußschuhen Erfolg dank Crowdfunding"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.