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Wilhelm Weischer Mit Babys groß geworden

Weil sein Spielwarenladen nicht lief, stieg er auf Babysachen um. Heute führt der Unternehmer Deutschlands größte Babymarktkette BabyOne.
Update: 03.12.2018 - 04:05 Uhr Kommentieren
„Für manche ist der Kinderwagen ein Statussymbol wie das Auto.“ Quelle: BabyOne
BabyOne-Chef Wilhelm Weischer

„Für manche ist der Kinderwagen ein Statussymbol wie das Auto.“

(Foto: BabyOne )

MünsterWilhelm Weischer fährt mit dem Kinderwagen über die holperige Teststrecke mitten im Babymarkt – erst über Kopfsteinpflaster, dann über Holzbohlen. „Junge Eltern achten heute sehr darauf, dass die Wagen praxistauglich sind“, erzählt der Chef und Inhaber der Babymarktkette BabyOne. „Und für manche ist der Kinderwagen ein Statussymbol wie das Auto.“ Hier im BabyOne-Markt im Gewerbegebiet von Münster sind die Kleinsten Könige. Sie dürfen wild mit Bobbycar herumsausen, während ihre Eltern den neuen Autositz im Wagen vorgeführt bekommen. Angst, dass Kunden nach ausgiebiger Beratung dann doch Schnäppchen im Internet kaufen, hat Weischer nicht. „Es stimmt nicht, dass in Läden alles teurer ist“, behauptet der 63-Jährige. „Wir könnten gar nicht überleben, wenn wir nicht weitgehend die günstigen Preise wie im Onlinehandel anbieten.“

Der deutsche Marktführer BabyOne ist 30 Jahre nach der Gründung weiter auf Expansionskurs. 120 Märkte hierzulande sind Weischers Ziel – und im Internet will er ebenfalls wachsen. Im Schnitt lassen sich deutsche Eltern Erstausstattung vom Schnuller bis zur Wickelkommode rund 1.200 Euro kosten. Kunden von BabyOne sind da spendabler. Sie geben rund 2.000 Euro aus.

Weischers wohl größte Konkurrenten sind Web-Shops wie Amazon. Ein Drittel des Babybedarfs bis zum dritten Lebensjahr wird online gekauft, ermittelte das IFH Köln. Bisher hat sich BabyOne im Onlineshop auf Aktionsware konzentriert, um die Preise nicht kaputt zu machen. Nur 5.000 Artikel sind derzeit im Web-Shop von rund 12.000 in den Märkten. Das soll sich bald ändern, um noch mehr Kunden zu locken. Möglich macht das Bestehen im Preiskampf der gemeinschaftliche Einkauf für die 96 BabyOne-Fachmärkte und den Onlineshop. 35 der Märkte betreibt Familie Weischer. Die übrigen gehören Franchisepartnern.

Mit ausbleibenden Kunden hat Weischer so seine Erfahrungen. Die Eltern führten in Werne ein Spielwarengeschäft. Nach dem BWL-Studium sagte ihm sein Vater: „Entweder du steigst jetzt ein, oder ich vermiete den Laden.“ Weischer übernahm und stand bis abends im Geschäft – bis sein Bankberater anrief: „Wenn die Geschäfte noch drei Jahre so bescheiden weiterlaufen, müssen Sie schließen.“

Weischer, der bereits verheiratet war und drei Kinder hatte, musste umdenken. Sein Freund Karl-Wilhelm Röhricht hatte 1988 einen Babymarkt in Freudenberg eröffnet. Der lief so gut, dass bald weitere Märkte folgten. Weischer und Röhricht entwickelten ein Franchisemodell. In Münster mietete Weischer eine alte Tennishalle und wurde so der erste Franchisepartner von Babyland: ein gewagtes Experiment. Doch der Laden rentierte sich von Anfang an. Denn großflächige Babymärkte mit viel Auswahl zu günstigen Preisen gab es damals nicht.

Als Geschäftsfreund Röhricht 1998 erkrankte, kaufte Weischer das Unternehmen mit damals 18 Märkten und wurde zum Geschäftsführer der Firma, die inzwischen BabyOne hieß. Später zog die Zentrale nach Münster, wo heute 100 Mitarbeiter beschäftigt sind. BabyOne wächst. Allein in den letzten fünf Jahren ist der Umsatz um gut 50 Millionen auf fast 265 Millionen Euro 2018 gestiegen. Auch der Umsatz pro Haus wuchs stetig. „Ich habe immer Gelegenheiten ergriffen, die sich boten“, erklärt Weischer sein Erfolgsgeheimnis. „Andere waren nicht so mutig – gerade in Zeiten, als die Geburtenrate sank.“ Dreimal hat er den Kaufvertrag für Babymärkte unterschrieben, ohne Finanzierung in der Tasche. „Das versetzte meinen Wirtschaftsprüfer und Banker in Panik, aber letztlich klappte es doch.“ Die ersten Jahre habe er gerade so sein Gehalt verdient, er habe aber nie ein Minus gemacht.

Bei Wettbewerber Baby Walz dagegen, der neben dem Versandgeschäft rund 40 Filialen betreibt, liefen die Geschäfte zuletzt weniger gut. Ein Newcomer in der Branche ist Babymarkt.de. Die Tengelmann-Tochter kündigte vollmundig an, BabyOne in zwei Jahren als Marktführer zu überholen. Weischer bleibt gelassen: „Babymarkt.de macht nicht mal die Hälfte von unserem Umsatz.“

Visionär aus dem Münsterland

Doch nicht immer lief alles glatt bei BabyOne. Vor 18 Jahren war ein Franchisenehmer überraschend insolvent. „Das empfand ich als eine meiner größten persönlichen Niederlagen“, so Weischer. „Ich habe mir geschworen: Das passiert mir nicht noch mal.“ Seitdem ist ihm die Nähe zu seinen Franchisenehmern noch wichtiger. Die zahlen je fünf Prozent vom Nettoverkaufsumsatz, darin sind zwei Prozent Zuschuss für Werbung enthalten.

„BabyOne gehört zu den Leuchttürmen der deutschen Franchise-Landschaft“, konstatiert Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des deutschen Franchiseverbands. Das Unternehmen schneide bei Zufriedenheitsumfragen unter Franchisenehmern regelmäßig hervorragend ab. Weischer sei ein typischer Münsterländer – geradeheraus und verlässlich. Auch Thomas Koch, früherer Inhaber und Chef der Babymarke Sterntaler, hat Weischer als fairen Partner erlebt: „Er ist ein Visionär, ein Macher, der stets an Innovationen tüftelt.“

Weischer könnte sich etwa kleine Läden in der Innenstadt vorstellen: Was nicht im Laden ist, kann digital bestellt und am nächsten Tag geliefert werden. Im Ausland aber ist Weischer noch zurückhaltend. In Österreich gibt es sechs Filialen. In China sollte es einmal 30 BabyOne-Märkte geben. Davon träumte zumindest ein chinesischer Franchisepartner. Doch die Pilotläden in Schanghai waren viel zu klein. Für Weischer trotzdem ein „tolles Lernfeld“. Er ist stolz, beim China-Abenteuer nicht einen Euro verloren zu haben.

Seine Frau Gabriele Weischer unterstützt ihren Mann schon lange als Geschäftsführerin. „Er ist der Außenminister, ich bin die Innenministerin“, sagt sie. Vor drei Jahren haben sie die Geschäftsführung erweitert: Stefan Keil, ein Ex-Tchibo-Manager, war zuvor lange Geschäftsführer der Hamburger BabyOne-Märkte. Und auch zwei der vier Weischer-Kinder sind im Familienunternehmen tätig. Tochter Anna, 36, ist für die Strategie verantwortlich. Sohn Jan, 34 leitet die Rechtsabteilung. In zwei Jahren wechseln die Eltern in den Beirat, und die Kinder übernehmen mit Stefan Keil die Führung.

Auf moderne Führung legt die Familie viel Wert. Weischer selbst ließ sich vor Jahren zum Wirtschaftsmediator ausbilden. „Das hat meine Art zu führen erheblich verändert“, sagt er. Sein Credo: Die Menschen sind für ein Unternehmen deutlich wichtiger als die Stelle hinter dem Komma. Deshalb lud er zum 30-jährigen Jahrestag alle 1.400 BabyOneler nach Münster ein. Mehr als 700 kamen – von der Reinigungskraft bis zum Marktleiter. „Jeden habe ich persönlich begrüßt, und alle haben bis tief in die Nacht gefeiert – auch das ist Familie.“

Neulich lud Weischer den Bankberater, der ihn einst vor der unsicheren Zukunft seines Spielwarenladens warnte, zu BabyOne ein. „Der war sehr erstaunt und erfreut, welch gesundes Unternehmen aus seinem Rat erwachsen ist.“

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