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Wirtschaftskanzlei Clash der Egos – Gauweiler und Bub ringen um die Nachfolge

Die Hauptakteure der gefürchtetsten deutschen Wirtschaftskanzlei ereilt das Schicksal vieler Mittelständler: Sie tun sich mit der Nachfolgeregelung schwer.
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Die Kanzleigründer liegen im Clinch. Quelle: Wolf Heider-Sawall/laif
Wolf-Rüdiger Bub und Peter Gauweiler (links)

Die Kanzleigründer liegen im Clinch.

(Foto: Wolf Heider-Sawall/laif)

MünchenEin kleiner, alter Aufzug rattert von einer Seitenstraße aus hoch in die berühmte Wirtschaftskanzlei. Eine Münchener Schmuckadresse: „Promenadeplatz 9“. Dicke Teppiche absorbieren Geräusche, antiquarische Möbel verströmen die Aura einer barocken Ordinarius-Stube, in den Regalen stehen dicke Folianten, es hängen alte Bilder „Münchner Schule“ an den Wänden.

Hier haben sich die Rechtsanwälte Bub Gauweiler & Partner seit fast 23 Jahren eingerichtet, ein verschwiegenes Zentrum der Macht. Viele Chefs deutscher Firmen, vor allem aus dem Mittelstand, haben an diesem Ort Existenzfragen besprochen oder kleinere und größere Wirtschaftskriege geplant. Wer den Weg in die Kanzlei finde, für den sei es oft schon fünf nach zwölf, sagt Peter Gauweiler bei solchen Gelegenheiten gerne.

In Momenten der Pause fällt der Blick vom Balkon auf das 157 Jahre alte Denkmal für den Barock-Komponisten Orlando di Lasso – das inzwischen ein mit Blumen, Kerzen und Bildern verzierter „Schrein“ für den 2009 verstorbenen Popkünstler Michael Jackson ist, der im gegenüberliegenden Bayerischen Hof einst öfter abstieg. Gauweiler findet die Zweckentfremdung inzwischen okay.

Doch in das Juristenidyll an einem der schönsten Plätze der bayerischen Landeshauptstadt überhaupt platzen derzeit wenig erbauliche Meldungen. Bereits im vorigen Sommer befand die „Wirtschaftswoche“, die beiden Protagonisten Gauweiler und Wolf-Rüdiger Bub würden in eine „ungewisse Zukunft“ schauen.

Und die „Frankfurter Sonntagszeitung“ legte jetzt sogar mit der Meldung nach, es werde über „die Modalitäten einer Trennung“ verhandelt. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, die Sache könnte auch ganz anders ausgehen. Aus Juristenkreisen verlautet, tatsächlich würden derzeit Abmachungen über die Zukunftsregelungen und einen möglichen Nachfolger verhandelt, die Indiskretionen würden die Begleitmusik dazu liefern.

Ich habe Tapferkeit im Scheitern bewiesen – und ich bin nicht verstummt. Peter Gauweiler, Mitgründer der Kanzlei

Kennern fällt beispielsweise auf, dass in Berlin, dem zweiten Standort von Bub Gauweiler & Partner, seit Neuestem die Kanzlei Bub, Enderle & Meyer agiert. Sie vertritt Ernst-August von Hannover im Welfenschloss-Streit gegen seinen Sohn. Offenbar hat Gauweiler seinem Kompagnon in der Hauptstadt aber schon immer freie Hand gelassen.

Nach außen wirkten die Macher stets wie eine verschworene Kampfgemeinschaft zur Bewältigung schwieriger rechtlicher Fälle. Nach innen jedoch gehörten gepflegte Wortwechsel und Meinungsverschiedenheiten zum Betriebsklima.

Hier der politische Kopf Gauweiler, 69, ein Freigeist der CSU, der als letzter Kronprinz des großen Franz Josef Strauß galt, heute ein gesuchter Debattenanreger (oft in der „Frankfurter Allgemeinen“), einer, der sich viel mit dem Märchenkönig Ludwig II. beschäftigte und erklärt: „Christus schickte uns nicht in die Welt, um beliebt zu sein.“

Dort der schwergewichtige juristische Feingeist Bub, Jahrgang 1947, Fachautor, Honorarprofessor in Potsdam und Ehrenpräsident des Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter mit Faible für schöngeistige Literatur, einer, der ein großes Vermögen als Immobilieninvestor gemacht hat und sich oft bei Start-ups beteiligt. Zunehmend gewann intern auch Anwalt Franz Enderle an Profil; er ist auf Hauptversammlungen als „Aktionärsschreck“ bei den Board-Mitgliedern oben auf dem Podium gefürchtet.

Rivalität verstärkte sich

„In den letzten Jahren gab es da immer wieder einmal einen Clash der Egos“, sagt ein Eingeweihter. Nach dem größten Erfolg – einem Vergleich mit der Deutschen Bank über mehr als 900 Millionen Euro für die Erben des Medienzaren Leo Kirch im Jahr 2014 – habe sich die Rivalität noch verstärkt. Der Coup, der Bub Gauweiler ein Spitzenhonorar einbrachte, war im engen Zusammenspiel mit Kirchs Managern gelungen. Nach dem Wundersieg gegen das Geldinstitut häuften sich dann die Anfragen an die Kanzlei – manche sprachen irgendwann von einem „Triumvirat“ Bub–Gauweiler–Enderle.

Die Kanzlei war plötzlich für viele ein Garant, dass sich David gegen Goliath behaupten könne. So sicherte sich die Prevent-Gruppe der bosnischen Familie Hastor die Dienste der Münchener. Umgekehrt vertrat Bub Gauweiler den Metro-Konzern gegen den inzwischen verstorbenen Einzelaktionär Erich Kellerhals. Auch Airbus-Chef Tom Enders, Knorr-Bremse-Eigentümer Heinz Hermann Thiele oder Constantin Medien gehören zu den Mandanten.

Einfach werden die momentanen Diskussionen über die Zukunft nicht. Sie könnten sich noch Wochen hinziehen, sagt ein Vertrauter. Allem Anschein nach ereilt die beiden Topjuristen vom Promenadeplatz das Schicksal vieler Mittelständler, die mit 70 plötzlich eine Nachfolgeregelung brauchen und ahnen, sie hätten sich besser einmal früher damit beschäftigt.

„Fossilien wie Bub und Gauweiler sind vom Aussterben bedroht“, gab Wolf-Rüdiger Bub in der „Wirtschaftswoche“ bereits warnend zu Protokoll und legte bei dieser Gelegenheit seine Stimmenmehrheit in der Kanzlei offen.

Gesucht wird aber Einstimmigkeit. Gespräche mit Kandidaten sind wohl auch schon geführt worden, wobei die beiden Hauptmacher womöglich zu unterschiedlichen Vorstellungen neigen, erzählen Kenner. Auch in der jüngeren Vergangenheit waren Gauweiler und Bub wohl schon einmal nahe am Zerwürfnis, „doch sie haben sich immer wieder zusammengerauft“, erklärt ein enger Wegbegleiter der beiden.

Von Gauweiler, der sich aktuell nicht äußert, ist bekannt, wie er bei solchen unliebsamen Geschichten gern reagiert. Das ignoriere er nicht mal, sagt er dann mit einem kleinen Lächeln. In der Politik, das befand er offiziell, habe er „Tapferkeit im Scheitern bewiesen – und ich bin nicht verstummt“.

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