Wolfgang Grupp Trigema-Chef führt eine Privatfehde mit der Lufthansa

Wolfgang Grupp will keine Flüge mehr bei der Lufthansa buchen. Der Grund: Eine Odyssee zur Privataudienz mit dem Papst – und fünfstellige Ausgaben für Kleidung.
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Lufthansa: Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat Streit mit Lufthansa Quelle: Reuters
Wolfgang Grupp

Der Trigema-Eigentümer hatte bereits in der Vergangenheit diverse Auseinandersetzungen mit dem Lufthansa-Konzern – nun hat der Streit eine neue Schärfe erreicht.

(Foto: Reuters)

Burladingen, RomWehe dem, der einen Wutbrief von Wolfgang Grupp erhält, dem Eigentümer des T-Shirt-Herstellers Trigema im schwäbischen Burladingen. Etwas zu lachen hat dann höchstens das Publikum, nicht aber der Empfänger. Anfang September traf eine solche Epistel Karl-Ludwig Kley, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Lufthansa.

„Dieser Umgang mit Ihren Passagieren und das, was man den Passagieren zumutet, darf nicht normal sein“, kofferte Grupp den Chefkontrolleur der größten deutschen Fluggesellschaft an. „Ich glaube, dass gerade der Aufsichtsrat die Aufgabe hat, ein solches Geschäftsgebaren zu ändern und dafür zu sorgen, dass der Passagier wieder wie ein normaler Kunde behandelt wird.“

Eine Kopie des Schreibens, das dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, ging an Thorsten Dirks, den Chef des Lufthansa-Billigablegers Eurowings. Im Übrigen, ließ Grupp beide Herren wissen, habe er schon seit Monaten „selber und auch in der Firma vermieden, Flüge der Lufthansa-Group zu buchen“. Und gegenüber dem Handelsblatt versicherte er, dies künftig erst recht zu tun.

Der Brief mit der Boykottnotiz markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Fehde, die der streitbare Schwabe mit Lufthansa und Eurowings stellvertretend für Hunderttausende Fluggäste pflegt. Denn seitdem das Gespann vor knapp einem Jahr große Teile der Pleitefluggesellschaft Air Berlin übernahm, vergrätzte das Unternehmen mit Tausenden Verspätungen, Ausfällen und Flugzeugumleitungen die Kundschaft.

Von den 3.000 bis Ende Juli gestrichenen oder umgeleiteten Flügen am Düsseldorfer Flughafen, rechnete Airport-Chef Thomas Schnalke jüngst in der „Rheinischen Post“ vor, seien 60 Prozent auf die Lufthansa-Gruppe entfallen. Wie zum Beweis landete in der Nacht vom Samstag auf Sonntag eine Eurowings-Maschine aus Süditalien nicht nur mit rund sechs Stunden Verspätung gegen 0.30 Uhr in Berlin, sondern statt in Tegel auch noch in Schönefeld, ohne den Passagieren einen Transfer anzubieten.

„Gier, Größenwahn und Unfähigkeit – mit Lufthansa fliege ich nicht mehr"

Nachdem sich Grupp schon einmal im Juli geharnischt bei Lufthansa-Chefkontrolleur Kley und Eurowings-Kapitän Dirks über derlei Fehlleistungen beschwert hat, eskaliert die Auseinandersetzung nun durch eine bizarre Odyssee, die dem Trigema-Chef und seiner Familie am Samstag, dem 31. August, widerfuhr.

Grupp, Gattin Elisabeth, Tochter Bonita und Sohn Wolfgang waren rechtzeitig mit ausgedruckten Bordkarten und Gepäck am Airport Stuttgart zum Boarding für einen Flug mit Eurowings um 11.40 Uhr nach Rom erschienen. Die vier hatten die Ehre, am darauffolgenden Tag an einer Privataudienz von Papst Franziskus teilzunehmen. Zur Einstimmung war für den Anreisetag um 20 Uhr ein Galadiner auf dem Aventinhügel über dem Vatikan angesetzt, am Sitz des Malteserordens.

Chaotische Anreise

Doch aus dem gemeinschaftlichen Abendmahl sollte nichts werden. Grupp hatte gerade mit Gepäck eingecheckt, da erklärte ein Eurowings-Mitarbeiter, für seine Angehörigen sei kein Platz mehr, weil wegen technischer Probleme eine kleinere Maschine eingesetzt werde. Es gebe jedoch einen Flug über München, Ankunft in Rom: 17.55 Uhr.

Weil dadurch die Teilnahme am Galadiner wackelte, entschieden sich Grupps Angehörige abzuwarten, ob vielleicht doch noch Plätze in der kleineren Direktmaschine nach Rom unbesetzt blieben.

Damit nahm das Chaos allerdings seinen Lauf. Der Eurowings-Mitarbeiter weigerte sich nämlich, das Gepäck der drei zusammen mit Grupps Koffer aufzugeben, obwohl dieser den Aufpreis zu zahlen bereit war. Stattdessen versah der Bedienstete das Gepäck mit einem Anhänger „standby“.

Als Grupps Angehörige dann tatsächlich noch freie Plätze ergatterten, versäumte es der Eurowings-Mitarbeiter offenbar, das als „standby“ deklarierte Gepäck mit aufzugeben. In Rom gelandet, hatte nur Vater Grupp seinen Koffer. Die anderen drei der Familie erfuhren erst nach zwei Stunden, dass ihr Gepäck nicht mitgekommen war.

Die Folgen lassen Grupp bis heute fluchen. Um sich wie vom Protokoll verlangt kleiden zu können, blieb den dreien nur, per Taxi Roms Kaufhäuser anzusteuern. Grupps Gattin und Tochter erstanden auf die Schnelle je zwei passende dunkelblaue Kleider von Claudie Perliot mit langen Ärmeln.

Sohn Wolfgang legte sich nebst Hemden und Krawatten von Boggi einen Anzug zu, der aber erst einmal gekürzt werden musste. Während er das Festdiner mit etwas Verspätung erreichte, trafen Mutter und Schwester erst nach dem Nachtisch ein. Lufthansa hat sich auf Anfrage nicht zu diesem Vorgang geäußert.

Bei Grupps erstem Wutausbruch im Sommer hatte Lufthansa-Kontrolleur Kley noch Eurowings-Chef Dirks vorgeschickt, um sich für ähnliche Unannehmlichkeiten nach einer Flugverspätung zu entschuldigen. Damit will sich der 76-jährige Schwabe Grupp aber nicht mehr zufriedengeben. „Darf ich diesmal auf Ihr Verständnis für meine sicher berechtigte Beschwerde hoffen?“, schrieb er Kley.

Seine Frau sowie seine Kinder haben die fünfstelligen Ausgaben für ihr Extraoutfit in Rom Eurowings in Rechnung gestellt. Auf eine Antwort der Lufthansa wartet Grupp. Auch gegenüber dem Handelsblatt hat sich die Airline dazu nicht geäußert.

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  • Lieber Herr Hans Henseler, Herr Tony Cianciosi,
    wie gesagt ... es kann nur besser werden - und ich gehe davon aus, dass es ab 2019 wieder so gut wird wie vor der AirBerlin - Pleite. Schade, dass Sie von den Problemen betroffen waren.
    Persönlich empfinde ich, dass trotz der Probleme wie Koffer und auch Flugausfälle, die Lufthansa eine gute Arbeit leistete. Von einer Krise hat man nur wenig gespürt!
    Gut auch, dass Sie sich bei der Lufthansa beschweren! Ich würde das auch so tun - bestimmt lesen Lufthansa - Mitarbeiter auch diese Kommentare und suchen nach Verbesserungen.
    Ihre Kritik ist gerechtfertigt. Ich hoffe, dass Lufthansa die Probleme bis 2019 abstellt!

  • @ Herr Andre Peter,

    ich beschäftige mich seit 2 Tagen damit meinem Koffer hinterher zu telefonieren. Das Lufthansa Call Center verweist mich an die Eurowings. Die Eurowings sagt, dass für die ersten 5 Tage der Airport und die AHS Düsseldorf (Lost&Found) für das Handling zuständig ist. Die AHS sagt Sie habe den Koffer zur Zustellung bereits an INTERKEP übergeben und betonte, dass der Zusteller vom Carrier also Eurowings ausgewählt wird. Seid zwei Tagen habe ich da jemand niemand erreicht. Nachdem ich überall bei Interkep angerufen habe, nimmt doch tatsächlich jemand heute das Telefon ab und sagt, man hätte die Koffer noch nicht vom Flughafen bekommen. Das ist schon ein Possenstück ohne gleichen. Das dumme ist, ich verreise morgen wieder und benötige den Inhalt meines Koffers.

  • Herr Peter, die Passagiere haben Verstaendnis fuer Schwierigkeiten, aber nicht fuer die Art
    wie das Personal mit diesen Schwierigkeiten umgeht! Und das ist genauso bei der Deutschen Bahn (oder noch schlimmer!) bei den Flughaefen etc. Am Samstagabend
    reklamierte ich bei der Flughafensicherheit die fehlende Information ueber bevorzugten
    Zugang der business und 1. Kl. Den Zugang gibt, die Anzeige-Monitore auch - nur steht nix
    drauf. Reaktion des Personals: Nicht zustaendig! Das sind nicht Zustaendigkeiten sondern
    Zustaende!!!

  • Es ist schon interessant, dass hier niemand an die Problematik denkt:
    AirBerlin ist die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft gewesen.
    Lufthansa war mit dem Niedergang und der Unsicherheit konfrontiert, wie es mit AirBerlin und den fehlenden Flügen, Mannschaften, Flugzeugen weitergeht.

    Dass man kein Verständnis an den Tag legt für so schwierige Übergangszeiten irritiert mich.
    Viele "böse" Worte, und Fehde ist so eines, anstatt Verständnis und etwas Lob für die enormen Integrationsleistungen in Richtung der Lufthansa sind in Deutschland wohl der gute Ton. Leider! Selbstkasteiung ist zur Zeit angesagt!

    Persönlich gehe ich davon aus, dass Lufthansa spätestens 2019 wieder alles im Griff hat und die Integration der ehemaligen AirBerlin Teile vollzogen ist.

    Desweiteren stört mich das ständige Bashing, sei es gegen deutsche Banken, deutsche Automobilhersteller oder jetzt gegen ein deutsches Luftfahrtunternehmen. Es wird nur recht unsachlich drauf gehauen, emotional und ohne Berücksichtigung des Zusammenhangs.

    Was hätte Herr Grupp getan, wenn er plötzlich doppelt so viele Kleidungsstücke ausliefern müsste - ohne Vorwarnung? Nun gut, der Vergleich hinkt, Kleidung kann man in Asien bestellen. Flugzeuge und Mannschaften bekommt man nicht so leicht her.

  • "Wer einen Fehler nicht korrigiert, begeht den nächsten." Nicht nur, dass die Performance von Lufthansa mittlerweile katastrophal ist, Feedback wird erst nach Monaten und ungenügend beantwortet. Ausbaden müssen es Passagiere und auch das zumeist sehr freundliche Kabinenpersonal. Wenn, wie zuletzt erlebt, von sechs Flügen einer Reise sechs verspätet starten, fünf verspätet landen, eine Zwangsübernachtung erfolgen muss und bei beiden Umsteigevorgängen das Gepäck für Tage verloren geht, dann wundert man sich schon über vier Monate Wartezeit für die Beschwerde und dann die Ablehnung einer Entschädigung.
    Sehr geehrter Herr Grupp, leider wird es schwer mit dem Verzicht auf Lufthansa; für Ihren Beitrag und den Bericht des Handelsblattes danke ich - vielleicht liest man ja auch in der Lufthansazentrale und erinnert sich an alte Tugenden.

  • Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und meide jetzt Eurowings wo es geht. Leider hat die Lufthansa-Group auf vielen Strecken ein Monopol. Das nutzt sie schamlos aus und bietet den Kunden mitunter ein katastrophales Service. Ich war lange Jahre ein Senator-Mitglied und ich bedaure es sehr, den Verfall einer einst sehr gut geführten Fluggesellschaft miterleben zu müssen.

  • @ Herrn Peter
    1. Die seit 1919 bestehende TRIGEMA, welches seit 1969 durch Wolfgang Grupp sen. geleitet wird, würde im Jahr 2018 nicht mehr existieren, wenn die Geschäftsleitung eines Inhaber geführten mittelständischen Unternehmens, wie Sie es erwarten, ein privates Ausgabeverhalten an den Tag legen würde, wie z.B. eben mit einem Privatjet nach Rom zu fliegen.

    2. Lufthansa bietet keinen Direktflug von Stuttgart nach Rom an. Also bleibt, nach der Pleite von Air Berlin, notgedrungen nur Eurowings. Ansonsten mit Umsteigen über 3,5 Stunden.

    3. Billlig-Airline vs. LH-First Class: LH-Zubringerflug nach FRA 1,5 Stunden verspätet. Als First-Class Passagier hat der Anschlussflug sogar 20 Minuten gewartet! Trotzdem konnte, bei einer sensationellen Umsteigezeit von lediglich 10 Minuten mit Passkontrolle, es das Gepäck natürlich nicht schaffen. Nach Ankunft BKK unmittelbar zum LH Counter am Band. "Wir haben keine Information aus FRA, dass Ihr Gepäck nicht an Bord ist. Bitte warten Sie, bis alle Koffer vom Band sind." ??? Nach über 1 Stunde, natürlich kein Gepäck auf dem Band. "Wir fliegen morgen um 11.30 Uh weiter nach Siem Reap. Bitte sorgen Sie dafür, dass das Gepäck mit der THAI TG 923 nachkommt. Dieser Flug ist um ca. 07.00 in BKK. Die LH kommt erst Nachmittags, dann sind wir schon weg." "Wir versuchen es." ??? Der Wunsch war der Vater des Gedanken. Das Gepäck kam natürlich erst am Nachmittag mit der LH an, wir waren schon in Siem Reap, immer noch ohne Gepäck. Das kam dann am sehr späten Abend am Flughafen in Siem Reap an. Zustellung ins Hotel? "Sorry diesen Service haben wir nicht in Cambodia. Und aus Sicherheitsgründen müssen Sie das Gepäck dort auch persönlich abholen." ??? Also 1 Stunde Fahrt zum Flughafen und um Mitternacht zurück.

    Herr Grupp hat vollkommen Recht. Mitdenken/Aufmerksamkeit/Kommunikation der Mitarbeiter, in dem ganzen derzeitig fast schon nicht mehr vermeidbaren Flugchaos, hilft ein wenig weiter und darf bei der LH-Gruppe auch erwartet werden.

  • @Herr Tony Cianciosi,
    Dass ein Koffer verloren geht, passiert schon mal. Dass er aber 2 Tage nicht zugestellt wird, ist seltsam - hab ich so nicht erlebt.
    Was sagt denn die Lufthansa dazu?

  • Ich muss mich Herrn Gruppe anschliessen. Man bucht ein Lufthansa Ticket von Nizza nach Düsseldorf über München. Der Koffer geht auf der Teilstrecke München nach Düsseldorf verloren. Obgleich man einen Beförderungsvertrag mit Lufthansa hat, verweist Lufthansa an die Eurowings, die die Teilstrecke betreibt. Diese wiederum hat einen Serviceprovider mit der Gepäckrecherche und -zustellung beauftragt. Der Koffer ist bereits zwei Tage in Düsseldorf und wird nicht zugestellt. Alptraum!

  • Sehr geehrter Herr Peter,

    Sie haben vollkommen recht wenn es so wäre, jedoch hat der Verfasser aus unerklärlichen Gründen es nicht richtig weitergeben. Wir haben ca. € 800-900 pro Person gebraucht um das Notwendigste für Kleidung Schuhe, Koffer etc. zu kaufen für die verschiedenen Veranstaltungen.

    Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

    Mit freundlichen Grüßen,

    W. Grupp jun.

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