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Yext-Chef Howard Lerman Ein amerikanischer Gründer bringt Ordnung ins Internet

Das US-Start-up Yext bietet digitales Standortmarketing auch für kleine Firmen. Nun macht der Gründer Berlin zur Europazentrale des Einhorns.
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Digitales Wissen besser managen. Quelle: Yext
Yext-Gründer Howard Lerman

Digitales Wissen besser managen.

(Foto: Yext)

DüsseldorfUm das Geschäftsmodell von Yext zu erklären, zückt Gründer Howard Lerman gerne sein Smartphone. „Wie viele Körbe hat Kobe Bryant im vergangenen Jahr im letzten Drittel geworfen?“, will der 38-jährige Amerikaner wissen. Konventionell dauert seine Suche über Google und die Website der US-Basketballliga NBA knappe zwei Minuten. Dann stellt er dieselbe Frage per Spracheingabe. Eine App liefert ihm das Ergebnis in wenigen Sekunden.

Dass er diese Information so schnell erhält, ist vor allem ein Verdienst seines Unternehmens Yext, das Lerman mit seinen Schulfreunden Tom Dixon und Sean Macslaac entwickelte. Webseiten stehen voller Texte und Bilder. Die gewünschten Informationen herauszufiltern dauert aber. Das will Yext ändern und sieht sich als Vorreiter beim digitalen Wissensmanagement.

Bislang ist das Geschäftsmodell aber noch deutlich simpler: Unternehmen bezahlen Yext vorrangig dafür, dass sie wichtige Informationen wie Filialstandorte und Öffnungszeiten über alle gängigen Plattformen streuen. Davon profitiert etwa Yext-Kunde Deutsche Telekom, wenn ein Nutzer zum Beispiel bei Google Maps die nächste Telekom-Filiale erfragt.

Innerhalb von sieben Jahren hat Lerman das US-Unternehmen mit Sitz in New York zum Marktführer mit 40 Prozent Marktanteil aufgebaut. 2017 ging Yext in New York an die Börse. Nun soll das Unternehmen global wachsen.

Wichtiger Knotenpunkt soll dabei Berlin werden. In Charlottenburg entsteht mit rund 100 Mitarbeitern die europäische Zentrale für Marketing und Vertrieb. 50 von weltweit mehr als 900 Beschäftigten arbeiten bereits hier.

Yext will weltweit gerade auch kleine Betriebe als Kunden gewinnen. Es reicht eine Eingabe, und die Firmenprofile mit allen Standorten werden auf mehr als 100 relevanten Plattformen im Netz aktualisiert. Relativ niedrige Preise, aber auch Datentiefe und Messbarkeit sollen Kunden von Yext überzeugen.

Bislang lief Standortmarketing vor allem über analoge Anbieter wie Gelbe Seiten, wofür selbst kleine Firmen zum Teil vierstellige Beträge zahlen müssen. Bei Yext und dem deutschen Hauptwettbewerber Uberall aus Berlin startet das digitale Basispaket schon bei knapp zehn Euro.

Lerman ist ein typisch umtriebiger amerikanischer Gründer. So schloss er auch nur sein Grundstudium an der Duke University ab und gründete lieber in jungen Jahren Firmen. Schon in der Highschool interessierte er sich für Sprachen und IT.

Als Jugendlicher will er, so erzählt er gerne, eine Telefonleitung gehackt und so noch vor dem Internetzeitalter über seinen Computer gechattet haben. Zur gleichen Zeit lernte er Deutsch und Chinesisch.

Einhorn mit Wachstumsschmerzen

Vor Yext gründete Lerman bereits vier Start-ups, mit denen er erfolgreiche Exits machte. Exemplarisch steht hierfür der Verkauf seines Start-ups Felix, eines Nebenprodukts von Yext. Den Pay-per-Call-Dienst verkaufte er im Frühjahr 2012 überraschend für 30 Millionen Dollar. „Man macht keine kleinen Wetten bei Technologie. Wir haben bei Felix einfach gemerkt, dass es kein Milliardending wird“, sagt Lerman heute dazu.

Dieses Milliardending gelang dem Gründer dafür mit Yext. Das Unternehmen ist mit knapp 1,5 Milliarden Dollar an der New Yorker Börse bewertet und gilt damit als sogenanntes Einhorn. Doch dieses Einhorn hat Wachstumsschmerzen.

Bislang machte Yext trotz hoher Umsatzzuwächse jedes Jahr Millionenverluste. 2017 lag das Minus beim Ebitda bei knapp 66 Millionen Dollar. Das drückt auf den Aktienkurs, der zwar ein steiles, aber sehr volatiles Wachstum hat.

Zwar sprang der Umsatz innerhalb von drei Jahren von 60 Millionen auf 170 Millionen Dollar 2017. Für 2019 prognostiziert Yext einen Umsatz von rund 228 Millionen Dollar. Doch das Wachstum reicht Lerman nicht aus.

Und auch das Geschäftsmodell ist kein Selbstläufer. Unternehmen können schließlich weiterhin ihr Standortmarketing selbst betreiben – kostenlos. Die Überzeugungsarbeit, die bei Firmen zu leisten ist, dürfte wohl härter sein, als es dem ambitionierten Lerman lieb ist.

„Howard Lerman ist ein Unternehmer, der total auf Produkte fixiert ist, die der Markt braucht. Er ist fordernd und ungeduldig“, charakterisiert ihn Investor und Unternehmer Chris Kuenne.

Um das Wachstum zu forcieren, ist Lerman auf Marketingtour rund um den Globus gegangen. Ganz unverhohlen gibt er zu, dass es Yext an Vertriebsstärke fehlt: „Das bauen wir derzeit extrem aus. Wir möchten unsere Vertriebler dort haben, wo der Kunde sitzt.“

Mit der neuen Europazentrale in Berlin-Charlottenburg greift Yext auch Konkurrent Uberall direkt an. Das Berliner Start-up wurde nur vier Kilometer entfernt gegründet. Uberall ist deutlich kleiner als Yext. Die Berliner machen mit knapp 250 Mitarbeitern einen Umsatz im „zweistelligen Millionenbereich“.

Uberall-Chef Florian Hübner sieht die globale Expansion von Yext trotzdem gelassen. Denn er glaubt an seinen Vorteil als Pionier im europäischen Markt: „Gerade beim Thema Datenschutz vertrauen uns europäische Unternehmen mehr als Yext. Die Datenschutz-Grundverordnung ist gut für uns“, meint Hübner, 36.

Ohnehin hat der Markt viel Luft nach oben. Das sehen alle Anbieter so. Gerade mal fünf Prozent der Firmen in den Hauptmärkten Europa und Amerika betreiben digitales Standortmarketing. „Der Standort ist das Wichtigste, um Nutzern relevantere Anzeigen zuzuspielen, wovon Unternehmen profitieren“, meint Mark Fruehan von Verve, einem Technologiepartner von Yext.

„Der Markt bietet ein extrem hohes Potenzial“, ist Lerman überzeugt. Zehn Milliarden Dollar will Yext mittelfristig im Jahr umsetzen. Das gibt der Seriengründer ganz unbescheiden als Ziel aus.

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