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Zender-Chef Dei Vecchi Wie aus dem Tuning-Spezialisten Zender ein systemrelevanter Maskenproduzent wurde

Der Zender-Mehrheitseigner war fassungslos, dass in Italien Ärzte starben, weil Schutzmasken fehlten. Er will nun dauerhaft FFP2-Masken produzieren.
04.05.2020 - 17:24 Uhr Kommentieren
Der Mehrheitseigner von Zender Germany macht aus dem Autotuning-Unternehmen einen Maskenproduzenten. Quelle: Zender
Marco Dei Vecchi

Der Mehrheitseigner von Zender Germany macht aus dem Autotuning-Unternehmen einen Maskenproduzenten.

(Foto: Zender)

Düsseldorf Der Ort Caorle, an dem diese Geschichte im deutschen Mittelstand ihren Ausgang nimmt, liegt 50 Kilometer nordöstlich von Venedig, ganz nah an Bibione, diesem Badeort mit dem Charme der 1960er Jahre, der einmal zu den Stränden zählte, die sich Teutonengrill nannten. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders hatte sich dort so mancher Deutscher seine helle Haut unter der italienischen Mittelmeersonne verbrannt.

Doch im Mai des Jahres 2020 sind die italienischen Strände leer, auch wenn die Ausgangsbeschränkungen mittlerweile aufgehoben wurden. Die Angst vor dem Coronavirus steckt tief und Marco Dei Vecchi, Geschäftsführer des Autotuning-Spezialisten Zender Italia und Mehrheitseigner von Zender Germany, kann das nachvollziehen.

Dei Vecchi traf deswegen eine wichtige Entscheidung: Von Caorle aus machte er aus der Tuningfirma ein systemrelevantes Unternehmen. Dafür stellte er die Produktion um, die sich in Osnabrück befindet, dem Hauptsitz von Zender Germany, wo auch der zweite Geschäftsführer und Gesellschafter Norbert Borner sitzt. Statt Carbon-Teile und Innenraumverkleidungen stellt der Autozulieferer nun Schutzmasken her.

In Italien habe er Ende Februar schon etwas gespürt, dann Anfang März sei es losgegangen, da wurden die Firmen gesperrt und dann „diese vielen Toten“. Man habe sich nicht vorbereiten können, in Italien, es gab viel zu wenig Schutzkleidung: „Ich bin noch immer fassungslos, dass hierzulande so viele Ärzte gestorben sind, weil sie keine Schutzmasken und -kleidung hatten, als sie helfen wollten“, sagt Dei Vecchi. Dann sei der Aufruf an die italienischen Firmen gekommen, sie sollten Masken fertigen.

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    Zender Italia ist nur der verlängerte Arm des Autozulieferers, die Produktion findet in Osnabrück statt. Dort sind inzwischen alle Produktionsstätten des Unternehmens vereint, wo Dei Vecchi nun Schutzmasken mit dem FFP2-Standard fertigen lässt. Diese schützen nicht nur andere Menschen vor einer Infektion mit dem Coronavirus, sondern auch den Träger. Vor allem Ärtze, die Covid-Patienten behandeln sind auf FFP2-Masken angewiesen.

    Maskenproduktion statt Kurzarbeit

    Die Verhandlungen mit Kliniken und Einkaufskooperationen im Gesundheitswesen laufen auf Hochtouren. Dass es diese Schutzmasken sein sollen und nicht irgendwelche aus Stoff für den Hausgebrauch, das ist Dei Vecchi sehr wichtig.

    Seine Beraterin Ursula Stecker hatte die richtigen Kontakte in die neue, ungewohnte Zuliefererwelt, nun eben für Masken. Sie war eigentlich damit betraut gewesen, die Werksschließung von Zender in Mauer zu begleiten, dort betrieb das Unternehmen eine weitere Produktion, die geschlossen wurde, um alle Produktionen in Osnabrück zusammen zu führen. So ganz leicht war die Zeit für kleine Autozulieferer mit rund 60 Mitarbeitern wie Zender auch vor der Coronakrise nicht.

    Der 58-Jährige erkannte: „Wir haben das Know-how und die technischen Anlagen. Damit können wir in hohen Stückzahlen effizient stanzen, cutten, nähen, ultraschallschweißen und wir produzieren in Reinräumen“, normalerweise zum Beispiel um Carbon zu laminieren. „Leider war das Virus in Italien schneller als wir ….“

    Was er damit meint: es fehlen noch immer Schutzmasken in Italien und auch in Deutschland. Bei Zender heißt es nun Maskenproduktion statt Kurzarbeit. Denn wie so viele Autozulieferer hätte auch Zender die Produktion stoppen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Zwar müssen sich die Mitarbeiter nun umstellen, aber: „Die Maskenproduktion hat Arbeitsplätze gerettet“, sagt Beraterin Ursula Stecker.

    Statt bisher rund 60, arbeiten mehr als 120 Mitarbeiter in Osnabrück, auch weil nun die Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirmen dort weiter arbeiten können und ebenfalls nicht in die Kurzarbeit gehen müssen. Die Vliesstoffe bekommt Zender derzeit vom Zulieferer Freudenberg und verhandelt auch mit weiteren Lieferanten. Hierzulande gibt es einen Engpass für das so genannte Meltblown-Vlies.

    Die Masken müssen zertifiziert werden, bevor sie zum Einsatz kommen. Derzeit werden die Produkte von Zender von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung geprüft. Die vollständige Zertifizierung wird gerade bei der Dekra vollzogen.

    Produktionsumstellung ist eine Herausforderung

    Die Geschichte des Unternehmens ist wechselvoll. Das 1969 von Hans-Albert Zender gegründete Unternehmen wuchs in den vergangenen Jahren auf rund 400 Mitarbeiter an. Im Jahr 2008 stellte Hans-Albert Zender das Autotuning ein. Dei Vecchi, der schon einige Jahren für Zender das Italiengeschäft vor allem mit Individualisierungen für Fiat-Modelle betreute, und Borner übernahmen das Unternehmen mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die nächste Krise kam mit Dieselgate und der Elektromobilität, die Aufträge gingen zurück.

    Nun will Zender andere Akzente setzen und hat sich entschieden, in die notwendigen Maschinen zu investieren, schließlich will Dei Vecchi dauerhaft Masken fertigen. Denn ihm sei immer klarer geworden, dass die Masken künftig zum Leben dazugehören würden.

    „Die Maskenproduktion sowie die persönliche Schutzausrüstung werden ein Teil von Zender bleiben. Ein weiterer Wirtschaftszweig!“ Dass die Umstellung für die Mannschaft in Osnabrück allerdings auch keine Kleinigkeit war, erklärt Qualitätsmanager Mark Kröger: „Die Umstellung unserer Produktion auf die Herstellung von Atemschutzmasken war und ist für uns alle eine große Herausforderung. Aber mit dem richtigen Team kann man alles schaffen.“

    Weil die Maschinen sehr teuer sind, hat Zender einen KfW-Darlehen über die Sparkasse Osnabrück erhalten, damit die Produktion weiter hochfahren kann. „Ich glaube, dass es strategisch für ein Land wichtig ist, lebenswichtige Dinge wie Schutzmasken im Land oder in Europa zu produzieren.“

    Der Bund hat Ende April eine Förderung für die Herstellung von Meltblown-Vlies-Anlagen zur Herstellung von FFP2- und FFP3-Masken mit 30 Prozent beschlossen. Derzeit wird offenbar überlegt, ob die Anlagenförderung auch für die Maskenproduktion selbst ausgedehnt wird. Das ist nicht unwichtig, weil die Masken aus China wieder auf den Markt kommen.

    Zender will dann aber auch so weit automatisiert sein, um trotzdem wettbewerbsfähig zu sein. „Die Entwicklung in Osnabrück kann ich aufgrund der Situation, das man nicht reisen kann und wegen der aktuellen Quarantäneanforderungen, leider nur aus der Ferne betrachten.“

    Mehr: Zwei Brüder aus Mainz liefern Millionen von Atemmasken an Krankenhäuser, Ärzte oder die Feuerwehr.

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